Drogenkonsumierende in Europa sind mit neuen Gesundheitsrisiken durch sich rasch wandelnde und immer komplexere Drogenmärkte konfrontiert. Diese Warnung spricht die Drogenagentur der Europäischen Union (EUDA) in ihrem heute veröffentlichten Europäischen Drogenbericht 2026: Trends und Entwicklungen aus (1).
Auf der Grundlage von Daten aus 29 Ländern (EU-27, Norwegen und Türkei) hebt der Jahresbericht die Risiken für die öffentliche Gesundheit hervor, die sich aus der breiten Verfügbarkeit und dem Konsum eines immer vielfältigeren Spektrums von Substanzen ergeben, die häufig einen hohen Wirkstoffgehalt oder Reinheitsgrad aufweisen. Es kommen kontinuierlich neue Cannabisprodukte auf den Markt, gleichzeitig nimmt die Vielfalt der angebotenen Opioide und Stimulanzien zu. Auch der polyvalente Drogenkonsum ist weit verbreitet, wobei die Betroffenen Drogen auf eine Weise kombinieren, die das Risiko erhöht und die Behandlung erschwert. Die Fähigkeit Europas, diese komplexen Herausforderungen zu bewältigen, wird von besseren Hilfsangeboten und nachhaltigen Investitionen in Prävention, Behandlung, Schadensminimierung und soziale Wiederein-gliederung abhängen.
Es wird nach wie vor etwa jede Woche eine neue psychoaktive Substanz (NPS) entdeckt. Im Jahr 2025 wurden in Europa erstmalig 50 neue psychoaktive Substanzen gemeldet, womit sich die Gesamtzahl der von der EUDA überwachten Substanzen auf 1050 erhöhte. Darunter befinden sich hochwirksame neue synthetische Opioide, die mit einem erhöhten Risiko für lebensbedrohliche Vergiftungen einhergehen. Das Vaping oder der Konsum von E-Zigaretten unter Verwendung nikotinhaltiger Produkte ist mittlerweile ein weit verbreitetes Merkmal des Substanzkonsums bei Jugendlichen in Europa (ESPAD, 2024). In EU-Mitgliedstaaten wurden E-Zigaretten beschlagnahmt, die andere Substanzen enthalten, wie beispielsweise synthetische und halbsynthetische Formen von Cannabis. Dies gibt Anlass zur Sorge, dass sie als Träger für andere schädliche Substanzen dienen könnten, darunter möglicherweise auch neue synthetische Opioide.
Neben gesundheitlichen Schäden und sozialer Vulnerabilität unterstreicht der Bericht die anhaltenden Auswirkungen der Drogenmärkte auf die Sicherheit in Europas. Drohungen und Gewalt im Zusammenhang mit Drogen geben weiterhin Anlass zur Sorge, darunter auch die Ausbeutung und Anwerbung vulnerabler Jugendlicher durch kriminelle Gruppen zum Zweck des Drogenhandels und zur Ausübung von Gewalt.
Gleichzeitig passt sich der Drogenhandel rasch an die Maßnahmen der Strafverfolgungsbehörden an. Nach verstärkten Polizeieinsätzen in den großen europäischen Häfen haben Kriminelle ihre Routen und Methoden diversifiziert, um einer Aufdeckung zu entgehen. Sie nutzen zunehmend kleinere Häfen und Umladungen auf See, bei denen Schnellboote und andere Schiffe sowie Halbtauchboote, Drohnen und ausgefeilte Tarnungsmethoden eingesetzt werden. Diese Entwicklungen erschweren die Aufdeckung des illegalen Handels und stellen höhere Anforderungen an die Strafverfolgungs- und Zollbehörden.
Die neue EU-Drogenstrategie sowie der Aktionsplan gegen den Drogenhandel bilden zusammen mit den vorgeschlagenen neuen Vorschriften zur Überwachung und Kontrolle von Vorläuferstoffen einen Teil der umfassenden Reaktion der EU auf das sich wandelnde Drogenproblem.
Magnus Brunner, Mitglied der Kommission für Inneres und Migration, erklärt: „Der Europäische Drogenbericht beleuchtet die menschlichen Kosten des Drogenkonsums; die neuesten Jahreswerte zeigen, dass es mindestens 7 600 Todesfälle durch Überdosierung gab. Wir müssen alles daransetzen, um zu verhindern, dass gefährliche neue Produkte den Markt überschwemmen, und mit aller Härte des Gesetzes gegen illegale Händler vorgehen, um ihnen ihr Geschäftsmodell zu nehmen. Mit dem EU-Frühwarnsystem erkennen wir frühzeitig neue Trends. Mit unserem Aktionsplan gegen den Drogenhandel haben wir den europäischen Behörden ein klares Leitbild an die Hand gegeben – und durch die Intensivierung der internationalen Zusammenarbeit bilden wir eine globale Front zur Bekämpfung dieses kriminellen Handels.“
Dr. Lorraine Nolan, Exekutivdirektorin der EUDA, fügt hinzu: „Die Drogenmärkte entwickeln sich rasant weiter, und die Vielfalt der Substanzen auf den Straßen Europas wird immer unvorhersehbarer.“ Dies birgt die Gefahr, dass Menschen hochwirksame Drogen einnehmen, oft ohne sie zu kennen. Harte Fakten sind heute wichtiger denn je. Der Europäische Drogenbericht enthält die Fakten, mit denen sichergestellt werden soll, dass unsere politischen Entscheidungsträger, Fachkräfte und Gemeinden gut vorbereitet sind. Gleichzeitig baut die EUDA ihre Überwachungs- und Vorsorgesysteme aus, um die europäischen Bürgerinnen und Bürger besser zu schützen und wirksame Maßnahmen zu unterstützen. Ein ausgewogener Ansatz, bei dem sowohl Angebot als auch Nachfrage berücksichtigt werden, ist von entscheidender Bedeutung. Dieser muss nicht nur wissenschaftlich fundiert sein, sondern auch die Menschenrechte und die öffentliche Gesundheit in den Mittelpunkt stellen.“
Cannabis: Verlagerung von Handelswegen, höherer Wirkstoffgehalt, neue Gesundheitsrisiken
Die Schmuggelrouten und -methoden für illegales Cannabis entwickeln sich weiter. Es werden zunehmend größere Mengen an Cannabiskraut von außerhalb Europas, insbesondere aus Kanada und den Vereinigten Staaten sowie in geringerem Maße aus Thailand, geschmuggelt. Überproduktion, sinkende Preise und starker Wettbewerb auf dem nordamerikanischen Markt für medizinisches Cannabis haben dort zu einem Überangebot an günstigeren Produkten mit höherem Wirkstoffgehalt geführt. Lieferungen aus Kanada nach Europa werden in der Regel in Seecontainern versteckt, während Lieferungen aus den Vereinigten Staaten meist im Postverkehr entdeckt werden.
Die Sicherstellungen in großen Häfen veranschaulichen diesen Trend. Im Jahr 2025 beschlagnahmten die Behörden in den Häfen von Rotterdam und Antwerpen jeweils rund 21 Tonnen pflanzliches Cannabis, das größtenteils aus Kanada stammte. Neben diesen Entwicklungen rücken zunehmend auch gesundheitliche Bedenken in den Fokus. Im Jahr 2025 veröffentlichte die EUDA über das Europäische Drogenwarnsystem ihre erste Risikomitteilung zu nordamerikanischem Cannabis, in der sie auf die Gefahren durch potenziell schädliche Pestizide hinwies. Dies unterstreicht die Notwendigkeit gezielter Maßnahmen und einer kontinuierlichen internationalen Zusammenarbeit.
Cannabis ist die am häufigsten konsumierte illegale Droge in Europa; Schätzungen zufolge haben im letzten Jahr 24,9 Millionen Europäerinnen und Europäer (im Alter von 15 bis 64 Jahren) diese Droge konsumiert. Die zunehmende Verfügbarkeit von wirksameren und vielfältigeren Cannabisprodukten erhöht die Gesundheitsrisiken und macht die Bewältigung dieser Herausforderungen komplexer. Mit schätzungsweise 104 000 Klientinnen und Klienten im Jahr 2024 macht Cannabis ein Drittel (33 %) der Personen aus, die sich in Europa in Drogenbehandlung begeben. Davon begannen 62 000 zum ersten Mal eine Behandlung. Cannabis, einschließlich hochwirksamer Produkte, Extrakte und essbarer Cannabisprodukte, wurde mit Notaufnahmen in Krankenhäusern in Verbindung gebracht. Die Verfälschung von Cannabisprodukten mit hochwirksamen synthetischen Cannabinoiden sowie die breite Verfügbarkeit von halbsynthetischen Cannabinoiden erhöhen das Risiko von Gesundheitsschäden. Beide werden in Form von E-Zigaretten und Esswaren verkauft, was Bedenken hinsichtlich des Konsums durch neue und möglicherweise jüngere Konsumierende aufkommen lässt.
Die Cannabispolitik in Europa entwickelt sich weiter, wobei einige EU-Mitgliedstaaten ihren Ansatz zum Cannabiskonsum und -angebot zu Freizeitzwecken geändert haben oder derzeit überprüfen. Diese Reformen befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungs- und Evaluierungsphasen und variieren von Land zu Land. Tschechien, Deutschland, Luxemburg und Malta erlauben einen begrenzten häuslichen Eigenanbau. Deutschland und Malta erlauben zudem den nicht gewinnorientierten Verkauf an Mitglieder regulierter Anbaugemeinschaften, während die Niederlande ein Pilotprojekt durchführen, bei dem in regulierten Einrichtungen produziertes Cannabis über Coffeeshops verkauft wird. Mit ihrem europäischen Toolkit für die Cannabispolitik wird die EUDA politische Entscheidungstragende unterstützen, indem sie eine vergleichbare Überwachung und Bewertung aller Formen von politischen Maßnahmen zur Cannabiskontrolle fördert.
Opioide: Neue synthetische Opioide bedrohen die öffentliche Gesundheit, während sich der Heroinmarkt weiterhin als widerstandsfähig erweist
Opioide, meist in Kombination mit anderen Substanzen, sind nach wie vor die häufigste Ursache drogenbedingter Todesfälle in Europa. Die EUDA schätzt, dass es im Jahr 2024 in der EU mindestens 7 600 Todesfälle durch Überdosierung gab, bei denen meist mehrere Substanzen im Spiel waren. In einigen Ländern werden bei einem erheblichen Anteil der Todesfälle durch Überdosierung andere Opioide als Heroin nachgewiesen, darunter hochwirksame synthetische Opioide, Medikamente zur Opioid-Agonisten-Therapie und Schmerzmittel.
Neue synthetische Opioide, die oft hochwirksam sind, geben Anlass zur besonderen Sorge; seit 2009 wurden in Europa 95 davon nachgewiesen. Allein im Jahr 2025 wurden dem EU-Frühwarnsystem (EWS) sieben neue synthetische Opioide gemeldet, darunter Nitazene und Orphinen. Auch gefälschte Arzneimittel, die Nitazene enthalten, und Nachahmungen von legalen verschreibungspflichtigen Medikamente wie Oxycodon oder Diazepam, werden zunehmend beim EWS gemeldet. Im Jahr 2024 wurden in zehn Ländern mehr als 50 000 nitazenhaltige Tabletten sichergestellt, gegenüber 23 000 im Jahr 2023 (380 im Jahr 2022). Es bestehen Bedenken, dass sich solche Tabletten unter Personen ohne Opioidtoleranz, darunter auch junge Menschen, verbreiten könnten. Die EUDA koordiniert ein Netzwerk von forensischen und toxikologischen Laboren, um die Analysekapazitäten zu erhöhen und Erkenntnisse aus der Praxis zu liefern. Nach einer Bewertung hochwirksamer synthetischer Opioide in den baltischen Ländern im Jahr 2025 bereitet die Agentur derzeit eine Bewertung der Bedrohungslage in Bezug auf neue synthetische Opioide in Europa vor.
Das von China im Juli 2025 verhängte generelle Verbot von Nitazenen könnte den Markt in Richtung alternativer Opioide lenken. In Europa gibt es immer mehr Meldungen zu Orphinen. Seit 2024 wurden neun neue Orphine identifiziert, von denen zwei (Cychlorphin und Spirochlorphin) derzeit von der EU untersucht werden. Zwischen Juni 2024 und Januar 2026 wurden 18 Todesfälle im Zusammenhang mit Orphinen gemeldet.
Todesfälle im Zusammenhang mit Fentanyl, einem hochwirksamen synthetischen Opioid, machen deutlich, wie wichtig Wachsamkeit ist. In Bulgarien war Fentanyl an mehr als 100 drogenbedingten Todesfällen beteiligt, die zwischen 2024 und 2025 gemeldet wurden. Die flächendeckende Verbesserung des Zugangs zu Opioid-Agonisten-Therapien, Nadel- und Spritzenprogrammen sowie zum Take-Home-Naloxon-Programm (THN) bleibt entscheidend, um der aktuellen Problemlage bezüglich Opioiden zu begegnen und die Vorsorge sowie die Widerstandsfähigkeit gegenüber Veränderungen auf dem Opioidmarkt sicherzustellen. Immer mehr Länder bieten THN-Programme an (19 europäische Länder im Jahr 2025).
Gleichzeitig erweist sich der europäische Heroinmarkt als widerstandsfähig. Ausgeklügelte Verarbeitungs- und Verfälschungspraktiken sowie die taktische Steuerung der Versorgung aus den großen Lagerbeständen Afghanistans (schätzungsweise rund 12 000 Tonnen Opium im Jahr 2025) durch Schleusernetze scheinen den drastischen Rückgang des Mohnanbaus und der Opiumproduktion nach dem Verbot durch die Taliban im Jahr 2022 abgefedert zu haben. Auch die Produktion verlagert sich an andere Standorte. Pakistan hat sich zu einer Produktionsstätte für Opium und Heroin entwickelt; mit einer Anbaufläche von über 9 000 Hektar für Schlafmohn im Jahr 2025 kann das Land mit der Produktion Afghanistans mithalten. In Asien erreichte der Schlafmohnanbau in Myanmar im Jahr 2025 mit mehr als 45 000 Hektar einen Zehnjahreshöchststand.
Kokain: Zunehmende Gesundheitsschäden, Crack-Konsum und sich wandelnde Schmuggelpraktiken
Der heute veröffentlichte Bericht zeigt, dass der Kokainkonsum in ganz Europa nach wie vor hoch ist: Etwa 4,3 Millionen Europäerinnen und Europäer (im Alter von 15 bis 64 Jahren) haben im letzten Jahr Kokain konsumiert. Auch die geografische Verbreitung von Kokain nimmt zu, ebenso wie die damit verbundenen Schäden. Aktuelle kommunale Abwasseranalysen zeigen, dass von den 85 Städten, aus denen Daten sowohl für 2024 als auch für 2025 vorliegen, 48 (57 %) einen Anstieg der Kokainrückstände meldeten. Die Zahl der Personen, die sich wegen Kokainproblemen in Behandlung begeben, steigt weiter an. Kokain war 2024 die zweithäufigst konsumierte illegale Droge unter Erstklientinnen und -klienten in spezialisierten Drogenbehandlungszentren und wurde von schätzungsweise 37 000 Klientinnen und Klienten genannt (ein Anstieg um 39 % seit 2018). Insgesamt gaben 74 000 Personen, die eine Behandlung begannen, Kokain als ihre Primärdroge an.
Im Jahr 2024 deuteten die verfügbaren Daten aus 20 Ländern darauf hin, dass Kokain an mehr als einem Viertel (27 %) der drogenbedingten Todesfälle beteiligt war. Kokain blieb auch weiterhin die am häufigsten gemeldete Substanz bei Vorfällen in den Notaufnahmen von Sentinel-Krankenhäusern und wurde in 26 % der Fälle genannt. Programme zur Analyse von Spritzenrückständen sowie Drogenkonsumräume melden risikoreiche Muster des Kokainkonsums, darunter den intravenösen Konsum und den gleichzeitigen Konsum mit Opioiden.
Crack gibt Anlass zur Sorge. Es handelt sich um ein offensichtliches und potenziell zunehmendes Problem in mehreren europäischen Städten, insbesondere unter marginalisierten Bevölkerungsgruppen. Dies könnte auf die hohe Verfügbarkeit von Kokain und die einfache Herstellung vor Ort aus Kokainpulver zurückzuführen sein. Im Jahr 2024 begaben sich schätzungsweise 11 400 Menschen wegen Crack-bedingter Probleme in Behandlung (gegenüber 9 900 im Jahr 2023) – 4 300 davon waren Erstklientinnen und -klienten. Insgesamt stellt der Konsum von Crack eine zunehmende Herausforderung für Anbieter von Schadensminimierungs- und Therapiemaßnahmen dar, da diese auf die Bedürfnisse einer Gruppe eingehen müssen, die unter schwerwiegenden gesundheitlichen und sozialen Problemen leidet. Die Behandlung von Kokainproblemen konzentriert sich weiterhin auf psychosoziale Interventionen, während die Forschung nach potenziellen pharmakologischen Behandlungsmethoden fortgesetzt wird (z. B. das Projekt #ScaleUp). Das System der EUDA zur Bewertung der Bedrohungslage untersucht derzeit einen potenziellen Anstieg des Konsums von Crack und der damit verbundenen Schäden.
Nach Jahren mit Rekordbeschlagnahmungen sank die Menge des in Europa beschlagnahmten Kokains im Jahr 2024 auf 330 Tonnen, gegenüber 419 Tonnen im Jahr 2023. Die Zahl der Sicherstellungen stieg jedoch auf 97 000 (95 000 im Jahr 2023), was darauf hindeutet, dass die Schleuser möglicherweise auf kleinere, fragmentiertere Sendungen umsteigen, um nicht entdeckt zu werden. Während Großlieferungen über Seehäfen weiterhin für eine hohe Verfügbarkeit sorgen, gibt es Anzeichen für eine Diversifizierung der Schmuggelrouten und ‑methoden. Es gibt vermehrt Berichte über die Nutzung kleinerer Häfen sowie über ausgefeiltere Tarnmethoden und Transfers auf See.
Die illegale Verarbeitung von Kokainerzeugnissen findet auch innerhalb Europas statt, vor allem in den Niederlanden. Im Jahr 2024 wurden in sechs EU-Mitgliedstaaten mindestens 42 Kokainproduktionsstätten ausgehoben (34 im Jahr 2023). Dazu gehörten Anlagen zur sekundären Extraktion von Kokain, das chemisch in anderen Materialien, wie beispielsweise Kunststoffen, gebunden war. Insgesamt stehen Zoll- und Strafverfolgungsbehörden vor immer komplexeren Herausforderungen, was eine stärkere behördenübergreifende und grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Partnerschaft erforderlich macht.
Ketamin: Wachsende Gesundheitsrisiken, da es zunehmend auf den illegalen Markt gelangt
Ketamin, ein unentbehrliches Medikament zur Anästhesie und Schmerzlinderung, wird in Europa zunehmend als psychoaktive Substanz missbraucht. Zwar ist der Konsum insgesamt nach wie vor relativ gering, doch in bestimmten Jugendszenen und im Nachtleben wird die Substanz immer häufiger konsumiert, wo sie in der Regel in Pulverform geschnupft wird. Die Gesundheitsrisiken reichen von akuten Vergiftungen bis hin zu chronischen Schäden, wie z. B. schweren Blasenschädigungen in Verbindung mit intensivem Konsum.
Zahlreiche Indikatoren deuten darauf hin, dass Ketamin sich in der europäischen Drogenlandschaft zunehmend ausbreitet. Im Jahr 2024 gaben 14 % der im Rahmen der Europäischen Online-Erhebung zu Drogen Befragten, die in den letzten zwölf Monaten Drogen konsumiert hatten, an, Ketamin zu konsumieren, in der Regel zusammen mit Alkohol oder anderen Drogen (z. B. MDMA). Die jüngste europäische Analyse von Abwasserproben aus kommunalen Kläranlagen ergab, dass die Ketaminrückstände in 40 der 66 Städte, für die Daten für die Jahre 2024 und 2025 vorliegen, gestiegen sind.
Die Auswirkungen machen sich allmählich im Gesundheitswesen bemerkbar. Obwohl die Zahl der Menschen, die sich wegen Problemen im Zusammenhang mit Ketamin in eine spezialisierte Behandlung begibt, nach wie vor niedrig ist, hat sie sich in den letzten Jahren vervierfacht und ist von 413 Fällen im Jahr 2019 auf 1 796 im Jahr 2024 gestiegen. Die meisten Fälle werden von sechs EU-Mitgliedstaaten gemeldet, was wahrscheinlich auf eine längere Verfügbarkeit und einen höheren illegalen Ketaminkonsum zurückzuführen ist. Die Verfügbarkeit von Behandlungsangeboten ist in Europa nach wie vor ungleichmäßig verteilt, was die Notwendigkeit geeigneter Hilfsangebote sowie gezielter Prävention und Risikokommunikation für diejenigen unterstreicht, die sich der Gesundheitsrisiken möglicherweise nicht bewusst sind.
Der Großteil des auf dem illegalen Drogenmarkt in Europa sichergestellten Ketamins stammt aus der legalen pharmazeutischen Produktion, insbesondere aus Indien. Es wird legal in die EU importiert, hauptsächlich über Deutschland, bevor es in illegale Kanäle umgeleitet wird (siehe EUDA-Studie). Diese Überschneidung von legalen Lieferketten und illegalem Vertrieb stellt eine zusätzliche Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit, die Regulierungsbehörden und die Strafverfolgungsbehörden dar.
Der Vorsitzende des Verwaltungsrats der EUDA, Dr. Franz Pietsch, bemerkt abschließend: „Der Europäische Drogenbericht bietet einen jährlichen Überblick über die Drogensituation in Europa und bildet eine wertvolle Grundlage für politische Entscheidungen und Maßnahmen. Seit mehr als 30 Jahren unterstützt er politische Entscheidungstragende und Fachkräfte durch fundierte und evidenzbasierte Analysen als Orientierungshilfe bei ihrer Entscheidungsfindung. Angesichts der sich wandelnden Drogenlandschaft liefert der Bericht nicht nur Erkenntnisse für unser heutiges Handeln, sondern trägt auch dazu bei, zukünftige Maßnahmen zu gestalten. In dieser Ausgabe wird aufgezeigt, wie die EUDA den EU-Mitgliedstaaten einen Mehrwert bietet und unsere Vorsorge in diesem Bereich stärkt, indem sie den Schwerpunkt auf wissenschaftliche Forschung und eine verbesserte Risikobewertung legt.“