Neue psychoaktive Substanzen – die aktuelle Situation in Europa (Europäischer Drogenbericht 2026)

Cover of the European Drug Report 2025: New psychoactive substances

Der Markt für neue psychoaktive Substanzen zeichnet sich durch eine große Zahl neu auf den Markt kommender Substanzen aus, wobei jedes Jahr neue Verbindungen entdeckt werden. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick in Bezug auf neue psychoaktive Substanzen in Europa, ergänzt durch Informationen aus dem EU-Frühwarnsystem über Sicherstellungen und erstmals in Europa entdeckte Substanzen. Zu den erfassten neuen Substanzen gehören synthetische und halbsynthetische Cannabinoide, synthetische Cathinone und neue synthetische Opioide.

Diese Seite ist Teil des Europäischen Drogenberichts 2026, des jährlichen Überblicks der EUDA über die Drogensituation in Europa.

Letzte Aktualisierung: 9. Juni 2026

Rekordmengen und gefährliche neue Substanzen zeigen Gesundheitsrisiken aufgrund von Marktanpassungen auf

Die Besorgnis aufgrund der zunehmenden Verflechtung der Märkte für neue psychoaktive Substanzen und illegale Drogen sowie der einschlägigen maßnahmenbezogenen Herausforderungen – auch was den unbeabsichtigten Konsum betrifft – nimmt weiter zu. Das fünfte Jahr in Folge meldeten die Strafverfolgungsbehörden der EU-Mitgliedstaaten eine Rekordmenge an eingeführten oder sichergestellten neuen psychoaktiven Substanzen an das EU-Frühwarnsystem (55 Tonnen), was die Beharrlichkeit seitens der Drogenproduzenten und Vertriebsnetze widerspiegelt. Es werden weiterhin neue und schädliche Substanzen entwickelt, um gesetzliche Kontrollen zu umgehen. So wurden 2025 50 neue psychoaktive Substanzen erstmals gemeldet. Darüber hinaus wurden 2024 rund 400 bereits zuvor gemeldete neue Substanzen auf dem Markt entdeckt.

Im Allgemeinen sind die Gesundheitsrisiken, die mit dem Konsum dieser neuartigen Verbindungen zusammenhängen, noch kaum erforscht, wenngleich einige davon für die Konsumierenden das Risiko schwerer oder sogar tödlicher Vergiftungen und anderer Gesundheitsprobleme bergen. Gesetzliche Kontrollen und andere Regulierungsmaßnahmen, die in Europa und in Ursprungsländern außerhalb der EU ergriffen wurden, haben zu einem Rückgang der Zahl der jährlich neu auftauchenden psychoaktiven Substanzen beigetragen, was insbesondere auf Substanzen zutrifft, die gezielt bekämpft wurden, wie z. B. Fentanylderivate und synthetische Cannabinoide. Andere Substanzen, die zur Umgehung der Rechtsvorschriften entwickelt werden, sind jedoch nach wie vor auf dem Vormarsch, wobei China und Indien wichtige Ursprungsländer für diese Substanzen oder die zu ihrer Herstellung benötigten Vorläuferstoffe bleiben.

Hochpotente synthetische Cannabinoide in verschiedenen Formen bergen ein Vergiftungsrisiko

Im Jahr 2025 identifizierten die europäischen Länder 27 neue Cannabinoide. Bei 16 davon handelte es sich um halbsynthetische Cannabinoide. Dies entspricht über 50 % der neuen Substanzen, die in diesem Jahr erstmals an das EU-Frühwarnsystem gemeldet wurden.

Gefährdete Bevölkerungsgruppen wie inhaftierte Personen oder Obdachlose sind besonders stark von den Risiken für die öffentliche Gesundheit durch synthetische Cannabinoiden betroffen, die oft hochpotent sind und zu Vergiftungen führen können. Diese Verbindungen können unter falschem Namen verkauft oder zur Verfälschung von Cannabis- und halbsynthetischen Cannabinoidprodukten verwendet werden, wodurch das Vergiftungsrisiko steigt. Auch Cannabis-Edibles, wie z. B. mit Cannabisextrakt angereicherte Süßigkeiten, stellen ein zunehmendes Risiko dar, da sie auf dem illegalen Markt in Europa in immer größerem Ausmaß erhältlich sind.

Nach der Einführung allgemeiner gesetzlicher Kontrollen in China im Juli 2021 ging das Angebot an synthetischen Cannabinoiden auf den europäischen Märkten zurück. Dies führte zu einer deutlichen Verringerung der Verfügbarkeit von dominanten Verbindungen wie MDMB-4en-PINACA und ADB-BUTINACA. Es gibt mittlerweile Anzeichen für eine Verlagerung der Herstellung dieser Substanzen nach Europa in die Nähe der Absatzmärkte. Beispielsweise gibt es Berichte über ausgehobene Produktionslabore (Abbildung 7.1) sowie die Sicherstellung von 148 Kilogramm MDMB-INACA im Jahr 2023, das zur Herstellung verschiedener Cannabinoide, darunter MDMB-4en-PINACA, verwendet werden kann. Im Jahr 2024 wurden in den Niederlanden über 107 Kilogramm MDMB-4en-PINACA in Pulverform und 130 Liter MDMB-4en-PINACA in flüssiger Form sichergestellt.

Abbildung 7.1. Aushebung eines Lagers und eines Labors zur Herstellung synthetischer Cannabinoide in Griechenland, 2023
Aushebung eines Lagers und eines Labors zur Herstellung synthetischer Cannabinoide in Griechenland, 2023

Quelle: griechische Polizei, Zentrale Koordinierungsstelle für Drogenbekämpfung – Nationale Nachrichtendienststelle (SODN-EMP), Staatliches Chemielabor.

Es bestehen zudem Bedenken hinsichtlich der zunehmenden Verfälschung von Cannabis- und CBD-Produkten mit niedrigem THC-Gehalt durch synthetische Cannabinoide, des Wiederaufkommens von „Legal High“-Produkten sowie des vermehrten Konsums von E-Liquids, die diese Substanzen enthalten. Im September 2025 meldete Tschechien gehäufte Vergiftungsfälle im Zusammenhang mit einem neuen synthetischen Cannabinoid, MDMB-PINACA, das in „Legal High“-Produkten verkauft wurde (Abbildung 7.2).

Abbildung 7.2. Produkte, die die synthetischen Cannabinoide MDMB-PINACA und MDMB-4en-PINACA enthalten und mit Vergiftungsfällen in Tschechien im September 2025 in Verbindung stehen

Quelle: tschechischer nationaler Reitox-Knotenpunkt.

Die Anhaltende Verfügbarkeit von halbsynthetischen Cannabinoiden gibt Anlass zu gesundheitlichen Bedenken

Halbsynthetische Cannabinoide sind chemisch modifizierte Formen der Cannabinoide, die in der Cannabispflanze vorkommen. Sie wurden erstmals im Jahr 2022 in Europa gemeldet, als sie als legale Alternativen zu Cannabis und Delta-9-THC vermarktet wurden. Bis Ende 2025 wurden auf den europäischen Drogenmärkten insgesamt 40 halbsynthetische Cannabinoide identifiziert. HHC (Hexahydrocannabinol) war die erste dieser Substanzen, die identifiziert und im Dezember 2025 unter internationale Kontrolle gestellt wurde. Den Kreislauf widerspiegelnd, in dem immer wieder neue Substanzen zur Umgehung gesetzlicher Kontrollen entwickelt werden, sind in Europa nunmehr weitere halbsynthetische Cannabinoide als Ersatz für HHC erhältlich, darunter Hexahydrocannabinolacetat (HHC-Acetat) und Hexahydrocannabiphorol (HHC-P).

Ursprünglich wurden die meisten halbsynthetischen Cannabinoide aus den Vereinigten Staaten eingeführt. Mittlerweile werden sie jedoch auch in Europa hergestellt (Abbildung 7.3). Die Produktion hat sich weiterentwickelt – von CBD-Derivaten aus THC-armen Cannabissorten wie HHC zu offenbar vollständig synthetischen Produkten wie HHC-P.

Abbildung 7.3. Aushebung einer Produktionsstätte für halbsynthetische Cannabinoide durch die rumänische Polizei im Jahr 2023
Semi-synthetic cannabinoids production facility dismantled in 2023 by Romanian police, DIICOT – Iasi Territorial Service, operation ‘Dream Factory’

Quelle: DIICOT – Iași Territorial Service, Operation „Dream Factory“.

Wenngleich die Auswirkungen von halbsynthetischen Cannabinoiden auf den Menschen noch kaum erforscht sind, deuten Berichte darauf hin, dass sie denen von Cannabis ähneln und Nebenwirkungen haben können, die von leichten bis zu schweren Vergiftungen reichen und manchmal eine Behandlung im Krankenhaus erfordern. Einige Länder melden eine steigende Zahl von Vergiftungsfällen im Zusammenhang mit diesen Substanzen. Die pharmakologische Ähnlichkeit von halbsynthetischen Cannabinoiden mit Delta-9-THC gibt Anlass zu Bedenken hinsichtlich ihres Potenzials, psychotische Episoden auszulösen, sowie hinsichtlich ihres Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzials.

Halbsynthetische Cannabinoide sind online und in einigen Ländern auch in physischen Verkaufsstellen erhältlich, darunter Vape-Shops und Geschäfte, die Cannabisprodukte mit niedrigem THC-Gehalt und CBD-Produkte verkaufen. Sie können auch in Bedarfsartikelgeschäften und über Verkaufsautomaten verkauft werden. Bei den wichtigsten Erzeugnissen handelt es sich um aromatisierte Edibles und Vape-Produkte sowie um Cannabis mit niedrigem THC-Gehalt, das mit Cannabinoiden besprüht oder vermischt wurde. Ihre Zugänglichkeit und ihr vermeintlich legaler Status können sowohl erfahrene Cannabiskonsumierende als auch Erstkonsumierende anziehen, darunter möglicherweise auch Kinder und junge Erwachsene. Da Edibles gewöhnlichen Lebensmitteln, insbesondere Süßigkeiten, zum Verwechseln ähnlich sehen, besteht die Gefahr einer versehentlichen Einnahme, vor allem bei Kindern.

Laboranalysen haben ergeben, dass sich Produkte und Chargen hinsichtlich der Art und Konzentration halbsynthetischer Cannabinoide stark unterscheiden können, wobei einige sehr hohe Mengen enthalten. Die Produkte können nicht deklarierte Cannabinoide wie Delta-9-THC oder Delta-8-THC oder neuartige halbsynthetische Verbindungen in hohen Dosen enthalten, die ein Vergiftungsrisiko darstellen können. Insgesamt erhöht sich durch diese Schwankungen und Unvorhersehbarkeiten das Vergiftungsrisiko.

Die rasche Verbreitung von Vapes und Edibles – insbesondere Gummibärchen – ist unter Aspekten der öffentlichen Gesundheit besonders besorgniserregend. Ihre Zugänglichkeit und Attraktivität könnten neue, möglicherweise jüngere Konsumierende anziehen, die sonst kein illegales Cannabis konsumieren würden oder Zugang dazu hätten oder die sonst keine Cannabinoide rauchen wollen würden. Darüber hinaus kann die langsamere Aufnahme von Cannabinoiden aus Edibles und das spätere Einsetzen der ersten Wirkung im Vergleich zum Vaping oder Rauchen dazu führen, dass Konsumierende mehrere Portionen zu sich nehmen und damit toxische Dosen riskieren.

Einfuhr und Produktion führen zum Einzug von synthetischen Cathinonen in illegale Drogenmärkte

Synthetische Cathinone haben sich in einigen Teilen Europas als Ersatz für Stimulanzien wie Amphetamine und Kokain etabliert. Während der unbeabsichtigte Konsum von Drogenmischungen und Tabletten nach wie vor Anlass zur Sorge gibt, könnten einige Konsumierende diese verschiedenen Stimulanzien hinsichtlich ihrer Wirkung als funktional gleichwertig betrachten und sie gezielt als leistbare Alternativen ins Auge fassen. Im Jahr 2025 wurden vier neue Cathinone gemeldet, während im Jahr 2024 zudem 69 bereits bekannte synthetische Cathinone auf dem EU-Drogenmarkt nachgewiesen wurden. Aus Meldungen an das EU-Frühwarnsystem geht hervor, dass N--Ethylnorpentedron (NEP) im Jahr 2025 zunehmend fälschlicherweise als ein anderes Cathinon, nämlich 3-MMC, verkauft wurde, was zu unbeabsichtigtem Konsum und einer Zunahme von Vergiftungsfällen führte.

Die in der Europäischen Union gemeldeten Sicherstellungen und Einfuhren von synthetischen Cathinonen nahmen im Jahr 2024 um 11,5 Tonnen auf 48,5 Tonnen zu, wobei vorläufige Daten darauf hindeuten, dass auch im ersten Halbjahr 2025 weiterhin große Mengen im Umlauf waren. Ein Großteil der gemeldeten Mengen entfiel auf eine geringe Zahl großer Einfuhren aus Indien, die hauptsächlich über die Niederlande abgewickelt wurden. Im Juli 2025 führten die Niederlande allgemeine (allumfassende) gesetzliche Kontrollmaßnahmen für synthetische Cathinone ein, was erhebliche Auswirkungen auf deren Einfuhr haben könnte. 

Angesichts von Hinweisen auf die zunehmende Verfügbarkeit und die damit verbundenen Gesundheitsrisiken führte der Wissenschaftliche Ausschuss der EUDA im Jahr 2025 Risikobewertungen für drei Cathinone durch: für 2-Methylmethcathinon (2-MMC), 4-Bromomethcathinon (4-BMC) und N-Ethylnorpentedron (NEP). Auf der Grundlage dieser Bewertungen hat die Kommission Rechtsvorschriften erlassen, wonach diese Substanzen ab Januar 2026 EU-Drogenkontrollmaßnahmen unterliegen.

Anhaltende große Sicherstellungen von Vorläuferstoffen im Jahr 2024 und die Aushebung von 65 illegalen Laboren lassen darauf schließen, dass die Herstellung synthetischer Cathinone innerhalb der Europäischen Union nach wie vor ein erhebliches Ausmaß hat, insbesondere in Polen (Abbildung 7.4) (siehe auch Drogenangebot, -produktion und Vorläuferstoffe – die aktuelle Situation in Europa). Während 3-MMC, 3-CMC und 2-MMC in den letzten Jahren die vorherrschenden Cathinone waren, können weniger verbreitete und schwer zu überwachende Cathinone wie Alpha-Pyrrolidinoisohexanophenon (Alpha-PHiP, manchmal unter dem Namen „Flakka“ verkauft) lokal Gesundheitsprobleme hervorrufen. Diese kleineren Trends werden von den Gesundheitsbehörden möglicherweise nicht frühzeitig erkannt und können somit ernsthafte Schäden verursachen, bevor sie entdeckt werden.

Abbildung 7.4. Teil einer Sicherstellung von 185 Kilogramm synthetischer Cathinone in einem ausgehobenen Labor zur Herstellung synthetischer Drogen in Pyskowice, Polen, 2024.
People in protective suits work with trays of liquid samples on metal shelves in a laboratory-like setting
Close-up of plastic trays filled with dark liquid containing clumps and crystallized patches

Quelle: Zentrales Ermittlungsbüro der Polizei.

Verfügbarkeit neuer synthetischer Opioide stellt nach wie vor eine potenziell tödliche Gefahr dar

Neue synthetische Opioide sind häufig hochpotent und bergen ein erhöhtes Risiko für lebensbedrohliche Vergiftungen. Seit 2019 werden Fentanylderivate in Europa weitgehend durch Benzimidazol-Opioide („Nitazene“) und in jüngerer Zeit durch Benzimidazolon-Opioide („Orphine“) ersetzt. Im Jahr 2025 wurden dem Frühwarnsystem der EU sieben neue synthetische Opioide offiziell gemeldet, darunter drei Nitazene und drei Orphine. Seit 2019 haben mindestens 21 EU-Mitgliedstaaten ein Nitazen und mindestens 10 haben ein Orphin gemeldet.

Abbildung 7.5. Sicherstellung von gefälschten Oxycodon-Tabletten, die Metonitazen enthielten, in Schweden im Jahr 2023
Flasche mit gefälschten Oxycodon-Tabletten

Quelle: schwedisches Zolllabor.

Seit 2022 werden in einigen europäischen Ländern immer mehr Vergiftungen im Zusammenhang mit Nitazen-Opioiden gemeldet, darunter auch solche mit tödlichem Ausgang. Im Jahr 2024 sank die Menge des in Europa sichergestellten Nitazen-Pulvers auf 7 Kilogramm, während über 5 Kilogramm Pulver, das Orphin-Opioide enthielt, gemeldet wurden. Aufgrund der hohen Wirksamkeit dieser Substanzen reichen bereits winzige Mengen aus, um Dosierungen oder Mischungen für den Endkundenmarkt herzustellen. Über das EU-Frühwarnsystem gehen zunehmend Meldungen über gefälschte Arzneimittel ein, die Nitazen-Opioide enthalten (Abbildung 7.5). Diese Produkte imitieren in der Regel legale verschreibungspflichtige Arzneimittel, insbesondere Oxycodon und – in geringerem Maße – Benzodiazepine wie Diazepam und Alprazolam. Ihr scheinbar authentisches Aussehen könnte bei den Konsumierenden ein falsches Gefühl der Sicherheit hervorrufen. Obwohl diese Tabletten vorwiegend von Hochrisiko-Opioidkonsumierenden eingenommen werden, können sie auch von anderen Gruppen konsumiert werden, etwa von Personen mit chronischen Schmerzen. Es gibt Bedenken, dass sie sich in Bevölkerungsgruppen ohne Opioidtoleranz, darunter auch junge Menschen, ausbreiten könnten. Im Jahr 2024 wurden in 10 Ländern mehr als 50 000 nitazenhaltige Tabletten entdeckt – gegenüber 23 000 im Jahr 2023 und 380 im Jahr 2022. Vorläufige Daten für das Jahr 2025 deuten darauf hin, dass in mindestens sieben EU-Mitgliedstaaten weitere Fälle festgestellt wurden. Darüber hinaus meldete Bulgarien im Zeitraum 2024/2025 mehr als 100 Todesfälle im Zusammenhang mit Fentanyl.

Das von den Taliban seit April 2022 verhängte Verbot des Schlafmohnanbaus in Afghanistan hat zu einer erheblichen Verringerung der Opiumproduktion geführt, jedoch sind die Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Heroin in Europa nach wie vor ungewiss. In einigen Ländern könnten auftretende Versorgungslücken durch neue synthetische Opioide und andere Substanzen geschlossen werden.

Abbildung 7.6. Online fälschlicherweise als Benzodiazepin-Prodrug (Alprazolam-Triazolobenzophenon-Pellets) verkauftes Cychlorphin, Deutschland, September 2025

Quelle: Universitätsklinikum Freiburg.

Angesichts der von China im Juli 2025 eingeführten allgemeinen Kontrollen für Nitazen-Opioide und vorläufiger Erkenntnisse dahingehend, dass diese Maßnahmen die Verfügbarkeit von Nitazen in Europa erheblich einschränken könnten, tauchen neue Opioidfamilien auf, die diese sich abzeichnende Lücke auf dem Opioidmarkt schließen könnten. Ein möglicher Ersatz ist die „Orphin“-Familie von Opioiden: 11 Länder haben den Nachweis von Cychlorphin gemeldet, 6 Länder den Nachweis von Spirochlorphin. Zwischen Juni 2024 und Januar 2026 meldeten 5 EU-Mitgliedstaaten 5 Fälle akuter, nicht tödlicher Vergiftungen und 18 Todesfälle mit bestätigter Exposition gegenüber Orphinen, vorwiegend Cychlorphin (Abbildung 7.6). Estland und Lettland meldeten den injizierenden Konsum beider Substanzen. Für diese Substanzen liegen zwar keine pharmakologischen Daten vor, doch ihre strukturelle Ähnlichkeit mit Brorphin, einem potenten Opioid, deutet darauf hin, dass Atemdepression ein wesentliches Gesundheitsrisiko sein dürfte (siehe auch Heroin und andere Opioide – die aktuelle Situation in Europa).

Diese Entwicklungen verdeutlichen die zentralen Herausforderungen für die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten im Bereich der Vorsorge. Insbesondere müssen nationale Frühwarnsysteme und die damit verbundenen Labornetzwerke stets in der Lage sein, neu auftretende synthetische Opioide wie Orphine zu erkennen und auf diese zu reagieren. Ganz allgemein muss aufgrund der Verfügbarkeit hochpotenter synthetischer Opioide überprüft werden, ob die derzeitigen Ansätze zur Prävention, Behandlung und Schadensminimierung im Zusammenhang mit dem Opioidkonsum weiterhin ihren Zweck erfüllen und ob die bestehenden Systeme genug Kapazität haben, um effektiv zu reagieren (siehe auch Opioid-Agonisten-Therapie – die aktuelle Situation in Europa und Schadensminimierung – die aktuelle Situation in Europa).

Siehe auch den gemeinsamen Bericht der EUDA und von Europol aus dem Jahr 2024 EU Drug Market: New psychoactive substances – In-depth analysis (EU-Drogenmarkt: neue psychoaktive Substanzen– eingehende Analyse) und den Leitfaden der EUDA Health and social responses to drug problems: a European guide (Gesundheitliche und soziale Antworten auf Drogenprobleme: ein europäischer Leitfaden).

Wichtige Daten und Trends

Gemeldete neue psychoaktive Substanzen

  • Ende 2025 hat die EUDA 1 050 neue psychoaktive Substanzen überwacht, von denen 50 im Jahr 2025 zum ersten Mal in Europa gemeldet wurden (Abbildung 7.7 und Tabelle 7.1).
  • 2024 wurden etwa 400 neue psychoaktive Substanzen bei Sicherstellungen entdeckt (Abbildung 7.8).
  • Im Jahr 2025 gingen beim EU-Frühwarnsystem Meldungen von über 27 neuen Cannabinoiden ein, wodurch sich die Gesamtzahl der überwachten Cannabinoide auf 304 erhöhte.
  • Seit 2009 wurden insgesamt 95 neue Opioide auf dem europäischen Drogenmarkt entdeckt, darunter 7 neue Substanzen, die im Jahr 2025 gemeldet wurden, von denen es sich bei 6 um hochpotente neue Opioide (Nitazene (3) und Orphine (3)) handelt, deren Potenz hundert Mal höher sein kann als die von Heroin. Bislang wurden in Europa 25 Nitazene nachgewiesen (Abbildung 7.9).
Abbildung 7.7. Anzahl der dem EU-Frühwarnsystem erstmals gemeldeten neuen psychoaktiven Substanzen, nach Kategorie, 2005-2025
Abbildung 7.8. Anzahl der neuen psychoaktiven Substanzen, die jedes Jahr nach ihrem ersten Nachweis in der Europäischen Union gemeldet wurden, nach Kategorie, 2005-2025
Abbildung 7.9. Anzahl der erstmals an das EU-Frühwarnsystem gemeldeten neuen Opioide, 2009-2025

Sicherstellungen neuer psychoaktiver Substanzen

  • Im Jahr 2024 entfielen auf die EU-Mitgliedstaaten rund 54 600 der 184 000 in der Europäischen Union, Norwegen und der Türkei gemeldeten Fälle von Sicherstellungen oder Einfuhren neuer psychoaktiver Substanzen, was 99,8 % der gemeldeten 55,1 Tonnen (41,4 Tonnen im Jahr 2023) entspricht (Abbildung 7.10). Ursächlich für den Anstieg war eine geringe Anzahl von Sicherstellungen von Cathinonen (2-MMC, NEP) (Abbildung 7.11). Darüber hinaus wurden rund 11 700 Liter Flüssigkeiten, die neue psychoaktive Substanzen enthielten, sichergestellt, hauptsächlich 4- CMC (564 Liter) und H4-CBD (416 Liter).
  • Im Jahr 2024 entfielen fast 90 % der von den EU-Strafverfolgungsbehörden gemeldeten Menge neuer psychoaktiver Substanzen auf nur 5 Substanzen: 4 Cathinone (2-MMC, NEP, 4-CMC und MDPHP, insgesamt 44 Tonnen) sowie HHC (3,2 Tonnen) (Abbildung 7.11).

Abbildung 7.10. Sicherstellungen neuer psychoaktiver Substanzen in der Europäischen Union, 2006-2024

(a) Zahl der Sicherstellungen

Abbildung 7.10. Sicherstellungen neuer psychoaktiver Substanzen in der Europäischen Union, 2006-2024

(b) sichergestellte Menge

Abbildung 7.11. Sicherstellungen neuer psychoaktiver Substanzen in der Europäischen Union: Anteil an der sichergestellten Menge, nach Substanz, 2024

Hinweis: Unter Berücksichtigung aller physikalischen Formen, ausgedrückt in Kilogramm.

  • Im Jahr 2024 meldeten insgesamt 24 Länder die Sicherstellung von 110 Kilogramm synthetischer Cannabinoide (100 Kilogramm im Jahr 2023) und 1 320 Kilogramm halbsynthetischer Cannabinoide als Kräutermaterial (154 Kilogramm im Jahr 2023). Die Menge an sichergestelltem synthetischem Cannabinoidpulver nahm im Jahr 2024 zu; dabei wurden bei einer geringen Anzahl von Sicherstellungen 159 Kilogramm des Materials sichergestellt. Mit 3,2 Tonnen und 200 Litern machte HHC den größten Teil der sichergestellten halbsynthetischen Cannabinoide aus. Auf Edibles und Vape-Produkte, die synthetische oder halbsynthetische Cannabinoide enthalten, entfielen rund 37 % des von 18 Ländern gemeldeten sichergestellten Materials (1,9 Tonnen).
  • Von den Ländern wurden 2024 1 063 Sicherstellungen und 35,5 Kilogramm synthetischer Opioide an das EU-Frühwarnsystem gemeldet – ein Anstieg gegenüber 22 Kilogramm im Jahr 2023. Die Menge der im Jahr 2024 sichergestellten Nitazene ging von 10 auf 7 Kilogramm zurück. Von den gemeldeten Sicherstellungen neuer Opioide enthielten 26 % Metonitazen, 25 % Carfentanil, 22 % Tramadol und 10 % Protonitazen. Insgesamt wurden 35,5 Kilogramm Material sichergestellt, wovon 31 % (11,1 Kilogramm) 2-Methyl-AP-237, 21 % (7,6 Kilogramm) Tramadol und 16 % (5,6 Kilogramm) Spirochlorphin enthielten. Die meisten Sicherstellungen synthetischer Opioide entfielen auf einige wenige Länder: 62 % der Sicherstellungen und 70 % (25,0 Kilogramm) der sichergestellten Menge entfielen auf Deutschland, Estland, Lettland und Litauen.

Prävalenz des Konsums neuer psychoaktiver Substanzen

  • Die nationalen Schätzungen des letztjährigen Konsums neuer psychoaktiver Substanzen (ohne Ketamin und GHB) unter jungen Erwachsenen (15- bis 34-Jährige) reichen von 0,1 % in Lettland und Norwegen bis 2,9 % in Bulgarien. Nationale Schätzungen zum Cathinonkonsum im letzten Jahr unter jungen Erwachsenen (15 bis 34 Jahre) reichen von 0,1 % in Rumänien bis zu 4,4 % in den Niederlanden.
  • Die ESPAD 2024 ergab, dass der Anteil der 15- bis 16-jährigen Schülerinnen und Schülern in der Europäischen Union, die mindestens einmal im Leben neue psychoaktive Substanzen konsumiert hatten, durchschnittlich 2,6 % betrug, wobei die Werte zwischen 0,6 % und 6,4 % lagen. Dieser Lebenszeitkonsum reicht von 0,7 % bis 16 % bei synthetischen Cannabinoiden, von 1,1 % bis 3,7 % bei synthetischen Cathinonen und von 0,6 % bis 2,2 % bei synthetischen Opioiden.
  • In der europäischen Online-Erhebung zu Drogen (European Web Survey on Drugs) 2024, einer nicht repräsentativen Umfrage unter Drogenkonsumierenden, gaben 16 % der Befragten an, in den letzten 12 Monaten neue psychoaktive Substanzen konsumiert zu haben. Von diesen Befragten gaben 21 % an, die Substanzen in der letzten Konsumepisode zusammen mit Cannabis eingenommen zu haben und 15 % zusammen mit MDMA/Ecstasy. Im Hinblick auf die in den letzten 12 Monaten konsumierten Substanzen gaben 14 % der Befragten an, halbsynthetische Cannabinoide konsumiert zu haben, 3 % synthetische Cannabinoide und 9 % synthetische Cathinone. Rund 70 % der Befragten, die neue psychoaktive Substanzen konsumiert hatten, gaben an, die Droge eingenommen zu haben, um „high zu werden oder Spaß zu haben”.
Tabelle 7.1. Meldungen neuer psychoaktiver Substanzen gemäß den Bestimmungen der Verordnung (EU) 2023/1322 und des Rahmenbeschlusses 2004/757/JI des Rates – 2025

Quelldaten

Die Daten, die zur Generierung von Infografiken und Diagrammen auf dieser Seite verwendet wurden, sind nachstehend aufgeführt.

Der vollständige Datensatz der Quelldaten für den Europäischen Drogenbericht 2026, einschließlich Metadaten und methodischer Hinweise, ist in unserem Datenkatalog verfügbar.

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