Schadensminimierung – die aktuelle Situation in Europa (Europäischer Drogenbericht 2026)
Schadensminimierung umfasst politische Maßnahmen, Programme und Interventionen zur Verringerung der gesundheitlichen, sozialen, rechtlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Drogenkonsums auf Einzelpersonen, Gemeinschaften und Gesellschaften. Auf dieser Seite finden Sie die neuesten Analysen zu Interventionen zur Schadensminimierung in Europa, einschließlich wichtiger Daten über die Opioid-Agonisten-Therapie, Programme zur Naloxon-Mitgabe, Drogenkonsumräume und mehr.
Diese Seite ist Teil des Europäischen Drogenberichts 2026, des jährlichen Überblicks der EUDA über die Drogensituation in Europa.
Letzte Aktualisierung: 9. Juni 2026
Die Schadensminimierung passt sich an neue und sich wandelnde Drogenprobleme an
Der Konsum illegaler Drogen trägt zur globalen Krankheitslast bei. Zu den Interventionen zur Verringerung dieser Last zählen Präventionsmaßnahmen, die darauf abzielen, den Drogenkonsum und die damit verbundenen Schäden zu verzögern oder zu verringern, sowie Behandlungsmaßnahmen, die die Stabilisierung und Genesung von Menschen mit drogenbedingten Problemen fördern. Die Schadensminimierung ergänzt diese Ansätze, indem unvoreingenommen mit Drogenkonsumierenden zusammengearbeitet wird, um die mit ihrem Drogenkonsumverhalten und unsicheren Konsumbedingungen verbundenen Risiken zu verringern und die Gesundheit und das Wohlbefinden zu fördern. Ein gut dokumentiertes Beispiel ist die Bereitstellung von sterilem Injektionszubehör, um das Risiko einer Übertragung von Infektionskrankheiten zu verringern. Maßnahmen wie diese haben offenbar im Laufe der Zeit zu der in Europa nach internationalen Standards niedrigen Rate von HIV-Neuinfektionen im Zusammenhang mit dem injizierenden Drogenkonsum beigetragen. Dennoch stellen Lücken bei der Versorgung und der zunehmende Konsum von Stimulanzien Herausforderungen für die Europäische Union dar, wenn es darum geht, die Zielvorgaben der WHO für eine kontinuierliche Versorgung von Personen mit HIV zu erreichen (siehe Drogenbedingte Infektionskrankheiten – die aktuelle Situation in Europa). In den letzten zehn Jahren haben sich die Muster des Drogenkonsums und die Profile der Konsumierenden gewandelt, sodass die Schadensminimierung nun ein breiteres Spektrum an Risiken abdecken muss. Die Schadensminimierung erstreckt sich nunmehr auch auf die Verhinderung von Überdosierungen im Zusammenhang mit polyvalentem Substanzenkonsum, die Bekämpfung des Rauchens von Stimulanzien sowie die Unterstützung gefährdeter Personen, die mit komplexen gesundheitlichen und sozialen Problemen konfrontiert sind.
Verschiedene Interventionen sind erforderlich, um die sich ändernden drogenbedingten Schäden anzugehen
Der Konsum illegaler Drogen kann chronische und akute Gesundheitsprobleme verursachen, die möglicherweise durch die Eigenschaften der Substanzen, die Verfälschungsmittel, die Konsumform, die individuelle Gefährdung und den sozialen Kontext des Konsums noch verstärkt werden. Zu den chronischen Schäden zählen Abhängigkeit und Infektionskrankheiten, während zu den akuten Schäden Drogenvergiftungen und Überdosierungen gehören. Obwohl der Opioidkonsum in der Bevölkerung wenig verbreitet ist, ist er für einen Großteil der drogenbedingten Morbidität und Mortalität verantwortlich. Bei injizierendem Drogenkonsum und dem Konsum mehrerer Substanzen sind die Risiken höher, weshalb Personen, die Opioide konsumieren und Drogen injizieren, seit langem im Mittelpunkt von Interventionen zur Schadensminimierung stehen, für die es gut entwickelte und evaluierte Modelle der Diensterbringung gibt.
Viele Schadensminimierungsdienste, wie z. B. die Opioid-Agonisten-Therapie sowie Nadel- und Spritzenaustauschprogramme, sind in die allgemeine Gesundheitsversorgung in Europa integriert. In den aktualisierten Leitlinien der EUDA und des ECDC wird empfohlen, die Opioid-Agonisten-Therapie mit der Bereitstellung von sterilem Injektionszubehör innerhalb der Gemeinschaft und in Haftanstalten zu kombinieren, um die Ausbreitung von HIV und Hepatitis C zu verhindern, das Risiko beim Injizieren zu verringern und die Reichweite sowie die Wirksamkeit dieser Interventionen bei Personen, die Opioide injizieren, zu maximieren.
Zubehör zur Schadensminimierung wird in der Regel über ganzheitliche niederschwellige Dienste bereitgestellt. Diese verteilen sterile Materialien, um die mit dem fortgesetzten Drogenkonsum verbundenen Schäden zu verringern. Zum bereitgestellten Zubehör können Gegenstände gehören, die der Zubereitung und dem Konsum von Drogen dienen (z. B. Filter, Kocher, Wasser, Nadeln und Spritzen, Pfeifen, Folie), sowie Gegenstände zur Verhinderung oder Behandlung von Schäden (Wundversorgungssets, Naloxon) (Abbildung 13.1). Aktuelle Erkenntnisse verweisen auf die Wirksamkeit von Nadel- und Spritzentauschprogrammen sowie von Programmen zur Naloxon-Mitgabe. Die Evidenzlage zu anderen Maßnahmen ist jedoch nach wie vor begrenzt, obwohl Beobachtungsstudien darauf hindeuten, dass solche Angebote dazu beitragen können, den Kontakt zu Drogenkonsumierenden zu intensivieren und ihnen den Zugang zu Behandlungs- und sozialen Reintegrationsmaßnahmen zu erleichtern (Health and social responses: provision of harm reduction equipment for high-risk drug use) (Gesundheitliche und soziale Maßnahmen: Bereitstellung von Zubehör zur Schadensminimierung bei hochriskantem Drogenkonsum).
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Drogenzubereitung
- Bleich- und Chlortabletten
- Säuerungsmittel
- Filter
- Kocher
- Wasser
- Sonstige: Essstäbchen, Hackkarten, Glasampullen, Ampullenöffner, Tablettenmörser
Drogenverabreichung
- Nadeln und Spritzen
- Pfeifen
- "Low Dead Space“-Spritzen und -Nadeln
- Folie
- Sonstige: Gelatinekapseln, Blutstauungsbänder
Betreuung und Prävention
- Fentanyl-Teststreifen
- Naloxon-Sets
- Wundversorgungssets
- Sonstige: Kaugummi, Desinfektionstupfer, Lippenbalsam, Abfalleimer für spitze Gegenstände
Anmerkungen: Materialien, bei denen es Erkenntnisse zu einem Nutzen gibt und bei denen wir hohes oder hinreichendes Vertrauen in die verfügbaren Daten haben können, sind dunkler dargestellt. Ein Großteil der derzeitigen Erkenntnisse zur Bereitstellung der in dieser Abbildung aufgeführten Materialien ist noch im Entstehen begriffen oder wird als unzureichend angesehen (siehe Health and social responses: provision of harm reduction equipment for high-risk drug use (Gesundheitliche und soziale Maßnahmen: Bereitstellung von Zubehör zur Schadensminimierung bei hochriskantem Drogenkonsum) sowie Spotlight on… Understanding and using evidence (Im Fokus… Erkenntnisse verstehen und nutzen)).
In einigen EU-Mitgliedstaaten wurden die Ansätze zur Schadensminimierung um zusätzliche Maßnahmen erweitert. Dazu gehören überwachte Drogenkonsumräume und Programme zur Naloxon-Mitgabe, die darauf abzielen, tödliche Überdosierungen zu verringern. (Abbildung 13.2). Zu den Interventionen zur Verringerung opioidbedingter Todesfälle gehören Maßnahmen, die darauf abzielen, die Gefährdung zu verringern, Überdosierungen zu verhindern und im Falle einer Überdosierung tödliche Folgen zu vermeiden (Abbildung 13.3).
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- Verringerung von Todesfällen bei Überdosierung
- Naloxon-Einsatz*
- Ausgabe von und Aufklärung über Naloxon* (Fach- und Rettungskräfte, Gemeinschaft)
- Drogenkonsumeinrichtungen*
- Apps zur Prävention tödlicher Überdosierungen
- Reduzierung des Überdosierungsrisikos
- Opioid-Agonisten-Therapie, Verbleib in der Behandlung und Betreuungskontinuität*
- Gezielte Interventionen in Zeiten geringerer Toleranz (z. B. bei Entlassung aus der Haftanstalt oder Behandlungsunterbrechung)
- Bewertung des Risikos einer Überdosierung, Sensibilisierung für das Thema und Schadensminimierung
- Präventionsstrategien gegen Überdosierung
- Verhinderung der Abzweigung von Arzneimitteln
- Substanzanalysen und öffentliche Gesundheitswarnungen
- Unterstützung der Abkehr von der Injektion zugunsten des Rauchens von Opioiden
- Gezielte Behandlungen (Naltrexonbehandlung, heroingestützte Behandlung)
- Verringerung der Gefährdung
- Ganzheitliche Betreuung durch Akteure der psychischen und der allgemeinen Gesundheit
- Interventionen zur Verbesserung des Zugangs zu gesundheitlicher und sozialer Betreuung
- Programme zur Bereitstellung von Unterkünften
- Unterstützung von Beschäftigungsprogrammen
- Interventionen gegen Stigmatisierung
Hinweis: Interventionen, bei denen es Hinweise auf einen Nutzen gibt und bei denen wir hohes oder hinreichendes Vertrauen in die verfügbaren Daten haben können, werden durch Fettdruck und ein Sternchen (*) hervorgehoben.
Hinweis: Interventionen, bei denen es Hinweise auf einen Nutzen gibt und bei denen wir hohes oder hinreichendes Vertrauen in die verfügbaren Daten haben können, werden durch einen kräftigeren Rahmen hervorgehoben. Ein Großteil der aktuell verfügbaren Erkenntnisse über die in dieser Abbildung dargestellten Interventionen ist entweder neu oder wird als unzureichend angesehen, was zum Teil auf die praktischen und methodischen Schwierigkeiten bei der Forschungsarbeit zurückzuführen ist, vor allem bei der Entwicklung randomisierter Kontrollstudien (siehe Spotlight on... understanding and using evidence) (Im Fokus ... Erkenntnisse verstehen und nutzen)). Hinzu kommt die Tatsache, dass die Modelle der Diensterbringung sich häufig erheblich unterscheiden.
Drogenkonsumräume bieten betreute, hygienische Räumlichkeiten, in denen Menschen Drogen konsumieren können. Es werden steriles Injektionszubehör sowie Ratschläge zur sichereren Anwendung, auch zur Verhinderung von Überdosierungen, bereitgestellt, und das Personal ist in der Lage, zu reagieren, wenn es vor Ort zu einer Überdosierung kommt. Diese Dienste können marginalisierte Personen auch an andere Dienste für die Schadensminimierung, Behandlung, Gesundheitsversorgung und sozialen Betreuung vermitteln. Sie könnten auch dazu beitragen, dass der injizierende Drogenkonsum in geringerem Ausmaß in der Öffentlichkeit stattfindet. Obwohl Erkenntnisse noch im Entstehen sind und die Bewertung eine Herausforderung darstellt, deuten die verfügbaren Daten darauf hin, dass Drogenkonsumräume zur Verringerung drogenbedingter Todesfälle beitragen können (siehe auch Gesundheitliche und soziale Antworten: Drogenkonsumräume).
Im Rahmen von Programmen zur Naloxon-Mitgabe werden Schulungen zum Thema Überdosierungsrisiken und Erste-Hilfe-Maßnahmen angeboten und Naloxon-Sets an Personen verteilt, die Zeuginnen und Zeugen von Opioid-Überdosierungen werden könnten. Zwar werden immer mehr Personen in der Verabreichung von Naloxon geschult, doch bestehen in einigen EU-Mitgliedstaaten, die diese Intervention durchführen, nach wie vor Probleme hinsichtlich der Reichweite und des Zugangs (siehe Opioidbedingte Todesfälle: Gesundheitliche und soziale Maßnahmen).
In einigen Ländern ermöglichen Drug-Checking-Dienste, sich darüber zu informieren, was gekaufte illegale Drogen enthalten. Da viele synthetische Stimulanzien und neue psychoaktive Substanzen inzwischen in Form von ähnlich aussehenden Pulvern oder Pillen auf dem illegalen Markt erhältlich sind, wissen Konsumierende unter Umständen nicht, was sie konsumieren. Wenn Drug-Checking in Drogenkonsumräumen angeboten wird, können damit besonders gefährdete Gruppen erreicht und kann dazu beitragen werden, das Risiko von Überdosierungen im Zusammenhang mit unerwarteten oder potenten Opioiden zu verringern. Drug-Checking-Dienste bieten Einblicke in die aktuellen Trends auf dem Drogenmarkt und die Präferenzen der Konsumierenden, was letztlich eine gezielte Risikokommunikation und gezielte Warnungen fördert (siehe auch Synthetische Stimulanzien – die aktuelle Situation in Europa und MDMA – die aktuelle Situation in Europa).
Die erhöhte Integration der Märkte für neue psychoaktive Substanzen und illegale Drogen hat neue Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit mit sich gebracht. Beispiele hierfür sind Hanf, der mit synthetischen und halbsynthetischen Cannabinoiden versetzt ist, Stimulanzien, die mit verschiedenen Substanzen vermischt sind, darunter manchmal auch synthetische Cathinone, Ketamin, oder neue synthetische Opioide (z. B. Nitazene), die mit Heroin gemischt oder als Heroin ausgegeben werden (siehe auch Neue psychoaktive Substanzen – die aktuelle Situation in Europa). Da sich Vergiftungsereignisse rasch entwickeln können, hat die Risikokommunikation an Bedeutung gewonnen. Als beispielsweise Isotonitazepin, ein potentes Nitazen-Opioid, das fälschlicherweise als Oxycodon-Tabletten verkauft wurde, im März 2025 mit einer tödlichen Überdosis in den Niederlanden in Verbindung gebracht wurde, wurde rasch eine Risikowarnung herausgegeben, um ahnungslose Opioidkonsumierende, die möglicherweise ähnliche Tabletten gekauft haben, zu warnen (Abbildung 13.4). Ereignisse wie diese machen deutlich, dass koordinierte Systeme wie das neue Europäische Drogenwarnsystem der EUDA, mit dem die Vorsorge- und Reaktionsmaßnahmen auf EU- und nationaler Ebene in Bezug auf schwerwiegende drogenbedingte Risiken durch einen raschen Informationsaustausch, gezielte Warnungen und sonstige Risikokommunikation unterstützt wird, erforderlich sind. Angesichts der Entwicklungen auf dem Markt für synthetische Opioide wird die Vorsorgeplanung von großer Bedeutung sein. Dabei kann der Schwerpunkt auf der Stärkung der toxikologischen Kapazitäten und der Warnmeldungssysteme und auf der Förderung der Bereitschaft der Gesundheits- und Sozialdienste vor Ort liegen.
Der zunehmende Stimulanzien-Konsum verdeutlicht Lücken in der Bereitstellung von Schadensminimierungsdiensten
In den letzten zehn Jahren wurden in 7 europäischen Städten in 6 EU-Mitgliedstaaten HIV-Ausbrüche im Zusammenhang mit dem intravenösen Konsum illegaler Stimulanzien dokumentiert. Der Konsum von Stimulanzien wird im Vergleich zum Heroinkonsum mit einer potenziell höheren Injektionshäufigkeit in Verbindung gebracht; zusätzliche Gesundheitsrisiken bergen auch das Zerkleinern und Auflösen von Crack und anderen Tabletten zur Injektion. Um Ausbrüche von Infektionskrankheiten zu verhindern und rasch einzudämmen, ist eine flächendeckende Versorgung mit Schadensminimierungsdiensten erforderlich.
Synthetische Stimulanzien und andere Substanzen werden im Kontext des sexualisierten Drogenkonsums, bekannt als „Chemsex“, von verschiedenen Gruppen, vor allem von einer kleinen Untergruppe von Männern, die Sex mit Männern haben, fallweise konsumiert, um den Sex zu erleichtern und zu verbessern. Die Einbindung dieser Gruppe und die Bereitstellung wirksamer Maßnahmen zur Schadensminimierung stellen eine Herausforderung dar, da es an der Bereitstellung ganzheitlicher Dienste und maßgeschneiderter Interventionen zur Schadensminimierung mangelt und nur begrenzt Erkenntnisse über die Verbreitung dieses Konsumverhaltens vorliegen. Um dieses Problem anzugehen, sind enge behördenübergreifende Partnerschaften zwischen Diensten für sexuelle Gesundheit und Schadensminimierungsdiensten erforderlich.
Unterschiedliche Drogenprobleme verdeutlichen die Notwendigkeit einer Ausweitung von Schadensminimierungsdiensten
Obwohl Cannabis die am häufigsten konsumierte illegale Droge in Europa ist, fehlt es häufig an Empfehlungen und Interventionen zur Schadensminimierung. Cannabisharz und pflanzliches Cannabis weisen in der Regel eine höhere Potenz auf als früher und gehen mit stärkeren akuten und chronischen Gesundheitsschäden einher. Die größere Produktvielfalt – darunter Edibles, E-Liquids und Extrakte – sowie die zunehmende Verfügbarkeit halbsynthetischer Cannabinoide erschweren die Ermittlung und Umsetzung wirksamer Interventionen zur Schadensminimierung in diesem Bereich.
Verschiedene andere Substanzen stellen die Anbieter von Schadensminimierungsdiensten vor zusätzliche Herausforderungen. Dazu gehören die unvorhersehbaren gesundheitlichen Auswirkungen neuer psychoaktiver Substanzen, die in Pulverform auf den Markt kommen oder in E-Liquids zum Vapen verwendet werden. Auch wenn sie schwer zu quantifizieren sind, stellen das potenzielle Risiko einer Blasenschädigung durch Ketaminkonsum sowie das Risiko einer Rückenmarksdegeneration und peripheren Neuropathie aufgrund eines durch die Verwendung von Lachgaspatronen verursachten Vitamin-B12-Mangels neue Herausforderungen in Bezug auf die Schadensminimierung, die Behandlung und die Einbindung entsprechender Versorgungsangebote (z. B. Urologie, Neurologie) dar.
In der Europäischen Union bestehen hinsichtlich der Reichweite von Schadensminimierungsdiensten und des Zugangs zu diesen erhebliche Unterschiede. Die Dienste können in einigen Ländern den geschätzten Bedarf nicht befriedigen. Die sich rasch wandelnden Drogenmärkte, die durch komplexere Konsumgewohnheiten, neue Substanzen und Mischungen sowie Risiken gekennzeichnet sind, die sich auf bestimmte Gruppen oder Umfelder konzentrieren, unterstreichen die Notwendigkeit, Maßnahmen wie Drogenkonsumräume und Drug-Checking-Dienste weiterzuentwickeln und zu evaluieren. Der EUDA-Leitfaden Health and social responses to drug problems: a European guide (Gesundheitliche und soziale Antworten auf Drogenprobleme: ein europäischer Leitfaden) enthält weitere Informationen über Erkenntnisse zu Schadensminimierung und anderen Interventionen.
Wichtige Daten und Trends
Nadel- und Spritzenaustauschprogramme
- Im Jahr 2024 gab es in allen EU-Mitgliedstaaten und Norwegen Nadel- und Spritzenaustauschprogramme. Nur 7 der 25 Länder, für die Daten vorliegen, hatten das WHO-Versorgungsziel bis 2025 im Jahr 2024 erreicht (Abbildung 13.5); nur 4 dieser Länder liefern zudem Daten zur Reichweite der Opioid-Agonisten-Therapie.
Opioid-Agonisten-Therapie
- Im Jahr 2024 hatten von den 22 Ländern, für die Daten vorlagen, 14 das WHO-Versorgungsziel für die Opioid-Agonisten-Therapie für das Jahr 2025 erreicht (Abbildung 13.5); nur 9 dieser Länder liefern zudem Daten zur Reichweite der Programme zur Bereitstellung von Nadeln und Spritzen.
- In Europa wird eine Reihe von Opioid-Agonisten-Arzneimitteln verschrieben: 61 % der Klientinnen und Klienten in einer Opioid-Agonisten-Therapie erhalten Methadon, während weitere 36 % Buprenorphin erhalten.
Programme zur Naloxon-Mitgabe
- Bis 2025 gab es in 19 europäischen Ländern Programme zur Naloxon-Mitgabe (Abbildung 13.6).
- Die Anzahl der über Mitgabe-Programme ausgegebenen Naloxon-Sets wurde für 2024 von 10 der 19 Länder gemeldet, wobei 8 von ihnen einen Anstieg im Vergleich zu 2023 meldeten.
- In 17 dieser Länder wurde Naloxon als Nasenspray eingesetzt, in 7 Ländern kamen injizierbare Naloxon-Präparate zum Einsatz.
- Durchstechflaschen mit injizierbarem Naloxon zu 0,4 mg/1 ml (gemäß der WHO-Liste der unentbehrlichen Arzneimittel) wurden in fünf Ländern eingesetzt: Irland, Spanien, Italien, Litauen und Portugal.
- Naloxon ist in Dänemark, Frankreich, Italien, Schweden und Norwegen rezeptfrei erhältlich.
Drug-Checking-Dienste
- Elf europäische Länder gaben im Jahr 2025 an, eine Form von Drug-Checking-Dienst anzubieten (12 im Jahr 2024). Die Dienste setzen verschiedenen Methoden (Abbildung 13.7) ein und werden in mehreren Settings angeboten, unter anderem auf Festivals, in Drogenkonsumräumen und an festen Standorten in der Gemeinschaft.
Drug-Checking-Methoden, nach zunehmender Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Ergebnisse:
- Mehrere Methoden
(höchste Genauigkeit und Zuverlässigkeit) - Hochleistungsflüssigkeitschromatografie
- Fourier-Transform-Spektroskopie
- Dünnschichtchromatographie
- Reagenzien-Testsatz
(geringste Genauigkeit und Zuverlässigkeit)
Drogenkonsumräume
- Im Jahr 2025 waren in 13 EU-Mitgliedstaaten und Norwegen 100 Drogenkonsumräume in Betrieb (Abbildung 13.8). Das Angebot umfasst betreutes Injizieren, den betreuten Konsum von Stimulanzien (z. B. Rauchen von Crack), Drug-Checking, die Bereitstellung von Hygieneartikeln sowie weitere Formen der gesundheitlichen und sozialen Unterstützung.
Interventionen in Haftanstalten
- Daten der EUDA über Schadensminimierungs- und Behandlungsinterventionen, die 2024 in Haftanstalten verfügbar waren, zeigen, dass in allen EU-Mitgliedstaaten außer einem, nämlich der Slowakei, sowie in Norwegen und der Türkei Kontinuität bei Opioid-Agonisten-Therapien zwischen der Gemeinschaft und den Haftanstalten bestand. In 3 Ländern (Bulgarien, Lettland Slowakei) war die Einleitung einer Opioid-Agonisten-Therapie in Haftanstalten nicht erlaubt. Nadel- und Spritzenaustauschprogramme standen in Haftanstalten in 4 Ländern zur Verfügung: in allen Haftanstalten in Spanien und Luxemburg (1 Haftanstalt), in 10 Haftanstalten in Frankreich und in 1 Haftanstalt für Frauen in Deutschland. Im Jahr 2024 wurde in 10 Ländern (Deutschland, Estland, Irland, Griechenland, Frankreich, Kroatien, Italien, Luxemburg, Slowenien und Norwegen) Naloxon nach der Haftentlassung bereitgestellt. Die Zahl der Länder, die die offizielle Verfügbarkeit ausgewählter Interventionen zur Schadensminimierung melden (Abbildung 13.9), ist im Jahr 2024 im Vergleich zu 2023 gestiegen.
- Im Jahr 2025 haben das ECDC und die EUDA gemeinsam ein Toolkit for the elimination of viral hepatitis in prison(Toolkit zur Eliminierung von viraler Hepatitis in Gefängnissen) eingeführt.
Anzahl der Länder, in denen die Intervention im Jahr 2024 offiziell verfügbar war
Quelldaten
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