Drogenangebot, Drogenherstellung und Vorläuferstoffe – die aktuelle Situation in Europa (Europäischer Drogenbericht 2026)
Eine Analyse der angebotsbezogenen Indikatoren für die am häufigsten konsumierten illegalen Drogen in der Europäischen Union legt nahe, dass die Verfügbarkeit bei allen Arten von Substanzen weiterhin hoch ist. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über das Drogenangebot in Europa auf der Grundlage der neuesten Daten, ergänzt durch die jüngsten zeitlichen Trends bei den Sicherstellungen von Drogen und Drogendelikten sowie Daten aus dem Jahr 2024 über die Herstellung von Drogen und die Sicherstellung von Vorläuferstoffen.
Diese Seite ist Teil des Europäischen Drogenberichts 2026, des jährlichen Überblicks der EUDA über die Drogensituation in Europa.
Letzte Aktualisierung: 9. Juni 2026
Hohe Verfügbarkeit von Drogen in Europa infolge der taktischen Verlagerung von Produktion und Handel
Drogenangebot und Markt
Markt- und andere Indikatoren zu den am häufigsten konsumierten Substanzen deuten darauf hin, dass die Verfügbarkeit von Drogen in den EU-Ländern weiterhin hoch ist. Eine große Auswahl an oftmals hochpotenten oder hochreinen Drogen ist weithin verfügbar, was zu steigenden Gesundheitsrisiken führt. Dazu gehören neuartige Substanzen, bei denen sowohl das Wissen der Konsumierenden als auch die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Gesundheitsrisiken begrenzt sein können. Einige Substanzen, wie Cannabis, werden in vielfältigen Produktformen verkauft, während bei anderen, wie Opioiden und Stimulanzien, die Vielfalt der angebotenen Substanzen zugenommen hat. Es bestehen Bedenken hinsichtlich der zunehmenden Risiken, insbesondere für gefährdete und marginalisierte Gruppen. Zu diesen Risiken gehören Vergiftungen und Todesfälle durch den – möglicherweise unwissentlichen – Konsum hochpotenter oder neuartiger Substanzen in Drogenmischungen und Tabletten, insbesondere im Zusammenhang mit dem Konsum mehrerer Substanzen.
Agilität des Drogenschmuggels erschwert Reaktionen und belastet Ressourcen
Der europäische Drogenmarkt wird durch flexible globale Lieferketten gespeist und geprägt. Länder in Südamerika, West- und Südasien sowie Nordafrika sind nach wie vor die wichtigsten Ursprungsländer für illegale Drogen, die nach Europa gelangen, wie beispielsweise Kokain, Heroin und Cannabisharz, während China und Indien weiterhin wichtige Ursprungsländer für neue psychoaktive Substanzen sind. Indien ist ein wichtiges Ursprungsland für Substanzen wie synthetische Cathinone und Ketamin, die auch in Europa hergestellt werden. Es wird auch häufig berichtet, dass Vorläuferstoffe und zugehörige Chemikalien aus China bezogen werden. Darüber hinaus sind Kanada und die Vereinigten Staaten, die über kommerzielle Cannabismärkte verfügen, bedeutende Ursprungsländer für Cannabisprodukte.
Zwar gingen die Gesamtmengen an in Europa sichergestelltem Kokain und Cannabis im Jahr 2024 zurück, doch spielt die Infiltration kommerzieller Lieferketten nach wie vor eine zentrale Rolle für den Schmuggel großer Mengen, wodurch das Volumen der Drogenmärkte aufrechterhalten wird. Dies spiegelt sich in den anhaltenden Sicherstellungen großer Drogenlieferungen in europäischen Häfen wider. Frachtcontainer sind nach wie vor anfällig für Missbrauch durch Schmuggelnetze, die ausgefeilte Versteckmethoden anwenden und diese mit Korruption, Einschüchterung und Gewalt gegen Schlüsselpersonal in der Vertriebskette kombinieren.
Angesichts verschärfter Strafverfolgungs- und Zollmaßnahmen in großen europäischen Häfen sowie der Bemühungen zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit im Rahmen der Europäischen Hafenallianz haben Schmuggelnetze ihre Routen, Methoden und Verstecke diversifiziert und nutzen unterschiedliche Vorgehensweisen (Abbildung 1.1). Drogen werden auf dem Land-, See- und Luftweg geschmuggelt, unter anderem mit kommerziellen und privaten Transportmitteln sowie in Briefen und Paketen. Der zunehmende Einsatz von Umladungen auf See mittels verschiedener Schiffe, Halbtauchboote, Drohnen und besonders schwer auffindbarer Verstecke („Deep Concealment“) hat dazu geführt, dass es die Strafverfolgungsbehörden und der Zoll mit einem Zielobjekt zu tun haben, das unberechenbarer und fragmentierter und dessen Verfolgung mit hohem Ressourcenaufwand verbunden ist. Im Jahr 2026 stellten spanische Behörden in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern 10 Tonnen in Salz verstecktes Kokain sicher (Abbildung 1.2). Solche Vorfälle sowie neue Formen des durch Technologie ermöglichten Schmuggels, wie beispielsweise der Einsatz von Drohnen, erfordern entschlossene Maßnahmen und einen neuen Ansatz, um mit den Taktiken der Schmuggelnden Schritt zu halten. Auf diese dynamische Situation wird im strategischen Rahmen der EU für Drogenfragen eingegangen, der im März 2026 vom Rat der Europäischen Union befürwortet wurde. Der Rahmen umfasst die EU-Drogenstrategie und die Mitteilung der Europäischen Kommission über einen Aktionsplan zur Bekämpfung des Drogenhandels. Er umfasst auch die aktualisierten Vorschriften für die Überwachung und Kontrolle von Vorläuferstoffen und die Umsetzung von ProtectEU, einer neuen europäischen Strategie für die innere Sicherheit. Die EUDA entwickelt weiterhin neue Instrumente und Dienste, um Europas Reaktion auf sich wandelnde Risiken und neue Herausforderungen im Bereich der Vorsorge zu unterstützen.
Textversion der obigen Grafik anzeigen
Methoden des Drogenhandels
- Unterwanderung logistischer Lieferketten
- Intermodale Frachtcontainer
- Containerwechsel, Code-Betrug, Extraktionsteams
- Korruption, Einschüchterung von Beamteten und Schiffsbetreibern
- Stärkere Nutzung kleinerer Häfen
- Schwimmende Pakete mit GPS-Chip
- Abholung von den Mutterschiffen durch kleine Schiffe
- Schnellboote, Sportboote
- Halbtauchboote („Drogen-U-Boote“)
- „Torpedos“ (an Schiffen befestigte wasserdichte Behälter)
- Chemische Verschleierung oder Tarnung von Sendungen
- Verstärkte Nutzung der allgemeinen Luftfahrt, kleine Flugplätze
Hinweis: Sicherstellungen durch die spanische Nationalpolizei (links) und die spanische Steuerbehörde, die spanische Guardia Civil und die Nationalpolizei (rechts); das Operationszentrum für den Kampf gegen den Drogenhandel im Atlantik war an beiden Operationen beteiligt.
Veränderte Dynamik in der Opiumproduktion und Lagerbestände befeuern den europäischen Heroinmarkt
Das von den Taliban im Jahr 2022 verhängte Verbot der Drogenproduktion in Afghanistan führte zu einem drastischen Rückgang sowohl des Schlafmohnanbaus als auch der Opiumproduktion; Schätzungen zufolge gingen Anbau und Produktion im Jahr 2023 um 95 % zurück, und auch im Jahr 2024 blieben die Werte auf einem ähnlich niedrigen Niveau. Dies hat zu Befürchtungen hinsichtlich eines möglichen Heroinengpasses in Europa und einer zunehmenden Verfügbarkeit verschiedener anderer Drogen, darunter synthetische Opioide, geführt. Neueste von der EUDA finanzierte Forschungsarbeiten deuten jedoch darauf hin, dass trotz des auch im Jahr 2025 weiterhin geringen Schlafmohnanbaus ein Heroinengpass in Europa kurz- bis mittelfristig unwahrscheinlich bleibt. Abschwächende Faktoren, wie verbesserte Heroinverarbeitungsmethoden, Verfälschungspraktiken und das Vorhandensein großer Opiumbestände, haben dazu geführt, dass Heroin in Afghanistan weiterhin verfügbar ist und die Auswirkungen auf die europäischen Heroinmärkte bislang gering waren. Bemerkenswert ist, dass sich im Zuge eines strukturellen Wandels der regionalen Dynamik der Opiatproduktion Pakistan zu einem bedeutenden Produzenten entwickelt hat. Die Produktion findet vorwiegend in der Provinz Belutschistan statt, die unmittelbar südlich von Afghanistan liegt und in der sich der Hafen von Gwadar befindet. Viele afghanische Bauern und „Opiumköche“ sind dorthin gezogen, um Land zu pachten und illegale Heroinlabore zu betreiben. Durch den Umzug afghanischer Bauern und „Opiumköche“ in dieses Gebiet rückt die Produktion näher an die Makran-Küste heran, einen seit langem etablierten Korridor für den Drogenschmuggel auf dem Seeweg, der die Region mit den weltweiten Absatzmärkten, darunter auch Europa, verbindet. Im Jahr 2025 könnte die Opiumproduktion in Belutschistan mit jener in Afghanistan konkurrieren, wodurch sich die Gesamtauswirkungen des Verbots durch die Taliban auf regionale Opiatströme verringern könnten (siehe Understanding Europe’s drug situation in 2026 (Die Drogensituation in Europa im Jahr 2026 verstehen)). Dennoch sollten die europäischen Länder auch vier Jahre nach dem Verbot der Taliban weiterhin wachsam gegenüber jeglichen Anzeichen von Veränderungen auf den Heroinmärkten sein, insbesondere hinsichtlich einer zunehmenden Verfügbarkeit und eines steigenden Konsums synthetischer Opioide oder Stimulanzien (siehe auch Heroin – the current situation in Europe (Heroin – die aktuelle Situation in Europa)).
Vielfältige illegale Drogenproduktion in Europa gefährdet die Gesundheit und die Umwelt
Europa ist nach wie vor eine bedeutende Produktionsregion für illegale Drogen, wobei die EU-Mitgliedstaaten jährlich Tausende illegaler Produktionsstätten ausheben. In den meisten davon wird Cannabis für den heimischen Markt angebaut, während in den übrigen hauptsächlich synthetische Drogen für EU-Märkte und Märkte außerhalb der EU hergestellt werden.
Die illegale Drogenproduktion gefährdet die öffentliche Gesundheit und Sicherheit. Dies birgt Risiken für Einsatzkräfte der Strafverfolgungsbehörden und für Drogenkonsumierende und kann Gemeinschaften in der Nähe von Produktionsstätten oder Deponien für chemische Abfälle durch Umweltauswirkungen Schaden zufügen. In den im Jahr 2024 in der Europäischen Union ausgehobenen illegalen Drogenproduktionsstätten wurden zahlreiche verschiedene Substanzen produziert, darunter Amphetamin, Methamphetamin, synthetische Cathinone und MDMA, sowie Kokain und Heroin verarbeitet (Abbildung 1.3). Von kleineren Produktionsstätten werden wahrscheinlich lokale Märkte und gelegentlich auch Märkte im Darknet beliefert. Von größeren Produktionsstätten werden sowohl lokale als auch Märkte außerhalb der EU beliefert und sie sind vor allem in Belgien und den Niederlanden anzutreffen, aber auch in Polen, Deutschland und Spanien. In einigen Laboren können mehrere Substanzen, wie synthetische Stimulanzien, die ähnliche Anforderungen hinsichtlich Vorläuferstoffen und Anlagen stellen, produziert werden. Eine fundierte Aussage zur Zunahme der illegalen Drogenproduktion in Europa ist aufgrund von Schwierigkeiten bei der Überwachung – darunter Probleme bei der Datenverfügbarkeit und Unsicherheiten hinsichtlich der Produktionskapazitäten der Produktionsstätten – schwierig.
Hinweis: Sicherstellung durch das Zentrale Ermittlungsbüro der Polizei
Kokainproduktion
Die Aufdeckung immer weiterer und teilweise großer Anlagen zur Herstellung, Extraktion, Streckung und Verpackung von Kokain in den letzten Jahren deutet darauf hin, dass beim Kokainschmuggel nach Europa innovative Methoden zum Einsatz kommen. In Europa, vor allem in Belgien, den Niederlanden, Spanien und Portugal werden große Mengen Kokainhydrochlorid aus Zwischenprodukten (Kokapaste und Kokainbase) hergestellt, die aus Südamerika geschmuggelt werden. Die Sicherstellungen von Ethylacetat, einem bei der Kokainverarbeitung verwendeten Lösungsmittel, beliefen sich im Jahr 2024 auf 42 500 Liter, was erneut darauf hindeutet, dass die Extraktion und Verarbeitung von Kokain weiterhin in großem Umfang stattfinden.
Herstellung synthetischer Drogen
Die Innovation in den Herstellungsprozessen zeigt sich auch in den Sicherstellungen von Chemikalien, die zur Herstellung der Vorläuferstoffen für synthetische Drogen verwendet werden können. Die Verwendung eines breiteren Spektrums von Chemikalien zur Herstellung neuer Substanzen in unterschiedlichen Syntheseverfahren führt zu einer variablen und komplexen Herausforderung für die Zoll-, Strafverfolgungs- und Regulierungsbehörden.
Neben den umfangreichen Einfuhren synthetischer Cathinone nach Europa aus China und Indien wird seit vielen Jahren von einigen europäischen Ländern – vor allem Polen – die illegale Herstellung verschiedener international kontrollierter synthetischer Cathinone (z. B. 3-MMC, 4-MMC, alpha-PVP) gemeldet. Die EUDA hat eine Risikobewertung von Vorläuferstoffen für die Herstellung synthetischer Cathinone wie Propiophenone, die derzeit international nicht kontrolliert werden, durchgeführt. Dies ist Teil der Maßnahmen der EU, deren Verwendung bei der Herstellung illegaler Drogen zu unterbinden.
Es gibt Anzeichen dafür, dass halbsynthetische Cannabinoide und bestimmte synthetische Cannabinoide auch in europäischen Ländern hergestellt werden. Es gibt Bedenken hinsichtlich der Verwendung von CBD als Vorläuferstoff für die Herstellung von halbsynthetischen Cannabinoiden, wie z. B. von HHC-Varianten.
Illegale Drogenproduzenten nutzen weiterhin nicht erfasste Chemikalien, um einer Aufdeckung zu entgehen
Illegale Drogenproduzenten wechseln kontinuierlich zu unkontrollierten Chemikalien, um sich den internationalen Kontrollen von Vorläuferstoffen zu entziehen. Dieser anhaltende Kreislauf spiegelte sich in der Sicherstellung großer Mengen von BMK- und PMK-Glycid-Derivaten (39,3 Tonnen) im Jahr 2024 wider, und vorläufige Daten für 2025 deuten darauf hin, dass neue Alternativen zu BMK entstanden sind (z. B. Methyl-4-phenylacetoacetat und Ethyl-4-phenylacetoacetat), wobei Spanien die Sicherstellung von 2 Tonnen dieser unkontrollierten Chemikalien meldete. Die EUDA wird im Jahr 2026 Risikobewertungen zu diesen Chemikalien durchführen. Der Vorschlag der Europäischen Kommission für eine neue Verordnung zur Kontrolle von Vorläuferstoffen stärkt die Überwachungsfunktion der EUDA und sieht die Einrichtung eines EU-weiten Registers für Vorläuferstoffe vor. Nach der Verabschiedung durch den Rat und das Parlament dürfte die überarbeitete Rechtsvorschrift zu Vorläuferstoffen die Kontrollen an den Außengrenzen der Europäischen Union und innerhalb des EU-Binnenmarkts verstärken. Dies dürfte auch die Einführung genereller Verbote (ganzer chemischer Stoffgruppen) von „Designer-Vorläuferstoffen“ erleichtern, bei denen es sich um chemische Varianten von erfassten Stoffen handelt, für die keine legale Verwendung bekannt ist, wobei jedoch die Möglichkeit einer Verwendung zu Forschungszwecken erlaubt bleibt.
Wichtige Daten und Trends
Trends beim Drogenangebot
- Die indexierten Trends zeigen allesamt, dass die Menge der in der Europäischen Union sichergestellten Drogen zwischen 2014 und 2024 gestiegen ist, insbesondere in den letzten 7 Jahren (Abbildung 1.4).
- Zwischen 2014 und 2024 wurden die größten Zuwächse bei den sichergestellten Mengen bei Methamphetamin (1 019 %), Kokain (471 %), MDMA (386 %), Amphetamin (150 %) und pflanzlichem Cannabis (79 %) verzeichnet.
- Die EU-Mitgliedstaaten meldeten im Jahr 2024 geschätzte 1 Million Sicherstellungen, wobei 68 % aller gemeldeten Sicherstellungen auf Cannabisprodukte entfielen (Abbildung 1.5 und Abbildung 1.6).
- Zwischen 2014 und 2024 sank die Zahl der Sicherstellungen von Cannabisharz um 11 %, von pflanzlichem Cannabis um 34 % und von Heroin um 39 % (Abbildung 1.7). Im selben Zeitraum stieg die Zahl der Sicherstellungen von Methamphetamin (234 %), MDMA (66 %), Kokain (42 %) und Amphetamin (9 %).
Trends bei Drogendelikten
- Im Jahr 2024 meldeten die EU-Mitgliedstaaten schätzungsweise 1,6 Millionen Drogendelikte, was einem Anstieg von 38 % seit 2014 entspricht. Mehr als drei Viertel der Delikte (76 % bzw. 1,2 Millionen) betrafen Drogenkonsum oder Drogenbesitz für den Eigengebrauch.
- Von den geschätzten 1,6 Millionen Drogendelikten wird die im Zusammenhang mit dem Delikt genannte Droge lediglich bei knapp 871 000 Delikten gemeldet, darunter 706 000 Delikte wegen Drogenbesitzes oder -konsums, 161 000 Delikte in Zusammenhang mit der Beschaffung und 4 000 andere Arten von Delikten (Abbildung 1.8).
- Im Jahr 2024 entfielen 477 000 (68 %) der Konsum- oder Besitzdelikte, bei denen die Droge bekannt ist, auf Cannabis, und etwa 74 000 (46 %) der Beschaffungsdelikte auf Cannabis.
- Im Jahr 2024 wurden mehr Delikte im Zusammenhang mit Kokain und MDMA gemeldet als im Jahr 2014, und zwar sowohl was den Besitz und als auch die Beschaffung betrifft. Im gleichen Zeitraum wurden weniger Delikte im Zusammenhang mit Methamphetaminen, Heroin und Cannabis gemeldet, sowohl bei Delikten in Bezug auf den Besitz als auch die Beschaffung von Drogen (Abbildung 1.9 und Abbildung 1.10).
EU-Daten zu Herstellung und Vorläuferstoffen für das Jahr 2024
- Die Einstufung einer Reihe alternativer Chemikalien als Vorläuferstoffe unter internationaler Kontrolle führte zu einem starken Rückgang der Menge der in der Europäischen Union sichergestellten Chemikalien, die bei der Herstellung synthetischer Drogen verwendet werden – von einem Höchststand von 178 Tonnen im Jahr 2023 auf 64 Tonnen im Jahr 2024. Im letzten Jahrzehnt wurden jährlich etwa 54 Tonnen sichergestellt (Abbildung 1.11).
Abbildung 1.11a. Menge der in der EU sichergestellten wichtigen Vorläuferstoffe und nicht erfassten Chemikalien (2012-2024)
Abbildung 1.11b. Menge der 2024 in der Europäischen Union sichergestellten wichtigen Vorläuferstoffe und nicht erfassten wichtigen Chemikalien (in Kilogramm), nach Verbindung mit der Drogenherstellung
Abbildung 1.11c. Menge der 2024 in der Europäischen Union sichergestellten wichtigen Vorläuferstoffe und nicht erfassten Chemikalien (in Liter), nach Verbindung mit der Drogenherstellung
- Cannabis: Die EU-Mitgliedstaaten meldeten im Jahr 2024 7 300 Sicherstellungen von Cannabis-Pflanzen, was 2,1 Millionen einzelnen Pflanzen und 21 Tonnen entspricht (2,3 Millionen Pflanzen und 11 Tonnen im Jahr 2023). Im Jahr 2024 wurden in 11 EU-Mitgliedstaaten rund 4 000 illegale Cannabisanbauflächen ausgehoben.
- Im Jahr 2024 wurden in der Europäischen Union mindestens drei illegale Produktionsstätten ausgehoben, in denen THC oder halbsynthetische Cannabinoide hergestellt wurden – zwei in den Niederlanden und eine in Polen.
- Heroin: Im Jahr 2024 wurden in den EU-Mitgliedstaaten 20 Heroin-Produktionsstätten (Streckung und Verpackung) ausgehoben (15 in den Niederlanden, 4 in Tschechien, 1 in Italien). Tschechien meldete die Aushebung von zwei Morphin-Produktionsstätten, und die Niederlande meldeten zwei Produktionsstätten für „Lean“, eine codeinhaltige Flüssigkeit. Im Jahr 2024 wurden in der Europäischen Union drei Sicherstellungen des Heroinvorläuferstoffs Essigsäureanhydrid gemeldet – davon zwei von den Niederlanden – in einer Menge von 15 038 Liter (740 Liter im Jahr 2023). Weltweit sind die Sicherstellungen von Essigsäureanhydrid seit 2019 erheblich zurückgegangen. Im Jahr 2024 meldeten die Niederlande außerdem einen Diebstahl von 27 000 Litern Essigsäureanhydrid.
- Kokain: Sechs EU-Mitgliedstaaten meldeten die Aushebung von insgesamt 42 Kokainproduktionsstätten im Jahr 2024 (34 im Jahr 2023): die Niederlande (24), Spanien (7), Portugal (4), Belgien (4), Italien (2) und Deutschland (1). In der Türkei wurde eine Produktionsstätte ausgehoben. Die Sicherstellungen von Kaliumpermanganat gingen im Jahr 2024 auf 17 Kilogramm zurück (2 082 Kilogramm im Jahr 2023).
- Amphetamin: Im Jahr 2024 meldeten 9 EU-Mitgliedstaaten die Aushebung von 110 Amphetaminlaboren (93 im Jahr 2023): die Niederlande (33), Deutschland (28), Polen (29), Belgien (11), Österreich (2), Schweden (3), Italien (2), Bulgarien (1) und Spanien (1). Eine Produktionsstätte für Amphetamin wurde in Norwegen ausgehoben.
- Methamphetamin: Zehn EU-Mitgliedstaaten meldeten 2024 die Aushebung von 252 Methamphetaminlaboren (250 im Jahr 2023): Tschechien (184), die Niederlande (23), Bulgarien (18), Deutschland (5), Polen (11), Spanien (4), Slowakei (2), Belgien (2), Österreich (2) und Rumänien (1). In der Türkei wurden fünf Standorte ausgehoben. Tschechien meldete ebenfalls die Aushebung von Produktionsstätten für Pseudoephedrin (19) und Ephedrin (1). Im Jahr 2024 meldeten 11 EU-Mitgliedstaaten Sicherstellungen von Ephedrin und Pseudoephedrin im Ausmaß von 6 404 Kilogramm (sowohl in Pulverform als auch in Form von Tabletten). Im Jahr 2023 waren es 7 847 Kilogramm von 16 EU-Mitgliedstaaten.
- BMK: Amphetamin und Methamphetamin können aus BMK hergestellt werden, einem kontrollierten Vorläuferstoff, der wiederum aus alternativen Chemikalien hergestellt werden kann. Im Jahr 2024 meldeten die Niederlande die Aushebung von 27 Laboren, in denen BMK hergestellt wurde. Im Jahr 2024 wurden in den EU-Mitgliedstaaten 3 732 Liter BMK (5 453 Liter im Jahr 2023) und 21,6 Tonnen Substanzen (66,2 Tonnen im Jahr 2023), die zur Herstellung von BMK verwendet werden können, sichergestellt. Diese Sicherstellungen umfassten 21,6 Tonnen Glycid-Derivate von BMK (66,1 Tonnen im Jahr 2023), 35 Kilogramm MAPA (43 Tonnen im Jahr 2023) und 47 Kilogramm APAA und APAAN (1,3 Kilogramm APAAN im Jahr 2023). Die von den Niederlanden, Spanien und Deutschland gemeldeten Sicherstellungen von Weinsäure, die zur Herstellung der potentesten Form von Methamphetamin (d-Methamphetamin, das für die Herstellung von „Crystal Meth“ verwendet wird) aus mit BMK-Methoden hergestellten Mischungen verwendet wird, beliefen sich im Jahr 2024 auf 7,5 Tonnen (10,9 Tonnen im Jahr 2023).
- MDMA: Vier EU-Mitgliedstaaten meldeten 2024 die Aushebung von 59 MDMA-Laboren (36 im Jahr 2023): 47 in den Niederlanden (32 im Jahr 2023), 4 in Belgien (4 im Jahr 2023), 7 in Spanien und 1 in Deutschland. Im Jahr 2024 meldeten die Niederlande die Aushebung von 24 Laboren, in denen die kontrollierte MDMA-Vorläufersubstanz PMK hergestellt wurde. Die Sicherstellungen von MDMA-Vorläuferstoffen gingen im Jahr 2024 auf 23,9 Tonnen (64,1 Tonnen im Jahr 2023) zurück. Die Sicherstellungen der MDMA-Vorläufersubstanz PMK und seiner Glycid-Derivate lagen 2024 bei 23,9 Tonnen (63,1 Tonnen im Jahr 2023). Sicherstellungen von MAMDPA, die 2021 mit 4,5 Tonnen ihren Höchststand erreichten, wurden 2024 nicht gemeldet, und von IMDPAM wurden 2024 nur 5 Kilogramm als sichergestellt gemeldet (450 Kilogramm im Jahr 2023).
- Cathinone: Vier EU-Mitgliedstaaten meldeten im Jahr 2024 insgesamt 63 Produktionsstätten für synthetische Cathinone: 47 in Polen (40 im Jahr 2023), 11 in den Niederlanden (8 im Jahr 2023), 3 in Deutschland (2 im Jahr 2023), 1 in Lettland und eine Produktionsstätte für mehrere Drogen in Litauen. Bis auf eine Produktionsstätte wurde in allen nur eine einzige Droge hergestellt: 4-MMC (19 Produktionsstätten), 3-CMC (15), 4-CMC (22), Alpha-PVP (5), Methcathinon (3). An der Produktionsstätte für mehrere Drogen wurden mehrere Cathinone (2-MMC, 3-CMC, 4-CMC) hergestellt. Die Sicherstellungen von Vorläuferstoffen für synthetische Cathinone beliefen sich im Jahr 2024 auf 2 620 Kilogramm (2 153 Kilogramm im Jahr 2023), wobei die größten Mengen auf die Niederlande (2 518 Kilogramm) und auf Deutschland (101 Kilogramm) entfielen.
- Synthetische Opioide: Im Jahr 2024 wurde in Polen eine große illegale Methadonproduktionsstätte entdeckt (Abbildung 1.12), was zur Sicherstellung von 195 Kilogramm Kristallmethadon führte. Im Jahr 2024 wurden in Polen und der Ukraine acht Produktionsstätten entdeckt, an denen Methadon und synthetische Cathinone nebeneinander hergestellt wurden. Ende 2024 meldeten Spanien und die Niederlande vier Sicherstellungen des Fentanyl-Vorläuferstoffs N-Boc-4-Piperidon in einer Menge von insgesamt 30 Kilogramm.
Hinweis: Sicherstellung durch das Zentrale Ermittlungsbüro der Polizei in Polen und die Abteilung für Drogenkriminalität der nationalen Polizei der Ukraine.
- Ketamin: Im Jahr 2024 wurde in der Europäischen Union eine Ketamin-Produktionsstätte ausgehoben (6 im Jahr 2023).
- Mülldeponien: Im Jahr 2024 meldeten Belgien (20) und die Niederlande (217) insgesamt 237 Mülldeponien (236 im Jahr 2023), in denen Abfälle und Ausrüstung aus der Drogenherstellung entsorgt wurden.
In dem Bericht von EUDA und Europol EU Drug Markets: In-depth analysis (EU-Drogenmärkte: eingehende Analyse) finden Sie ausführliche Informationen über die Herstellung und den Handel mit illegalen Drogen.
Überblick über die Sicherstellungen von wichtigen Vorläuferstoffen und nicht erfassten Chemikalien in der Europäischen Union nach Verbindung mit der Drogenherstellung, 2024
Quelldaten
Die Daten, die zur Generierung von Infografiken und Diagrammen auf dieser Seite verwendet wurden, sind nachstehend aufgeführt.
Der vollständige Datensatz der Quelldaten für den Europäischen Drogenbericht 2026, einschließlich Metadaten und methodischer Hinweise, ist in unserem Datenkatalog verfügbar.
Nachstehend finden Sie einen Teilsatz dieser Daten, der zur Generierung von Infografiken, Diagrammen und ähnlichen Elementen auf dieser Seite verwendet wird.