Sonstige Drogen – die aktuelle Situation in Europa (Europäischer Drogenbericht 2026)
Neben den bekannteren Substanzen, die auf dem illegalen Drogenmarkt erhältlich sind, wird in Europa eine Reihe weiterer Substanzen mit halluzinogener, betäubender, dissoziativer oder dämpfender Wirkung konsumiert: Lysergsäurediäthylamid (LSD), halluzinogene Pilze, Ketamin und Gamma-Hydroxybutyrat (GHB). Auf dieser Seite finden Sie die neuesten Analysen in Bezug auf diese Substanzen in Europa, einschließlich Sicherstellungen, Prävalenz und Konsummuster, Behandlungsaufnahme, Schäden und mehr.
Diese Seite ist Teil des Europäischen Drogenberichts 2026, des jährlichen Überblicks der EUDA über die Drogensituation in Europa.
Letzte Aktualisierung: 9. Juni 2026
Anzeichen für Schäden durch gelegentlich konsumierte Drogen verweisen auf Herausforderungen bei der Überwachung
Neben den bekannten illegalen Substanzen, die auf den Drogenmärkten erhältlich sind, wird in Europa eine Reihe anderer Drogen mit stimulierender, halluzinogener, betäubender, dissoziativer oder dämpfender Wirkung konsumiert: LSD (Lysergsäurediethylamid), halluzinogene Pilze, Ketamin und GHB (Gamma-Hydroxybutyrat). Einige dieser Substanzen sind in bestimmten Ländern, Städten oder Bevölkerungsgruppen fest etabliert, doch ist ihre relative Prävalenz im Vergleich zu anderen illegalen Drogen möglicherweise nach wie vor gering. Die derzeitigen Überwachungsansätze sind allerdings oft wenig geeignet, um Muster und Trends beim Konsum dieser weniger bekannten Substanzen zu erkennen. Dies macht es schwierig, fundierte Aussagen zur Prävalenz des Konsums und zu den damit verbundenen Schäden zu treffen.
Die Einführung von Ketamin auf den Drogenmärkten schafft Herausforderungen in Bezug auf Schadensminimierung und Behandlung
Ketamin ist auf einigen nationalen Drogenmärkten durchgängig erhältlich und könnte sich in einigen Milieus zu einer Droge erster Wahl entwickelt haben. Es wird auch in Kombination mit anderen Substanzen (z. B. Alkohol und Stimulanzien) konsumiert. So war beispielsweise Kokain jene Substanz, die im Jahr 2024 bei akuten Vergiftungsfällen in Sentinel-Krankenhäusern des Euro-DEN-Netzwerks am häufigsten in Verbindung mit Ketamin genannt wurde.
Ketamin wird in der Regel geschnupft und ist mit dosisabhängigen akuten und chronischen Gesundheitsschäden wie urologischen Komplikationen verbunden, insbesondere mit Blasenschäden bei intensivem Konsum.
Ketamin wird zudem zusammen mit anderen Stimulanzien Drogenmischungen wie „Pink Cocaine“ oder „Tucibi“ beigemengt. Daten von Drug-Checking-Diensten deuten jedoch darauf hin, dass die Kombination von Ketamin mit anderen Drogen oft beabsichtigt ist, da die Mehrheit (83 %) der im Jahr 2025 getesteten Ketaminproben ausschließlich die beabsichtigte Substanz enthielt.
Die Verfügbarkeit von Ketamin wird durch gut etablierte Lieferwege gewährleistet. Im Jahr 2024 kam es in der gesamten Europäischen Union zu Sicherstellungen von Ketamin, hauptsächlich in Pulverform. Diese Sicherstellungen erfolgten jedoch häufiger in Spanien und in größeren Mengen in Deutschland, auf die mehr als drei Viertel der gemeldeten Menge entfielen. In einer aktuellen Lagebeurteilung der EUDA wird bestätigt, dass der Großteil des in Europa sichergestellten Ketamins aus legaler Produktion in Indien stammt und in großen Mengen in EU-Mitgliedstaaten, hauptsächlich nach Deutschland, eingeführt und dann auf den illegalen Markt in Europa abgezweigt und auch ausgeführt wird. Die Ketaminproduktion in Europa ist nach wie vor begrenzt, auch wenn gelegentlich Anlagen – eher für die Kristallisation als die Synthese – gelegentlich ausgehoben werden. Der Diebstahl und die Abzweigung von Ketamin-Arzneimitteln spielen auf dem illegalen Markt nur eine untergeordnete Rolle.
Der Zugang und die Überweisung zu einer passenden therapeutischen Versorgung stellen für Personen mit ketaminbedingten Gesundheitsproblemen nach wie vor eine Herausforderung dar. Die Zahl der Klientinnen und Klienten, die sich wegen Problemen im Zusammenhang mit Ketaminkonsum in Behandlung begeben haben, ist nach wie vor gering. Allerdings hat sich diese Zahl in den letzten fünf Jahren von 413 im Jahr 2019 gemeldeten Fällen auf 1 796 im Jahr 2024 vervierfacht. Der Großteil dieser Fälle wird aus sechs Ländern gemeldet (Belgien, Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien, Niederlande), was wahrscheinlich auf eine bessere Verfügbarkeit von Ketamin in einigen Teilen Europas und begrenzte Behandlungsmöglichkeiten in anderen Regionen zurückzuführen ist. Personen, bei denen urologische Probleme aufgetreten sind, sind in den Daten zu Drogenbehandlungen möglicherweise nur unzureichend erfasst. In den Niederlanden, wo von 2022 bis 2024 ein geringer, aber stetiger Anstieg ketaminbedingter urologischer Probleme zu verzeichnen war, wurde eine Ambulanz eingerichtet, die sich auf die Behandlung von Patienten spezialisiert hat, die unter den Folgen eines chronischen, intensiven Ketaminkonsums leiden.
Die Verfügbarkeit neuer Benzodiazepine führt zu Risiken für die öffentliche Gesundheit
Nicht kontrollierte und neue Benzodiazepine sind weiterhin in mehr als zwei Dritteln der europäischen Länder erhältlich. Zwischen 2007 und 2025 wurden insgesamt 40 neue Benzodiazepine an das EU-Frühwarnsystem gemeldet (Abbildung 8.1), von denen 28 im Jahr 2024 in 22 EU-Mitgliedstaaten und Norwegen auf dem Drogenmarkt auftauchten (siehe Neue psychoaktive Substanzen – die aktuelle Situation in Europa). Aufgrund der Herausforderungen bei der Überwachung ist es schwierig, gesicherte Aussagen über das Ausmaß des Konsums zu treffen.
Das scheinbar seriöse Erscheinungsbild gefälschter Arzneimittel kann bei Konsumierenden ein falsches Gefühl der Sicherheit hinsichtlich ihres Konsums hervorrufen. In einigen Ländern sind Benzodiazepine auf dem illegalen Markt leicht erhältlich (siehe Abbildung 8.2) und werden weiterhin mit gehäuften Fällen von Vergiftungen und Überdosierungen in Verbindung gebracht, die schnell eskalieren können, wobei gefährdete Bevölkerungsgruppen einem unverhältnismäßig hohen Risiko ausgesetzt sein können. In Irland kam es beispielsweise im Jahr 2024 zu drei Fällen von Vergiftungen und Überdosierungen in Gefängnissen, darunter ein Vorfall im Zusammenhang mit einem neuen Benzodiazepin (Clobromazolam). In den beiden anderen Fällen handelte es sich um hochpotente Nitazen-Opioide, die fälschlicherweise als Heroin und Benzodiazepine verkauft wurden.
Hinweis: Sicherstellung im Oktober 2024 während der „Operation Citizen“ durch das Dublin Crime Response Team, Garda Síochána (Polizei), Irland. Der Wert der sichergestellten Tabletten wird auf 1,9 Millionen Euro geschätzt.
Überdosierungen mit neuen synthetischen Opioiden können mit Naloxon behandelt werden. Bei Überdosierungen mit Benzodiazepinen ist jedoch ein anderes Gegenmittel erforderlich, das in der Regel nur in medizinischen Einrichtungen verabreicht wird und unter Umständen einen Krankenhausaufenthalt erforderlich macht, wie es in Irland der Fall war. Ein längerer Konsum von Benzodiazepinen kann zu Abhängigkeit führen, und die Entzugserscheinungen können lebensbedrohlich sein. Bei den Personen, die sich in Europa in Behandlung begaben, meldete Irland die höchste Zahl (1 711) an Personen, die Benzodiazepine als ihre Hauptproblemdroge nannten. In Finnland und Litauen gaben 10 % oder mehr Personen, die sich in Behandlung begaben an, Benzodiazepine einzunehmen.
Wichtige Daten und Trends
Prävalenz und Konsummuster anderer Drogen
- Aus jüngsten nationalen Erhebungen geht hervor, dass in der Gruppe der jungen Erwachsenen (15-34 Jahre) im letzten Jahr die Prävalenz für LSD schätzungsweise bei 1 % oder weniger lag. Zu den Ausnahmen bei LSD gehören Estland (2,3 % im Jahr 2023, 16-34 Jahre), Frankreich (1,6 % im Jahr 2023, 18-34 Jahre), Deutschland (1,4 % im Jahr 2024, 18-34 Jahre), Lettland (1,4 % im Jahr 2020), Finnland (1,3 % im Jahr 2022), die Niederlande und Dänemark (beide 1,1 % in den Jahren 2024 und 2023).
- Zu den Ländern, die im vergangenen Jahr Prävalenzschätzungen für den Konsum halluzinogener Pilze bei jungen Erwachsenen von über 1 % gemeldet haben, gehören Tschechien (2,7 % im Jahr 2024), Finnland (2,7 % im Jahr 2022), Estland (2,6 % im Jahr 2023, 16-34 Jahre), die Niederlande (2,5 % im Jahr 2024), Norwegen (2,3 % im Jahr 2024, 16-34 Jahre), Irland (2,0 % im Jahr 2023), Frankreich (2,0 % im Jahr 2023, 18-34 Jahre), Dänemark (1,7 % im Jahr 2023, 16-34 Jahre) und Deutschland (1,2 % im Jahr 2024, 18-34 Jahre).
- Die jüngsten Schätzungen zur Prävalenz des Ketaminkonsums unter jungen Erwachsenen (15-34 Jahre) in den letzten zwölf Monaten reichen von 0,3 % in Rumänien (2024) bis zu 3,1 % in den Niederlanden (2024).
- Die ESPAD 2024 ergab, dass der Lebenszeitkonsum von LSD und anderen Halluzinogenen unter den 15- bis 16-jährigen Schülerinnen und Schülern in der Europäischen Union durchschnittlich 1,8 % betrug, wobei die Werte zwischen 0,7 % und 6,8 % lagen. Der durchschnittliche Lebenszeitkonsum von GHB lag bei 1 % und reichte von 0,3 % bis 3,4 %.
- In der europäischen Online-Erhebung zu Drogen (European Web Survey on Drugs) im Jahr 2024, einer nicht repräsentativen Umfrage unter Drogenkonsumierenden, gaben von den Befragten, die in den letzten 12 Monaten Drogen konsumiert hatten, 18 % an, halluzinogene Pilze konsumiert zu haben, 14 % Ketamin, 10 % LSD oder andere Halluzinogene und 3 % Gamma-Hydroxybutyrat (GHB) bzw. Gamma-Butyrolacton (GBL) und „Tucibi“.
- Im Jahr 2025 meldeten 113 Städte in 23 EU-Mitgliedstaaten, Norwegen und der Türkei im Vergleich zu anderen Substanzen relativ niedrige Konzentrationen an Ketaminrückständen im kommunalen Abwasser (Abbildung 8.3). Von den 66 Städten in 21 Mitgliedstaaten, für die Daten für 2024 und 2025 vorliegen, verzeichneten 40 einen Anstieg (um mindestens 10 %) und 12 einen Rückgang. In 14 Städten waren die Ketaminrückstände relativ unverändert.
Erstmalige Behandlungsaufnahme von Ketaminkonsumierenden
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Die Zahl der Klienten, die sich wegen ketaminbedingter Probleme in Behandlung begeben, ist in den letzten Jahren gestiegen – von 413 im Jahr 2019 auf geschätzte 1 796 im Jahr 2024.
Schäden im Zusammenhang mit dem Konsum sonstiger Drogen
- GHB/GBL war die fünfthäufigste Droge, die von den 29 Krankenhäusern des Euro-DEN-Plus-Netzwerks in 21 EU-Mitgliedstaaten und Norwegen im Jahr 2024 gemeldet wurde. Insgesamt wurde sie im Jahr 2024 von 17 Notaufnahmen in 12 EU-Mitgliedstaaten und Norwegen gemeldet. Die Droge spielte schätzungsweise bei 1 % der Fälle (Median) in den 29 Krankenhäusern eine Rolle. Die höchsten Anteile von GHB/GBL-Fällen wurden von Krankenhäusern in Oslo (49 %), Utrecht (32 %), Amsterdam (18 %), Barcelona (17 %), Gent (13 %) und Ljubljana (12 %) gemeldet (Abbildung 8.4). Insgesamt wurde bei 9 % aller Notfälle GHB/GBL genannt.
- Im Jahr 2024 wurde Ketamin von 18 Krankenhäusern des Euro-DEN Plus-Netzwerks in 13 EU-Mitgliedstaaten und Norwegen gemeldet und spielte bei schätzungsweise 1,3 % der Notfälle (Median) in den 29 teilnehmenden Krankenhäusern eine Rolle. Ketaminkonsum wurde bei 4 % aller Notfälle gemeldet.
Marktdaten für sonstige Drogen
- Im Jahr 2024 wurden in Europa fast 4 100 Sicherstellungen von LSD in einer Menge von 214 000 Einheiten und etwa 24,36 Kilogramm gemeldet (Tabelle 8.1). Achtzehn Länder meldeten 1 025 Sicherstellungen von halluzinogenen Pilzen in einer Menge von 42,3 Kilogramm. Sechzehn Länder meldeten 136 Sicherstellungen von DMT (Dimethyltryptamin) in einer Menge von 92,4 Kilogramm und 2,2 Litern.
- Im Jahr 2024 beliefen sich die an das EU-Frühwarnsystem gemeldeten Sicherstellungen von Ketamin auf 1,6 Tonnen Pulver (2,7 Tonnen im Jahr 2023), wobei 77 % der Gesamtmenge auf Deutschland entfielen. Die Mengen bei den Sicherstellungen von Ketamin schwanken seit 2017, liegen aber stets über 0,5 Tonnen (Abbildung 8.5), während sich die Zahl der Sicherstellungen von Ketamin vervierfacht hat (Abbildung 8.6).
- Im Jahr 2024 wurde in der Europäischen Union ein Ketaminlabor ausgehoben (6 im Jahr 2023). Meist findet in solchen Laboren die Kristallisation von Ketaminpulver in großen Mengen statt.
- Drug-Checking-Dienste in 7 EU-Mitgliedstaaten meldeten zwischen 2023 und 2025 einen Anstieg der als Ketamin eingereichten Proben um fast das Dreifache – von 652 auf 1 587. Der Anteil der Proben, die ausschließlich die erwartete Substanz ohne Verfälschungsmittel enthielten, blieb mit etwa 82 % (1 306) im Jahr 2025 in 8 EU-Mitgliedstaaten bei 10 Drug-Checking-Diensten verglichen mit 83 % (544) im Jahr 2023 stabil.
- Fünfzehn europäische Länder meldeten annähernd 1 500 Sicherstellungen von GHB oder deren Vorläuferstoff GBL, und zwar in einer Menge von 34,9 Kilogramm und 455 Litern.
- Im Jahr 2024 meldeten die EU-Mitgliedstaaten 828 Sicherstellungen neuer Benzodiazepine an das EU-Frühwarnsystem, was etwa 1,4 % der Gesamtzahl der Sicherstellungen neuer psychoaktiver Substanzen entspricht. Von den 40 neuen Benzodiazepinen, die jemals an das Frühwarnsystem gemeldet wurden, wurden 27 im Jahr 2024 in 22 EU-Mitgliedstaaten und Norwegen sichergestellt.
Weitere Informationen finden Sie im gemeinsamen Bericht der EUDA und von Europol EU Drug Market: In-depth analysis (EU-Drogenmarkt: eingehende Analyse) und im Leitfaden der EUDA Health and social responses to drug problems: a European guide (Gesundheitliche und soziale Antworten auf Drogenprobleme: ein europäischer Leitfaden).
Quelldaten
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Der vollständige Datensatz der Quelldaten für den Europäischen Drogenbericht 2026, einschließlich Metadaten und methodischer Hinweise, ist in unserem Datenkatalog verfügbar.
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