Die Drogensituation in Europa im Jahr 2026 verstehen – die wichtigsten Entwicklungen (Europäischer Drogenbericht 2026)
Der Europäische Drogenbericht 2026 liefert eine Momentaufnahme der Drogensituation in Europa auf Grundlage der neuesten verfügbaren Daten. Die sich überschneidenden europäischen Märkte für etablierte und neue Drogen entwickeln sich weiterhin und werden zusätzlich durch die Einbeziehung abgezweigter und gefälschter pharmazeutischer Produkte verkompliziert. Dies führt zu einem breiteren Spektrum an Risiken und stellt bestehende Reaktionsmodelle vor Herausforderungen wie nie zuvor. Dies ist ein kurzer analytischer Kommentar zu den wichtigsten drogenpolitischen und praktischen Fragen, die sich aus dem diesjährigen Bericht ergeben.
Diese Seite ist Teil des Europäischen Drogenberichts 2026, des jährlichen Überblicks der EUDA über die Drogensituation in Europa.
Letzte Aktualisierung: 9. Juni 2026
Die Drogensituation in Europa im Jahr 2026 – ein Überblick
Neue Risiken für Konsumierende im Zusammenhang mit einer weit verbreiteten Verfügbarkeit von Drogen
Die Verfügbarkeit illegaler Drogen ist in Europa nach wie vor hoch. Auf dem Markt sind zahlreiche Substanzen im Umlauf, die oft einen hohen Wirkstoffgehalt oder ein hohes Maß an Reinheit aufweisen. Dazu gehören neuartige Substanzen, über deren Gesundheitsrisiken sowohl bei den Konsumierenden als auch in der Wissenschaft nur wenig bekannt ist, sowie potentere Drogen, bei denen die Wahrscheinlichkeit und das Ausmaß von gesundheitlichen Schäden höher sind. Substanzen wie Cannabis sind inzwischen in vielfältigen Produktformen erhältlich, während bei Substanzgruppen wie Opioiden und Stimulanzien die Vielfalt der angebotenen Substanzen zugenommen hat. Es bestehen weiterhin Bedenken hinsichtlich steigender Risiken, insbesondere für gefährdete und marginalisierte Gruppen. Dazu zählen Vergiftungen und Todesfälle durch den möglicherweise unwissentlichen Konsum hochpotenter Drogen oder neuartiger Substanzen, die in Drogenmischungen und Tabletten enthalten sind, vor allem im Zusammenhang mit polyvalentem Drogenkonsum.
Geopolitische Unsicherheiten, darunter Konflikte und die Destabilisierung von Staaten in der Nähe der Europäischen Union und in anderen Regionen, sowie deren Auswirkungen auf Handel und Wirtschaft haben bislang noch unklare Folgen für den Drogenmarkt und die Konsummuster in Europa. Die zunehmende Komplexität des Drogenphänomens wird zudem durch technologische Entwicklungen, sich wandelnde Drogenschmuggelrouten und -methoden sowie Gesundheitsrisiken infolge der stärkeren Verflechtung der Märkte für illegale Drogen und neue psychoaktive Substanzen beeinflusst. Um sich den gesetzlichen und behördlichen Kontrollen sowie gezielten Strafverfolgungsmaßnahmen zu entziehen, verfolgen Drogenhersteller weiterhin eine reaktive Ersatzstrategie, indem sie auf andere chemische Vorläuferstoffe umsteigen und neuere Drogen verkaufen. Insgesamt entsteht dadurch ein herausforderndes Umfeld für die Drogenpolitik, das Modelle und Kapazitäten im Gesundheits- und Sicherheitsbereich belasten könnte. Auf diese dynamische Situation wird im strategischen Rahmen der EU für Drogenfragen eingegangen, der im März 2026 vom Rat der Europäischen Union gebilligt wurde. Der Rahmen umfasst die EU-Drogenstrategie und die Mitteilung der Europäischen Kommission über einen Aktionsplan zur Bekämpfung des Drogenhandels. Die strategische Reaktion Europas umfasst einen verstärkten Regulierungsansatz für die Kontrolle von Vorläuferstoffen und die Verbesserung der Koordinierung, der Zusammenarbeit und des Kapazitätsaufbaus mit internationalen Partnern. In diesem Zusammenhang entwickelt die EUDA weiterhin neue Instrumente und Dienste, um Europas Reaktion auf sich wandelnde Risiken und neue Herausforderungen im Bereich der Vorsorge zu unterstützen.
Eine frühzeitigere Identifizierung neuer Drogen und aufkommender Trends ist für die politische Handlungsfähigkeit von entscheidender Bedeutung.
Die zunehmende Überschneidung zwischen den Märkten für illegale Drogen und neue psychoaktive Substanzen, einschließlich gefälschter und abgezweigter Arzneimittel, trägt dazu bei, dass sich das Angebot an Substanzen im Einzelhandel plötzlich verändern kann. Dies kann die Exposition der Menschen gegenüber unvorhersehbaren Gesundheitsrisiken erhöhen, die durch den unwissentlichen Konsum neu auf dem Markt verfügbarer hochpotenter Substanzen entstehen. Beispiele hierfür sind synthetische Cannabinoide in E-Liquids zum Vapen, neue psychoaktive Substanzen, die fälschlicherweise als Opioid- oder Stimulanzienpulver und -tabletten verkauft werden, sowie natürliche Cannabisprodukte in Kombination mit synthetischen Verbindungen.
In diesem Zusammenhang wird es immer wichtiger, Veränderungen auf den Drogenmärkten und im Drogenkonsumverhalten rasch zu erkennen, um sicherzustellen, dass politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, Planerinnen und Planer sowie Fachkräfte aus der Praxis vorbereitet sind. Neben den etablierten Überwachungsinstrumenten und in Partnerschaft mit dem Reitox-Netzwerk unterstützt die EUDA weiterhin die Entwicklung hochmoderner Systeme, um zu einer zeitnahen Analyse beizutragen. Dazu gehören die Europäische Online-Drogenstudie sowie Initiativen auf Städteebene in den Bereichen Abwasseranalyse, Krankenhausnotfälle, Analyse von Spritzenrückständen, Drug Checking Angebote und Drogenkonsumräume. Das Netzwerk forensischer und toxikologischer Labore der EUDA unterstützt und ergänzt das EU-Frühwarnsystem, das Europäische Drogenwarnsystem und das System der EUDA zur Bewertung von Gesundheits- und Sicherheitsbedrohungen, um neu auftretende Probleme rasch zu bewerten und vor ihnen zu warnen. Derzeit werden neue Datenerhebungen der EUDA zu Vorfällen im Zusammenhang mit der Drogenherstellung sowie zu Drogenvorläuferstoffen entwickelt. Zusammen werden die zeitnahen, mehrstufigen Überwachungsinstrumente der EUDA zu einem vertieften Verständnis der im Umlauf befindlichen Drogen sowie der mit bestimmten Substanzen und Kombinationen verbundenen Schäden führen und so die Entwicklung politischer Maßnahmen und Reaktionen besser unterstützen.
Agilität des Drogenschmuggels erschwert Reaktionen und belastet Ressourcen
Der europäische Drogenmarkt wird durch flexible globale Lieferketten gespeist und geprägt, über die illegale Drogen und chemische Vorläuferstoffe aus verschiedenen Weltregionen geschmuggelt werden. Die Unterwanderung kommerzieller Lieferketten ist nach wie vor von zentraler Bedeutung für den groß angelegten Drogenschmuggel, der die Drogenmärkte aufrechterhält. Dies zeigen die anhaltenden Beschlagnahmungen großer Drogenlieferungen in den europäischen Häfen. Frachtcontainer sind nach wie vor anfällig für Missbrauch durch Schmuggelnetzwerke, die ausgefeilte physische und chemische Versteckmethoden anwenden und diese mit Korruption, Einschüchterung und Gewalt gegen Schlüsselpersonal in der Lieferkette kombinieren. Nach verstärkten Strafverfolgungs- und Zollmaßnahmen in großen europäischen Häfen sowie der Gründung der Europäischen Hafenallianz haben Schmuggelnetzwerke ihre Routen, Methoden und Verstecke diversifiziert und nutzen unterschiedliche Vorgehensweisen. Der zunehmende Einsatz von Umladungen auf See mithilfe verschiedener Schiffe, Halbtauchboote, Drohnen und besonders schwer auffindbarer Verstecke („Deep Concealment“) hat dazu geführt, dass es die Strafverfolgungsbehörden und der Zoll mit einem Zielobjekt zu tun haben, das unberechenbarer und fragmentierter und dessen Verfolgung mit hohem Ressourcenaufwand verbunden ist. Darüber hinaus stellen neue Formen des technologiegestützten Schmuggels, wie der Einsatz von Drohnen auf verschiedenen Ebenen der Lieferkette für illegale Drogen – einschließlich des Schmuggels in Justizvollzugsanstalten – eine Herausforderung dar und unterstreichen die Notwendigkeit einer verstärkten sektorübergreifenden Zusammenarbeit.
Kriminelle Netzwerke rekrutieren vulnerable junge Menschen zum Betrieb von Drogenmärkten und zur Ausübung von Gewalt
Der illegale Drogenhandel ist in ganz Europa mit Einschüchterung und Gewalt verbunden. Auch wenn ein entsprechendes Monitoring schwierig ist, deuten zunehmende Belege aus einer Reihe von Ländern darauf hin, dass bestimmte junge Menschen – insbesondere diejenigen, die bereits in benachteiligten und marginalisierten Gemeinschaften leben – dafür anfällig sein könnten, aktiv für den Drogenhandel angeworben zu werden. Besonders besorgniserregend ist die Auslagerung von Gewalt an junge Menschen durch sogenannte „Violence-as-a-Service“-Modelle. Dabei begehen junge Menschen unter der Anleitung von Kriminellen, die für die Planung, die Beschaffung der Waffen, den Transport und die Finanzierung sorgen, Straftaten wie Einschüchterungen, Körperverletzungen und Tötungsdelikte. Die Reaktionen der Europäischen Union auf diese Entwicklung umfassen Rahmenwerke zur Rekrutierungsbekämpfung, die durch Partnerschaften mit Social-Media-Plattformen im Bereich der digitalen Sicherheit sowie durch Maßnahmen zur Sensibilisierung und Förderung digitaler Kompetenzen unterstützt werden. Maßnahmen der Strafverfolgungsbehörden beinhalten unter anderem die auf Netzwerkinformationen basierende Störung von Aktivitäten, die gezielte Bekämpfung zentraler Vermittler und Unterstützer, eine engere Verzahnung mit finanziellen und inneren Sicherheitsmaßnahmen sowie koordinierte Maßnahmen zwischen den EU-Mitgliedstaaten.
Die sich wandelnden Drogenprobleme in Europa verdeutlichen die Schlüsselrolle evidenzbasierter Prävention
Die Verringerung der Belastung durch Infektionskrankheiten erfordert Investitionen in Dienstleistungen und Ausrüstung
Menschen, die sich Drogen injizieren, haben ein höheres Risiko, sich mit durch Blut übertragbaren Viren, darunter HIV sowie Hepatitis C, B und A zu infizieren. In der Vergangenheit war Heroin in Europa die Droge, die am stärksten mit intravenösem Konsum in Verbindung gebracht wurde. Inzwischen werden jedoch auch andere Drogen injiziert, darunter Stimulanzien, Opioid-Substitutionsmittel und neue psychoaktive Substanzen– entweder in Kombination oder einzeln. Der Konsum von Stimulanzien steht in Verbindung mit häufigerem Spritzengebrauch und risikoreicherem Sexualverhalten und hat zu lokalen HIV-Ausbrüchen in Europa geführt.
In Europa weisen Menschen, die Drogen injizieren, eine hohe Belastung durch chronische Virushepatitis auf, und der injizierende Drogenkonsum ist nach wie vor der häufigste Risikofaktor für neue HCV-Diagnosen. Zwar gibt es keinen Impfstoff gegen Hepatitis C, doch stehen wirksame Behandlungsmethoden zur Verfügung. Einige Länder haben gezeigt, dass durch eine flächendeckende Bereitstellung von Behandlungen und Maßnahmen zur Schadensminderung die HCV-Infektionsrate unter injizierenden Drogenkonsumierenden durch einen ausreichend finanzierten, dezentralen und integrierten Ansatz in den Bereichen Prävention, Testung und Behandlung deutlich gesenkt werden kann. Im Jahr 2025 kam es in Tschechien, Ungarn, Österreich und der Slowakei zu einem Hepatitis-A-Ausbruch mit Übertragung von Mensch zu Mensch, bei dem 39 Todesfälle gemeldet wurden. In vielen Fällen betrafen die Infektionen zu einem erheblichen Teil obdachlose Menschen und Drogenkonsumierende. Das systematische Angebot von HBV- und HAV-Impfungen in Justizvollzugsanstalten und in gemeinschaftlichen Einrichtungen wird durch das gemeinsame ECDC-EUDA-Toolkit und die ECDC-EUDA-Leitlinien unterstützt.
Generell erfordert die Prävention und Eindämmung der Übertragung von Infektionskrankheiten ein höheres Maß an integrierten Präventions- und Schadensminderungsangeboten. In einigen Ländern bestehen nach wie vor Finanzierungsschwierigkeiten und Zugangsbarrieren für Maßnahmen wie Tests für Infektionskrankheiten und die Anbindung an die Versorgung, Nadel- und Spritzenprogramme sowie die Behandlung mit Opioid-Agonisten.
Die Bereitstellung geeigneter Mittel zur Schadensminderung ist von entscheidender Bedeutung, um Drogenkonsumierenden zu ermöglichen, das Risiko von durch Blut übertragbaren Infektionen zu verringern sowie die Wahrscheinlichkeit injektionsbedingter Verletzungen und tödlicher Überdosierungen zu senken. In einem kürzlich erschienenen EUDA-Minileitfaden wird diese Intervention näher erläutert. Sie wird in der Regel Personen angeboten, die hochriskanten Drogenkonsum betreiben und möglicherweise nur begrenzten oder gar keinen Zugang zu hygienischen Materialen für die Injektion, das Rauchen oder die Inhalation haben. Gleichzeitig werden in der Regel Hinweise zur ordnungsgemäßen Verwendung der Materialien, zur sicheren Entsorgung nach Gebrauch sowie zu Möglichkeiten des Übergangs zu risikoärmeren Konsumformen bereitgestellt.
Veränderungen bei Cannabis- und Cannabinoidprodukten und den damit verbundenen Problemen
Das breitere Angebot an Cannabisprodukten gibt Anlass zur Sorge hinsichtlich der öffentlichen Gesundheit
In Europa bleiben illegales pflanzliches Cannabis und Cannabisharz nach wie vor die am weitesten verbreiteten Arten von Cannabis. Schätzungsweise 15,4 Millionen junge Erwachsene haben in Europa die Droge im letzten Jahr konsumiert, und inzwischen ist etwa ein Drittel aller drogenbezogenen Behandlungsaufnahmen in Europa auf Cannabis zurückzuführen. Der Markt wird aus verschiedenen Gründen komplexer. In mehreren EU-Mitgliedstaaten ist es mittlerweile möglich, geringe Mengen Cannabis legal zu kaufen oder anzubauen. Neue Cannabisprodukte sind sowohl auf dem illegalen Drogenmarkt als auch auf dem kommerziellen Markt zu finden. Es erscheinen zunehmend Produkte mit niedrigen THC-Gehalten, aus der Cannabispflanze gewonnene Substanzen wie Cannabidiol (CBD) oder Kombinationen aus beidem. Auf dem Markt sind Cannabisprodukte erhältlich, die mit potenten synthetischen Cannabinoiden versetzt sind. In letzter Zeit sind auch halbsynthetische Cannabinoide in größerem Umfang erhältlich. Die Verfügbarkeit hochpotenter Extrakte und essbarer Produkte (sogenannte „Edibles“) wurde mit akuten Vergiftungsfällen in Notaufnahmen in Verbindung gebracht. Durch die breitere Verfügbarkeit vielfältiger und potenter Cannabisprodukte steigen die potenziellen Schäden, und deren Bewertung sowie die Entwicklung geeigneter Behandlungsmaßnahmen werden erschwert. Um den aktuellen und künftigen Anforderungen gerecht zu werden, hat der Ausbau der Kapazitäten im Gesundheitswesen zur Behandlung cannabisbedingter Schäden Priorität.
Quellen und Versorgungswege für illegales Cannabis in Europa entwickeln sich weiter
Cannabisschmuggelnetzwerke diversifizieren ihre Routen und Methoden. Die spanischen Strafverfolgungsbehörden haben Drohnen und Schnellboote beschlagnahmt, die Cannabis transportierten. Im Jahr 2025 meldeten belgische und niederländische Behörden vermehrte Cannabis-Sicherstellungen in Frachtcontainern in Seehäfen, wobei in den Häfen von Antwerpen und Rotterdam jeweils rund 21 Tonnen sichergestellt wurden, die überwiegend aus Kanada stammten. Zudem wird Cannabis mittlerweile auch aus den Vereinigten Staaten und in geringerem Umfang aus Thailand nach Europa geschmuggelt. Es ist wahrscheinlich, dass die Marktdynamik in Nordamerika infolge regulatorischer Veränderungen – darunter starker Wettbewerb, Überproduktion und sinkende Preise – europäische Schmuggler dazu veranlassen könnte, sich dort mit Cannabis zu versorgen. Im November 2025 veröffentlichte die EUDA über das Europäische Drogenwarnsystem erstmals eine Warnung. In dieser wies sie auf mögliche Schäden durch nordamerikanisches Cannabis hin, die auf hochpotente Produkte und die Verunreinigung mit potenziell gefährlichen Pestiziden zurückzuführen sind. Ob diese Entwicklungen auf einen strukturellen Wandel des Marktes oder auf ein vorübergehendes Phänomen hindeuten, bleibt ungewiss Sie stellen jedoch Behörden vor Herausforderungen und unterstreichen die Notwendigkeit gezielter Maßnahmen und einer verstärkten internationalen Zusammenarbeit in diesem Bereich.
Veränderungen in der Cannabispolitik unterstreichen die Bedeutung von Monitoring und Evaluation.
Einige EU-Mitgliedstaaten haben ihre Politik in Bezug auf den Cannabiskonsum durch Erwachsene geändert oder überprüfen diese derzeit. Die neuen Modelle zur Regulierung von Cannabis unterscheiden sich zwar in Umfang und Phase der Umsetzung, umfassen jedoch im Allgemeinen Präventionsmaßnahmen, begrenzten Eigenanbau sowie Monitoring und Evaluation. Tschechien, Deutschland, Luxemburg und Malta erlauben einen begrenzten häuslichen Eigenanbau. Deutschland und Malta erlauben zudem den nicht gewinnorientierten Verkauf an Mitglieder regulierter Anbaugemeinschaften, während die Niederlande ein Pilotprojekt durchführen, bei dem in regulierten Einrichtungen produziertes Cannabis über Coffeeshops verkauft wird. Diese politischen Veränderungen befinden sich noch in der Anfangsphase der Umsetzung und unterscheiden sich zwischen den Ländern. Bis Ende 2025 hatten Deutschland und Luxemburg Zwischenberichte zur Evaluation veröffentlicht, in denen erste Daten zu verschiedenen Gesundheits- und Sicherheitszielen ausgewertet wurden. Es wird erwartet, dass weiteres Monitoring und weitere Evaluierung politikrelevante Erkenntnisse liefern werden. Um die politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger im Bereich der Cannabiskontrolle zu unterstützen, entwickelt die EUDA derzeit ein Toolkit für die Cannabispolitik.
Aufgrund der Verfügbarkeit und Attraktivität halbsynthetischer Cannabinoide bestehen weiterhin Gesundheitsrisiken
Halbsynthetische Cannabinoide sind chemisch veränderte Formen natürlicher Cannabinoide. Die internationale Kontrolle von HHC (Hexahydrocannabinol) führte zu einer erhöhten Verfügbarkeit anderer halbsynthetische Cannabinoide, was den anhaltenden Kreislauf widerspiegelt, in dem immer wieder neue Substanzen entwickelt werden, um gesetzliche Kontrollen zu umgehen. Anlass zur Sorge gibt auch die Herstellung halbsynthetischer Cannabinoide aus CBD, ein Thema, das derzeit von der EUDA bewertet wird. Im Jahr 2024 wurden in der Europäischen Union mindestens drei Produktionsstätten ausgehoben, an denen THC oder halbsynthetische Cannabinoide hergestellt wurden. Obwohl die Auswirkungen von halbsynthetischen Cannabinoiden beim Menschen noch kaum erforscht sind, deuten Berichte darauf hin, dass sie denen von THC ähneln. Die Nebenwirkungen reichen von leichten Beschwerden bis hin zu schweren Vergiftungen, die manchmal eine Behandlung im Krankenhaus erfordern. Es bestehen Bedenken hinsichtlich ihres Potenzials, psychotische Episoden auszulösen, sowie hinsichtlich ihres Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzials. Neben dem Risiko einer versehentlichen Überdosierung aufgrund unklarer Dosierungen stellt die rasante Verbreitung von Vapes und essbaren Cannabisprodukten, insbesondere Gummibärchen, die synthetische und halbsynthetische Cannabinoide enthalten, ein Problem für die öffentliche Gesundheit dar, da sie neue, möglicherweise jüngere Konsumierende anziehen könnten.
Vapen als Konsumform nimmt zu
Beim Vapen sowie der Nutzung von E-Zigaretten kommen meist nikotinhaltige Produkte zum Einsatz, es können jedoch auch andere Substanzen enthalten sein. In der ESPAD-Studie von 2024 unter 15- bis 16-jährigen Schülerinnen und Schülern wurde der Konsum von E-Zigaretten als bedenklich eingestuft. Die Ergebnisse zeigen, dass der Konsum von E-Zigaretten unter Jugendlichen erheblich zugenommen hat und mittlerweile ein zentrales Merkmal jugendlicher Konsummuster in Europa darstellt. Im Durchschnitt gaben 44 % der Schülerinnen und Schüler in den ESPAD-Ländern an, mindestens einmal im Leben E-Zigaretten genutzt zu haben. Insgesamt steht der Aufwärtstrend beim Gebrauch von E-Zigaretten im Gegensatz zum Rückgang des Konsums herkömmlicher Zigaretten, was eher auf eine Verlagerung des Nikotinkonsums als auf einen Rückgang des Gesamtkonsums hindeutet. Auffällig ist der frühe Einstieg: Ein erheblicher Anteil gibt an, bereits im Alter von 13 Jahren oder jünger zum ersten Mal konsumiert zu haben, was Anlass zur Sorge hinsichtlich langfristiger Abhängigkeit gibt.
Generell haben viele EU-Mitgliedstaaten im Zuge der zunehmenden Verbreitung des Vapings von der Sicherstellung von E-Liquids berichtet, die synthetische und halbsynthetische Cannabinoide enthalten. Die zunehmende Verfügbarkeit dieser Produkte birgt verschiedene Gesundheitsrisiken, darunter der unbeabsichtigte Konsum und sich verändernde Expositionen aufgrund möglicher Schwankungen in der Zusammensetzung einzelner Chargen. Darüber hinaus bieten die Möglichkeiten der Vaping-Technologie Spielraum für eine Ausweitung auf andere neue psychoaktive Substanzen jenseits von Cannabinoiden, darunter auch hochpotente neue synthetische Opioide, was mit entsprechenden Gesundheitsrisiken verbunden ist.
Die Verfügbarkeit von Kokain verstärkt Gesundheitsbedenken
Breite Verfügbarkeit von Kokain bedingt durch vielfältige Schmuggeltaktiken
Global gesehen hat die Kokainproduktion in Südamerika einen historischen Höchststand erreicht, und Abwasserdaten bestätigen, dass der Kokainkonsum in vielen europäischen Städten weiterhin zunimmt. Die Sicherstellungsdaten sind komplexer: Im Jahr 2024 meldeten die EU-Mitgliedstaaten zwar mehr Kokain-Sicherstellungen, jedoch eine geringere Gesamtmenge an sichergestelltem Kokain, obwohl die Gesamtmenge weiterhin höher ist als im Jahr 2022. Zwar lassen sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine eindeutigen Schlussfolgerungen ziehen, doch deuten die Daten darauf hin, dass es vor dem Hintergrund einer Phase zunehmender Polizei- und Zolltätigkeiten zu einer Verlagerung hin zu kleineren oder stärker fragmentierten Sendungen und zu vielfältigeren Schmuggelrouten und -methoden gekommen ist. Zwar sorgt der groß angelegte Schmuggel über Seehäfen in Frachtcontainern nach wie vor für eine hohe Verfügbarkeit von Kokain, doch greifen die Schmuggelnden auch auf andere Methoden zurück, um nicht entdeckt zu werden. Es gibt mehr Meldungen über die Nutzung kleinerer Häfen, Transfers auf See mittels verschiedener Schiffe, bemannter und unbemannter Halbtauchboote, Drohnen sowie komplexer physischer und chemischer Versteckmethoden. Dieser Trend spiegelt sich auch in den jüngsten umfangreichen Sicherstellungen auf See auf Handelsschiffen und Schnellbooten sowie bei ausgeklügelten Verstecken in Lebensmitteln in der Luftfracht wider.
In Europa werden jedes Jahr zahlreiche illegale Kokainproduktionsstätten ausgehoben, vor allem in den Niederlanden; im Jahr 2024 wurden jedoch auch in fünf weiteren EU-Mitgliedstaaten Produktionsstätten ausgehoben, darunter Anlagen zur Sekundärextraktion von Kokain, das chemisch anderen Materialien wie beispielsweise Kunststoffen beigemengt war. Kokainbase und Kokapaste werden in großen Mengen nach Europa geschmuggelt und dort zu Kokainhydrochlorid verarbeitet. Insgesamt sehen sich Zoll- und Strafverfolgungsbehörden mit zunehmend unvorhersehbaren und fragmentierten Schmuggelrouten, -methoden und -verstecken sowie der Kokainproduktion in Europa konfrontiert, was zu einem ressourcenintensiveren Einsatzumfeld führt und eine verstärkte behördenübergreifende und grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Partnerschaften erforderlich macht.
Wachsende Herausforderungen für öffentliche Gesundheit durch Kokain
Unmittelbar nach Cannabis ist Kokain nach wie vor eine der am häufigsten konsumierten illegalen Drogen in Europa, und Indikatoren wie die Analyse kommunaler Abwässer deuten auf eine immer breitere geografische und soziale Verbreitung hin. Neben dem sporadischen Konsum durch sozial besser integrierte Konsumierende wird Kokain auch von Hochrisikogruppen und stärker marginalisierten Gruppen von Drogenkonsumierenden geraucht und injiziert. Berichte aus Drogenkonsumräumen und Analysen von Spritzenrückständen zeigen komplexe und risikoreiche Konsummuster, darunter das Injizieren und den Konsum zusammen mit Opioiden wie Heroin.
Unter den illegalen Drogen liegt Kokain bei den Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit weit vorne. Es ist eine der Hauptursachen für Notfälle aufgrund akuter Vergiftungen in Sentinel-Krankenhäusern und steht häufig im Zusammenhang mit drogenbedingten Todesfällen; nach den neuesten verfügbaren Daten aus 20 Ländern ist es für etwa ein Viertel der Fälle verantwortlich. Die Droge spielt auch eine wichtige Rolle bei der Behandlungsnachfrage, wobei die Indikatoren darauf hindeuten, dass das Problem weiterhin zunimmt und sich nicht stabilisiert. Die derzeitigen Erkenntnisse sprechen für psychosoziale Maßnahmen, darunter kognitive Verhaltenstherapien und Kontingenztherapie. Es liegen jedoch nach wie vor keine ausreichenden Belege für die Möglichkeit einer medikamentösen Behandlung vor, auch wenn derzeit an verschiedenen Formen der Agonistenbehandlung geforscht wird. In diesem Bereich fehlt es den Klientinnen und Klienten häufig an integrierten psychosozialen Behandlungsangeboten. Aktivitäten zu Erreichung passgenauer Angebote sind trotz großer Herausforderungen notwendig.
Crack gibt in einigen Städten Anlass zur Sorge
Crack ist in mehreren europäischen Städten nach wie vor ein sichtbares und potenziell wachsendes Problem, auch wenn sich aufgrund uneinheitlichen Monitorings kaum bestimmen lässt, inwieweit dies auf eine größere geografische Verbreitung, eine höhere Verfügbarkeit oder eine verbesserte Berichterstattung zurückzuführen ist. Die vorliegenden Erkenntnisse deuten darauf hin, dass der Konsum vor allem in stark marginalisierten Gruppen verbreitet ist, insbesondere im Zusammenhang mit Obdachlosigkeit, sozioökonomischer Benachteiligung und polyvalentem Drogenkonsum, während sozial besser integrierte Konsumierende in den Erhebungen möglicherweise unterrepräsentiert sind. Diese Entwicklung scheint durch die hohe Verfügbarkeit von Kokain, die einfache Umwandlung von Kokainpulver vor Ort und die unterschiedlichen Dynamiken der lokalen Drogenmärkte auf Kleinhandelsebene bedingt zu sein. Die zunehmende Verfügbarkeit von Crack kann zu schwerwiegenden Gesundheitsschäden, offenen Drogenszenen, wiederholten Krankenhaus-Notaufnahmen und allgemein chaotischen Lebensumständen führen, was wiederum in die lückenhafte Versorgung und Behandlung von Betroffenen münden kann. Aus einigen Städten gibt es Berichte über Gewalttaten, die durch die Dynamik des lokalen Drogen-Kleinhandels ausgelöst wurden und den Gesundheits-, Sozial- und Sicherheitsbereich stark unter Druck setzen. Die neuesten Daten deuten darauf hin, dass die Zahl der Personen, die wegen Crack-bedingter Probleme eine Therapie beginnen, zwar nach wie vor relativ gering ist, jedoch zunimmt. Zudem ist fast ein Viertel davon Frauen, was die Notwendigkeit geschlechtergerechter Interventionen unterstreicht. Einige Drogenkonsumräume unterstützen auch den sichereren Konsum von Crack; Standorte in 12 Städten meldeten in der ersten Hälfte des Jahres 2025 Fälle von Crack-Konsum. Insgesamt stellt der Konsum von Crack eine zunehmende Herausforderung für Anbieter von Schadensminderungs- und Therapiemaßnahmen dar, da diese auf die Bedürfnisse einer Gruppe eingehen müssen, die mit schwerwiegenden gesundheitlichen und sozialen Problemen zu kämpfen hat.
Synthetische Drogen geben in vielerlei Hinsicht Anlass zu Gesundheitsbedenken
Reaktion auf die sich wandelnde Herstellung von synthetischen Drogen und Vorläuferstoffen für Designer Drogen
Die illegale Drogenproduktion gefährdet die öffentliche Gesundheit und Sicherheit und birgt Risiken für die Strafverfolgungsbehörden, Rettungskräfte und die Umwelt. In den im Jahr 2024 in der Europäischen Union ausgehobenen Produktionsstätten für synthetische Drogen wurden zahlreiche verschiedene Substanzen hergestellt, darunter Amphetamin, Methamphetamin, synthetische Cathinone und MDMA. Einige illegale Labore stellen mehrere synthetische Stimulanzien her, die ähnliche Anforderungen hinsichtlich Vorläuferstoffen und Produktionsanlagen stellen. Die Innovation in den Herstellungsprozessen zeigt sich in den Sicherstellungen von Chemikalien, die zur Herstellung der Vorläuferstoffe für synthetische Drogen verwendet werden. Die Verwendung eines breiteren Spektrums von Chemikalien zur Herstellung neuer Substanzen in unterschiedlichen Syntheseverfahren führt zu einer variablen und komplexen Herausforderung für die Zoll-, Strafverfolgungs- und Regulierungsbehörden. Illegale Drogenproduzenten wechseln kontinuierlich zu nicht kontrollierten Chemikalien, um sich den internationalen Kontrollen von Vorläuferstoffen zu entziehen. Diesem Zyklus folgend wurden 2024 große Mengen an Glycidderivaten von BMK und PMK sichergestellt, die zur Herstellung von Amphetaminen und MDMA verwendet werden. Vorläufige Daten für das Jahr 2025 deuten auf neue BMK-Alternativen hin, die 2026 Gegenstand von EUDA-Risikobewertungen sein werden. Diese „Designer-Vorläuferstoffe“ sind chemisch mit den erfassten Vorläuferstoffen vergleichbar, wurden speziell zur Umgehung von Kontrollen entwickelt und haben in der Regel keine bekannte legitime Verwendung. Im von der Europäischen Kommission vorgelegten Vorschlag für eine neue Verordnung zur Kontrolle von Vorläuferstoffen wird die Überwachungs- und Risikobewertungsfunktion der EUDA ausgebaut und ist die Einrichtung eines EU-weiten Registers für Drogenvorläuferstoffe vorgesehen, wodurch die Bekämpfung der illegalen Drogenherstellung gestärkt und die Unterbindung der Einfuhr von Vorläuferstoffen unterstützt wird.
Einfuhren und Produktion führen zu erhöhtem Angebot an synthetischen Cathinonen
Synthetische Cathinone haben sich in Teilen Europas als erschwinglichere Alternativen zu illegalen Stimulanzien wie Amphetamin und Kokain etabliert. Zwar gibt der unbeabsichtigte Konsum in Drogenmischungen und Tabletten weiterhin Anlass zur Sorge, doch werden Cathinone auch gezielt als kostengünstige Alternativen nachgefragt. Die Daten des EU-Frühwarnsystems zeigen, dass N‑Ethylnorpentedron (NEP), nun unter EU-Recht kontrolliert, im Jahr 2025 fälschlich als 3-MMC, ein anderes Cathinon, verkauft wurde, was zu unbeabsichtigtem Konsum und Vergiftungen führte.
Daten aus dem Drug Checking deuten darauf hin, dass synthetische Cathinone absichtlich nachgefragt werden, auch wenn sich das in der Stichprobe nachgewiesene Cathinon häufig von dem vermeintlich gekauften Cathinon unterscheidet. Dies spiegelt den dynamischen Charakter der Cathinon-Produktion wider und führt zu sich verändernden Gesundheitsrisiken. Die gemeldeten Sicherstellungen und Einfuhren von synthetischen Cathinonen in der Europäischen Union haben laut den letzten Berichten zugenommen, während umfangreiche Sicherstellungen von Vorläuferstoffen und die Aushebung einer großen Zahl illegaler Labore darauf hindeuten, dass die Produktion synthetischer Cathinone in Europa, insbesondere in Polen, weiterhin in erheblichem Ausmaß erfolgt. Es gibt zudem Anzeichen dafür, dass sich der Trend möglicherweise hin zu potenteren Substanzen verlagert, da immer mehr Labore Alpha-PVP (α-Pyrrolidinovalerophenon) herstellen. Diese Substanz hat eine besonders hohe Potenz und kann Unruhe, Paranoia, aggressives Verhalten und Psychosen auslösen. Im Jahr 2026 führte die EUDA eine Risikobewertung mehrerer Vorläufersubstanzen für synthetische Cathinone durch, um Maßnahmen zur Unterbindung des Angebots zu unterstützen.
Zunehmende Gesundheitsrisiken durch Einbeziehung von Ketamin in Drogenmärkte
Ketamin ist ein legales medizinisches Anästhetikum und Schmerzmittel, das – oft im Nachtleben – auch missbraucht und in der Regel in Pulverform geschnupft wird. Die Droge scheint in Europa zunehmend verfügbar zu sein. Unter den Befragten der europäischen Online-Erhebung zu Drogen im Jahr 2024, einer nicht repräsentativen Umfrage, gaben 14 % derjenigen, die im letzten Jahr Drogen konsumiert hatten, an, Ketamin konsumiert zu haben, und zwar hauptsächlich im Kontext von polyvalentem Konsum mit anderen Drogen und Alkohol. Das Abwassermonitoring liefert weitere Hinweise auf eine zunehmende Verbreitung, da aus der Mehrheit der europäischen Städte, für die ausreichende Daten vorliegen, zwischen 2024 und 2025 ein Anstieg der Ketaminrückstände gemeldet wird. Muster kombinierten Konsums spiegeln sich auch in den Daten zu akuten Gesundheitsschäden wider: Kokain war 2024 die Substanz, die bei akuten Vergiftungsfällen in den Euro-DEN-Sentinel-Krankenhäusern am häufigsten in Kombination mit Ketamin genannt wurde. Es gibt auch Berichte über Ketamin in Kombination mit Stimulanzien in Drogencocktails, die als „Pinkes Kokain“ bezeichnet werden. Daten des Drug Checkings zeigen jedoch, dass die meisten getesteten Ketaminproben ausschließlich die beabsichtigte Substanz enthielten, was darauf hindeutet, dass die Kombination von Ketamin mit anderen Drogen oft absichtlich erfolgt. In einem aktuellen Bericht der EUDA wird darauf hingewiesen, dass der Großteil des in Europa sichergestellten Ketamins aus der legalen Produktion in Indien stammt und in großen Mengen in EU-Mitgliedstaaten, hauptsächlich nach Deutschland, eingeführt und dann auf den illegalen Markt abgezweigt wird.
Ketamin wird in der Regel geschnupft und ist mit dosisabhängigen akuten und chronischen Gesundheitsschäden verbunden, insbesondere mit Blasenschäden bei intensivem Konsum. Die Zahl der Klientinnen und Klienten, die sich wegen Problemen im Zusammenhang mit dem Konsum von Ketamin in spezialisierte Behandlung begeben, ist nach wie vor gering, wenn auch in den letzten fünf Jahren der Berichterstattung eine Vervierfachung zu verzeichnen war. Für Menschen mit ketaminbedingten Gesundheitsproblemen stellt der Zugang und die Überweisung zu einer passenden therapeutischen Versorgung nach wie vor eine Herausforderung dar, weshalb ein besserer Zugang zu geeigneten Angeboten und eine gezielte Prävention und Risikokommunikation für diejenigen erforderlich sind, die sich der Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit dem Ketaminkonsum möglicherweise nicht bewusst sind. Ein verstärkter Informationsaustausch zwischen Regulierungs- und Strafverfolgungsbehörden sollte sich darauf konzentrieren, Schwachstellen innerhalb legaler Lieferketten zu identifizieren und zu beheben, wobei das Potenzial für Verlagerungseffekte – einschließlich einer Verlagerung hin zur illegalen Produktion – zu berücksichtigen ist, die sich aus gezielten Maßnahmen zur Verringerung des Angebots ergeben können.
Opioidbedingte Gesundheitsschäden bleiben eine Herausforderung
Polyvalenter Drogenkonsum und die Diversifikation der Opioidtypen erhöhen drogenbedingte Mortalität
Im Jahr 2024 kam es in der Europäischen Union zu schätzungsweise mindestens 7 600 Todesfällen, die in direktem Zusammenhang mit Drogenkonsum standen. In den meisten Fällen ging es um den Konsum von mehr als einer Substanz, was auf immer komplexere Konsummuster, einschließlich des polyvalenten Drogenkonsums, hindeutet. Nach wie vor sind Opioide, in der Regel in Kombination mit anderen Substanzen, die Substanzgruppe, die am häufigsten bei drogenbedingten Todesfällen eine Rolle spielen. In einigen Ländern werden andere Opioide als Heroin, darunter Methadon, Buprenorphin, hochpotente synthetische Opioide sowie opioidhaltige Schmerzmittel, mit einem erheblichen Anteil der Todesfälle durch Überdosierung in Verbindung gebracht. Hochpotente synthetische Opioide wie Nitazene wurden in Europa mit gehäuften Fällen tödlicher und nicht tödlicher Vergiftungen in Verbindung gebracht. Abgesehen von einigen baltischen Ländern spielen diese Drogen in den Routinedaten auf EU-Ebene jedoch keine nennenswerte Rolle. Dennoch können plötzliche Veränderungen auf dem Drogenmarkt dazu führen, dass rasch andere hochpotente synthetische Opioide, wie Orphine, auftauchen. Die EUDA koordiniert ein Netzwerk von forensischen und toxikologischen Laboren, um die Analysekapazitäten zu erhöhen und Erkenntnisse aus der Praxis zu liefern. Dies fördert den raschen Informationsaustausch und die schnelle Risikobewertung und unterstützt damit die nationalen Behörden bei ihren Überwachungsaufgaben.
Auf Maßnahmenseite besteht die primäre Strategie darin, Betroffenen eine Opioid-Agonisten-Therapie anzubieten. Aus Sicht der öffentlichen Gesundheit herrscht in einigen EU-Mitgliedstaaten in jüngster Zeit Besorgnis darüber, dass die Versorgung mit Opioid-Agonisten-Therapien auf Buprenorphinbasis gefährdet sein könnte, was etwa 36 % der Klientinnen und Klienten von Opioid-Agonisten-Therapien betreffen würde. Schwierigkeiten beim Zugang zu den Medikamenten könnten die Kontinuität der Therapie beeinträchtigen, was Fragen hinsichtlich der Verfügbarkeit von Generika sowie möglicher Risiken aufwirft, die mit dem nötigen Umstieg von Patientinnen und Patienten auf andere Medikamente verbunden sind. Darüber hinaus deuten immer mehr Erkenntnisse darauf hin, dass eine größere Verfügbarkeit von Opioid-Antagonisten wie Naloxon dazu beitragen kann, tödliche Opioid-Überdosierungen zu verhindern. Während Naloxon in allen Ländern im klinischen Einsatz verwendet wird, wurden bis 2025 in 19 europäischen Ländern Programme zur Take-Home Mitgabe von Naloxon berichtet, wobei die Verfügbarkeit sowohl innerhalb der einzelnen Länder als auch zwischen den Ländern variiert. Dies verdeutlicht die weiter bestehende Herausforderung, einen ausreichenden Zugang zu Naloxon in allen Bereichen und für alle Gruppen sicherzustellen.
In Europa treten weiterhin potente neue synthetische Opioide auf
Neue synthetische Opioide sind häufig hochpotent und bergen ein erhöhtes Risiko für lebensbedrohliche Vergiftungen. In den letzten fünf Jahren haben drei Viertel der EU-Mitgliedstaaten ein Nitazen und mehr als ein Drittel ein Orphin gemeldet. Im Rahmen des EU-Frühwarnsystems für neue psychoaktive Substanzen werden zunehmend Meldungen über gefälschte Arzneimittel übermittelt, die Nitazen-Opioide enthalten. Diese Tabletten werden zwar überwiegend von Personen mit Hochrisiko-Opioid-Konsum genommen, es besteht jedoch auch die Befürchtung, dass sie sich in Bevölkerungsgruppen ohne Opioidtoleranz, darunter jungen Menschen, verbreiten könnten. Zudem gibt es vermehrt Berichte über Orphine, was wahrscheinlich mit dem im Juli 2025 in China in Kraft getretenen generellen Verbot von Nitazenen zusammenhängt. Orphine wurden mit akuten nicht tödlichen Vergiftungen und Todesfällen in den EU-Mitgliedstaaten in Verbindung gebracht. Zwar liegen nur begrenzte pharmakologische Daten vor, doch ähneln Orphine strukturell Brorphin, einem wirkstarken Opioid, was darauf hindeutet, dass Atemdepression das größte Gesundheitsrisiko ist. Die EUDA hat im Frühjahr 2026 mit dem Review von Cychlorphin und Spirochlorphin begonnen; die Ergebnisse werden der Kommission als Grundlage für die Entscheidung dienen, ob formelle Risikobewertungen erforderlich sind. Um die derzeitigen und künftigen Schäden durch neue wirkstarke synthetische Opioide zu begrenzen, ist es von entscheidender Bedeutung, die Bereitstellung von Therapie- und Schadenminderungsmaßnahmen in angemessenem Umfang zu verstärken, um den Bedürfnissen von Hochrisikogruppen gerecht zu werden.
Todesfälle durch Fentanylkonsum verdeutlichen die Notwendigkeit, wachsam zu sein
Fentanyl, ein hochpotentes synthetisches Opioid, wird in Europa seit vielen Jahren mit Todesfällen durch Überdosierung in Verbindung gebracht, auch wenn die geografische Verbreitung bisher auf eine kleine Anzahl von Ländern beschränkt ist. Was das Angebot betrifft, so handelt es sich bei Fentanyl teils um abgezweigte Arzneimittel, teils um illegal hergestellte Substanzen. Zwischen 2024 und 2025 war Fentanyl die Ursache von mehr als 100 drogenbedingten Todesfällen in Bulgarien, während mehrere Kilogramm Fentanyl enthaltendes Material sichergestellt wurden. Die wiederholten umfangreichen Sicherstellungen, die geografische Ausbreitung und die nicht identifizierten Quellen der Fentanylproduktion und des Schmuggels erhöhen das Potenzial für weitere Probleme in Zusammenhang mit Fentanyl in Bulgarien und darüber hinaus. Im Jahr 2024 meldeten Spanien und die Niederlande vier Sicherstellungen des Fentanyl-Ausgangsstoffs N-Boc-4-Piperidon in einer Menge von insgesamt 30 Kilogramm. Es ist nicht bekannt, ob die Lieferungen für Produktionsstätten in der EU bestimmt waren oder an andere Standorte außerhalb der EU gebracht werden sollten. Die Verbesserung des Zugangs zu Opioid-Agonisten-Therapien, Nadel- und Spritzenprogrammen und Take-Home Naloxon ist nach wie vor von entscheidender Bedeutung, um den derzeitigen Probleme in Zusammenhang mit Opioiden zu entgegnen und die Vorsorge und Resilienz hinsichtlich Veränderungen auf dem Opioidmarkt zu gewährleisten.
Europas widerstandsfähiger Heroinmarkt wird durch Opiumvorräte und Diversifizierung der Produktion gestärkt
Die relative Stabilität der Verfügbarkeit von Heroin in Europa ist zum Teil auf die großen Lagerbestände in Afghanistan zurückzuführen, die im Jahr 2025 auf rund 12 000 Tonnen Opium geschätzt wurden. Fortschrittliche Verarbeitungs- und Streckmethoden sowie ein taktisches Versorgungsmanagement durch Schmuggelnetzwerke haben ebenfalls dazu beigetragen, dass Heroin trotz des verminderten Schlafmohnanbaus in Afghanistan weiterhin verfügbar ist. Dadurch ist ein Heroinengpass in Europa kurz- bis mittelfristig eher unwahrscheinlich. In den Ländern an den wichtigsten Schmuggelrouten werden nach wie vor große Heroinmengen sichergestellt, und im Jahr 2024 wurden in der Europäischen Union mehrere Einrichtungen für das Verschneiden und Verpacken von Heroin ausgehoben. Pakistan, insbesondere die Provinz Belutschistan, die an Afghanistan grenzt und über wichtige Seehäfen für den Drogenhandel nach Europa verfügt, hat sich ebenfalls als Quelle für Opium und Heroin erwiesen. So deutet die Analyse von Satellitenbildern für 2025 auf Schlafmohnanbau auf einer Fläche von über 9 000 Hektar hin, der mit der Produktion Afghanistans konkurrieren könnte. Anderswo in Asien erreichte der Opiummohnanbau in Myanmar im Jahr 2025 mit mehr als 45 000 Hektar den höchsten Wert seit zehn Jahren. Die europäischen Länder müssen in den kommenden Jahren weiterhin wachsam sein und auf Anzeichen für Marktveränderungen achten, darunter auch auf einen vermehrten Konsum synthetischer Opioide oder Stimulanzien.
Auf einen Blick
Quelldaten
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