Opioid-Agonisten-Therapie – die aktuelle Situation in Europa (Europäischer Drogenbericht 2026)

Cover of the European Drug Report 2025: Opioid agonist treatment

Der Anteil der Opioidkonsumierenden an den Klientinnen und Klienten, die eine spezialisierte Drogenbehandlung in Anspruch nehmen, beträgt fast ein Drittel. Die Behandlung mit Opioid-Agonisten ist in diesen Fällen die wichtigste Therapieform bei opioidbedingten Problemen. Auf dieser Seite finden Sie die neuesten Analysen zum Angebot einer Opioid-Agonisten-Therapie in Europa, einschließlich wichtiger Daten zur Reichweite, zur Zahl der in Behandlung befindlichen Personen, zu den Wegen zur Behandlung und mehr.

Diese Seite ist Teil des Europäischen Drogenberichts 2026, des jährlichen Überblicks der EUDA über die Drogensituation in Europa.

Letzte Aktualisierung: 9. Juni 2026

Besserer Zugang zur Behandlung mit Opioid-Agonisten angesichts Europas sich wandelnder Drogenproblematik vonnöten

Opioid-Agonisten-Therapie

Die Opioid-Agonisten-Therapie ist eine bewährte Intervention bei Opioidabhängigkeit. Es wird empfohlen, sowohl innerhalb von Gemeinschaften als auch in Haftanstalten die HIV- und HCV-Übertragung zu verhindern und dazu beizutragen, risikoreiches Injektionsverhalten sowie die Häufigkeit des injizierenden Konsums zu verringern. Darüber hinaus gibt es eindeutige Belege dafür, dass eine Opioid-Agonisten-Therapie dazu beiträgt, Opioidüberdosierungen und bestimmte andere Todesursachen zu verhindern (siehe auch Injizierender Drogenkonsum in Europa – die aktuelle Situation und Drogenbedingte Infektionskrankheiten – die aktuelle Situation in Europa).

Aufgrund der langfristigen Natur der Opioidabhängigkeit macht die Opioid-Agonisten-Therapie in vielen Ländern einen Großteil der in die Drogenbehandlung investierten Mittel aus. Im Jahr 2024 erhielten schätzungsweise 505 000 Menschen in der Europäischen Union eine Opioid-Agonisten-Therapie zur Behandlung opioidbedingter Probleme. Dies entspricht fast einem Drittel der geschätzten 1,76 Millionen Personen, die im gleichen Zeitraum wegen Problemen im Zusammenhang mit dem Konsum illegaler Drogen behandelt wurden.

Der Rahmen, die Formen und der Umfang, in denen die Opioid-Agonisten-Therapien angeboten werden, fallen in den europäischen Ländern unterschiedlich aus. Die Opioid-Agonisten-Therapie wird in erster Linie in ambulantem Rahmen durchgeführt. Dazu gehören spezielle Drogenbehandlungszentren, niedrigschwellige Einrichtungen und Zentren der primären Gesundheitsversorgung, einschließlich hausärztlicher Praxen. In einigen Ländern sind auch flexiblere ambulante Behandlungsmöglichkeiten verfügbar, ebenso wie neue Behandlungsformen, wie z. B. Formulierungen mit verzögerter Freisetzung von Buprenorphin, die es den Klientinnen und Klienten ermöglichen, eine kontinuierliche Opioid-Agonisten-Therapie mit einer einzigen monatlichen Injektion oder einem subkutanen Implantat zu erhalten. Neueste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass diese Behandlungsform dazu beitragen kann, den Konsum von Opioiden sowie polyvalenten Konsum zu reduzieren, die Abzweigung von Opioid-Agonisten-Arzneimitteln in Haftanstalten zu verhindern, den Druck auf die verschreibenden Ärztinnen und Ärzte durch eine Verringerung der erforderlichen Besuche pro Klientin bzw. Klient zu mindern und möglicherweise auch die Ausweitung der Versorgung auf ländliche oder abgelegene Gebiete zu fördern.

Reichweite, Verfügbarkeit und neue Bedrohungen

Was die Verfügbarkeit von Behandlungsangeboten angeht, zeigt sich in den EU-Mitgliedstaaten ein uneinheitliches Bild: Während einige Länder eine Verbesserung des Zugangs zu Opioid-Agonisten-Therapien melden, melden andere eine Verschlechterung. Die begrenzte Datenverfügbarkeit behindert jedoch weiterhin eine umfassende Analyse des Angebots und der Kapazitäten auf EU-Ebene. Nichtsdestoweniger zeigen die verfügbaren Informationen, dass in einigen EU-Mitgliedstaaten, die eine hohe Prävalenz von hochriskantem Opioidkonsum melden, das Angebot an Opioid-Agonisten-Therapien nach wie vor unzureichend ist und unter dem von der WHO empfohlenen Mindestmaß liegt (siehe Wichtige Daten und Trends). In einigen dieser Länder wurde der Konsum potenter neuer synthetischer Opioide sowie eine hohe Zahl von Drogenüberdosierungen festgestellt (siehe Drogenbedingte Todesfälle – die aktuelle Situation in Europa). Im Jahr 2025 führte die EUDA eine Bewertung der Bedrohungslage im Zusammenhang mit der zunehmenden Verfügbarkeit, dem Konsum und den Schäden in Bezug auf hochpotente synthetische Opioide im Baltikum durch. Diese ergab, dass der Zugang zur Behandlung durch Stigmatisierung, administrative Hindernisse und eine unzureichende Anpassung der Opioid-Agonisten-Therapie an die Bedürfnisse der Konsumierenden synthetischer Opioide erschwert wurde. Der Zugang zur Opioid-Agonisten-Therapie sowie die geografische Reichweite müsse laut der Bewertung ausgeweitet werden.

Der polyvalente Konsum und die Verfügbarkeit potenter neuer synthetischer Opioide auf den lokalen Drogenmärkten können die Risiken des Opioidkonsums erhöhen. Aktuelle Daten des ESCAPE-Netzwerks aus der Analyse von Spritzenresten zeigen, dass in einigen Städten neben Heroin auch eine Reihe hochpotenter neuer synthetischer Opioide, darunter Fentanyl, Carfentanil, Nitazene und Orphine, injiziert werden. In Ländern und Städten, in denen diese neuen synthetischen Opioide möglicherweise dauerhaft verfügbar sind, sollten weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um festzustellen, ob Anpassungen notwendig sind, um weiterhin ein optimales Angebot an Opioid-Agonisten-Therapien zu gewährleisten. Darüber hinaus sollten – insbesondere mittels randomisierter kontrollierter Studien – der Nutzen und die Wirksamkeit neuer Behandlungsmodalitäten und pharmazeutischer Präparate ermittelt werden.

Sich wandelnde Anforderungen und Herausforderungen in Bezug auf Dienste

Da es sich bei der Opioidabhängigkeit um eine chronische, von Rückfällen gekennzeichnete Erkrankung handelt, durchlaufen Betroffene oft mehrere Behandlungsepisoden und benötigen unter Umständen eine Kombination verschiedener Maßnahmen, damit die Behandlung wirksam ist. Zudem leiden viele Personen mit Opioidabhängigkeit unter begleitenden psychischen und körperlichen Gesundheitsproblemen sowie sozialen Problemen, was einen zusätzlichen Bedarf an Hilfsangeboten mit sich bringt und die Bedeutung einer ganzheitlichen Betreuung unterstreicht.

Die Langfristigkeit von Opioidproblemen wird durch die verfügbaren Daten über die Merkmale der Personen, die eine Opioid-Agonisten-Therapie erhalten, bestätigt. Die Daten deuten außerdem darauf hin, dass die Kohorte der Personen mit heroinbedingten Problemen in Europa immer älter wird. Mehr als 70 % der Klientinnen und Klienten, die eine Opioid-Agonisten-Therapie erhalten, sind nun 40 Jahre oder älter, während 5 % unter 30 Jahre alt sind. Zwischen dem Durchschnittsalter beim ersten Konsum mit 24 Jahren und der ersten Behandlung mit 38 Jahren liegt ein Zeitabstand von 14 Jahren. Dies hat Auswirkungen auf die Diensterbringung und die Kosten, da die Anbieter nun auf einen komplexeren gesundheitlichen Versorgungsbedarf bei zunehmend gefährdeten und marginalisierten Klientinnen und Klienten eingehen müssen. Es ist notwendig, wirksame Vermittlungswege zu allgemeinen Diensten wie etwa der geriatrischen Pflege sicherzustellen, die Behandlungen für andere mit dem Alterungsprozess verbundene Erkrankungen anbieten, da der Konsum illegaler Drogen, aber auch der Tabak- und Alkoholkonsum, langfristige Auswirkungen haben. Zu den weiteren komplexen Problemen dieser Klientinnen und Klienten zählen psychische Probleme, soziale Isolation sowie Schwierigkeiten in Bezug auf Beschäftigung und die Wohnsituation. Die Entwicklung ganzheitlicher, multidisziplinärer und altersspezifischer Betreuungsangebote für diese Gruppe bleibt ein zentraler Schwerpunkt für politische Maßnahmen und die Diensterbringung. 

Eine weitere Herausforderung für die Bereitstellung von Behandlungen besteht darin, dass in einigen Ländern jüngere Personen mit Opioidproblemen nur eingeschränkten Zugang zu einer Opioid-Agonisten-Therapie haben. Zu den Hindernissen für den Zugang zu Diensten können regulatorische Einschränkungen und das Stigma gehören, das mit dem potenziell langfristigen Charakter einer Behandlung verbunden ist. Dieses Problem ist insbesondere im Zusammenhang mit polyvalentem Substanzenkonsum und dem Auftreten neuer synthetischer Opioide in Europa von Bedeutung. Darüber hinaus gibt es Bedenken, dass möglicherweise eine vielfältigere Gruppe von Personen entsteht, die dem Risiko einer Opioidabhängigkeit und den damit verbundenen Schäden ausgesetzt ist, was auf die zunehmende Verfügbarkeit opioidhaltiger Tabletten auf einigen lokalen Drogenmärkten zurückzuführen ist. So hat Dänemark beispielsweise im Jahr 2024 einen interministeriellen Aktionsplan mit dem Titel „Youth without Opiods“ (Jugend ohne Opioide) ins Leben gerufen, um dem steigenden Konsum opioidhaltiger Tabletten unter Jugendlichen entgegenzuwirken. Der Plan umfasste Maßnahmen in verschiedenen Politikbereichen, darunter verstärkte Präventionsinitiativen, eine engmaschigere Überwachung und verschärfte Zollkontrollen, Fortbildungen für Ärztinnen und Ärzte im Bereich der Opioid-Agonisten- und Entzugstherapien sowie Bemühungen zur Verbesserung des Zugangs zu Behandlungsangeboten.

Weitere Informationen zu den gesundheitlichen und sozialen Maßnahmen in Bezug auf den Opioidkonsum, auch bei älteren Menschen, finden Sie im Leitfaden der EUDA Health and social responses to drug problems: a European guide (Gesundheitliche und soziale Antworten auf Drogenprobleme: ein europäischer Leitfaden).

Wichtige Daten und Trends

Anzahl der Personen in Opioid-Agonisten-Therapie

  • Insgesamt erhielten im Jahr 2024 rund 60 % der geschätzten 855 000 Hochrisiko-Opioidkonsumierenden in der Europäischen Union eine Opioid-Agonisten-Therapie. Das sind schätzungsweise 505 000 Personen (517 000 einschließlich Norwegens und der Türkei) (Abbildung 12.1). Unvollständige Daten schränken unsere Fähigkeit ein, die Zahl der Hochrisiko-Opioidkonsumierenden und den Anteil der Personen, die eine Opioid-Agonisten-Therapie erhalten, zu schätzen und Trendanalysen durchzuführen.
  • Die Zahl der Personen, die eine Opioid-Agonisten-Therapie erhielten, stieg zwischen 2019 und 2024 in 10 EU-Mitgliedstaaten an, darunter in Finnland (um 114 %), Polen (42 %), Dänemark (18 %) und Estland (10 %).
  • In einigen Ländern, in denen Schätzungen zufolge eine erhebliche Zahl von Hochrisiko-Opioidkonsumierenden zu verzeichnen ist, wie Lettland und Litauen, ist das Angebot nach wie vor gering und unzureichend (Abbildung 12.2). In Bulgarien und Rumänien ist es rückläufig.
Abbildung 12.1. Klientinnen und Klienten in Opioid-Agonisten-Therapie
 

Hinweis: Die Daten zur Altersverteilung basieren auf 13 Ländern, auf die 41 % (209 000) aller registrierten Klientinnen und Klienten in der Europäischen Union entfallen. Die Daten zur Geschlechterverteilung basieren auf 18 Ländern, auf die 28 % (141 000) aller registrierten Klientinnen und Klienten entfallen. Die Daten zur Behandlungsdauer basieren auf sechs Ländern, auf die 5 % aller registrierten Klientinnen und Klienten (26 000) entfallen.
Verteilung der Klientinnen und Klienten in Opioid-Agonisten-Therapie nach Art der Medikation: SROM ist orales Morphin in Retardform (mit langsamer Wirkstofffreisetzung) und DHC ist Dihydrocodein.

Abbildung 12.2. Reichweite der Opioid-Agonisten-Therapie (in Prozent) im Jahr 2024 oder im aktuellsten Jahr
 

Hinweis: Der Versorgungsgrad wird definiert als der Anteil der Opioidkonsumierenden, die die Therapie erhalten. Die Daten werden als Punktschätzungen mit den entsprechenden Unsicherheitsintervallen dargestellt.

Behandlungswege

  • Nach wie vor finden die meisten Personen aus eigenem Antrieb den Weg in die spezielle Drogenbehandlung für Opioidkonsumierende. Auf diese Form der Vermittlung, die auch das Anraten von Familienangehörigen oder dem Freundeskreis umfasst, entfielen im Jahr 2024 rund zwei Drittel (65 %) der Klientinnen und Klienten, die sich in Europa in eine spezielle Drogenbehandlung begeben haben. Fast ein Viertel (24 %) der Klientinnen und Klienten wurden von Gesundheits-, Bildungs- und Sozialdiensten, einschließlich anderer Drogenbehandlungszentren, vermittelt, während 7 % vom Strafjustizsystem vermittelt wurden.

Arzneimittel für die Opioid-Agonisten-Therapie

  • Für das Jahr 2024 meldeten 25 Länder die Ausgabe von mehr als einem Arzneimittel für die Opioid-Agonisten-Therapie. Methadon ist das am häufigsten verschriebene Arzneimittel und wird europaweit an mehr als die Hälfte (61 %) der Klientinnen und Klienten, die sich einer Opioid-Agonisten-Therapie unterziehen, ausgegeben. Weitere 36 % werden mit Arzneimitteln auf Basis von Buprenorphin behandelt, dem Hauptarzneimittel, das Berichten zufolge in 9 Ländern angewendet wird. Andere Substanzen, einschließlich Morphin in Retardform (mit langsamer Wirkstofffreisetzung) oder Diacetylmorphin (Heroin), werden seltener verschrieben – in Europa werden sie zusammen von 3 % der Klientinnen und Klienten in Opioid-Agonisten-Therapie eingenommen. Im Jahr 2024 meldeten drei Länder Klientinnen und Klienten in heroingestützter Behandlung.
  • Sechs Länder meldeten den Einsatz neuerer Buprenorphin-Präparate: eine Lösung zur Injektion mit verzögerter Freisetzung und ein subkutanes Implantat.

Quelldaten

Die Daten, die zur Generierung von Infografiken und Diagrammen auf dieser Seite verwendet wurden, sind nachstehend aufgeführt.

Der vollständige Datensatz der Quelldaten für den Europäischen Drogenbericht 2026, einschließlich Metadaten und methodischer Hinweise, ist in unserem Datenkatalog verfügbar.

Nachstehend finden Sie einen Teilsatz dieser Daten, der zur Generierung von Infografiken, Diagrammen und ähnlichen Elementen auf dieser Seite verwendet wird.


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