Drogenbedingte Todesfälle – die aktuelle Situation in Europa (Europäischer Drogenbericht 2025)

Cover of the European Drug Report 2025: Drug-induced deaths

Die Schätzung der drogenbedingten Mortalität ist für das Verständnis der Auswirkungen des Drogenkonsums auf die öffentliche Gesundheit und der möglichen Veränderungen im Laufe der Zeit von entscheidender Bedeutung. Auf dieser Seite finden Sie die neuesten Analysen zu den drogenbedingten Todesfällen in Europa, einschließlich wichtiger Daten zu Todesfällen durch Überdosierung, den betreffenden Substanzen und mehr. 

Diese Seite ist Teil des Europäischen Drogenberichts 2025, des jährlichen Überblicks der EUDA über die Drogensituation in Europa.

Letzte Aktualisierung: 5. Juni 2025

Die Verbesserung der Maßnahmen zur Bekämpfung der drogenbedingten Mortalität erfordert einen besseren Einblick in die Faktoren, die die Entwicklungen beeinflussen

Die Schätzung der drogenbedingten Mortalität ist für das Verständnis der Auswirkungen des Drogenkonsums auf die öffentliche Gesundheit und der möglichen Veränderungen im Laufe der Zeit von entscheidender Bedeutung. Ebenso wichtig für die Entwicklung wirksamer Maßnahmen ist das Verständnis der Faktoren, welche die Trends in diesem Bereich begünstigen. Trotz Verbesserungen in den letzten zehn Jahren verfügen wir noch über zu wenige Informationen, was die Entwicklung von Strategien als auch von Maßnahmen behindert.

Der Begriff „drogenbedingte Todesfälle“ wird für einen Indikator verwendet, mit dem die Todesfälle erfasst werden sollen, die direkt auf den Drogenkonsum zurückzuführen sind und mitunter auch als „Todesfälle durch Überdosierung“ bezeichnet werden. Es sei darauf hingewiesen, dass die Schätzungen der drogenbedingten Todesfälle nur einen Teil der Gesamtmortalität im Zusammenhang mit dem Drogenkonsum darstellen, da die Mortalität aufgrund von Kraftfahrzeug- und anderen Unfällen, Gewalt, Selbstmord durch andere Mittel als Drogenvergiftung oder chronischen Krankheiten, bei denen der Drogenkonsum eine Rolle gespielt haben könnte, nicht berücksichtigt werden. Daher müssen wir unser Verständnis dieser anderen wichtigen Bereiche der drogenbedingten Mortalität durch Kohortenstudien und andere Ansätze erweitern.

Trotz dieser Einschränkungen ist die Bewertung der drogenbedingten Todesfälle nach wie vor für das Verständnis der Schäden wichtig, die der Konsum illegaler Drogen verursachen kann, jedoch kann sich die Auslegung aufgrund von Problemen im Zusammenhang mit der Methodik, Datenverfügbarkeit und Qualität als schwierig herausstellen. Dies gilt insbesondere für die Auslegung der jüngsten Trends bei drogenbedingten Todesfällen, bei denen nur für 21 der 29 von diesem Indikator erfassten Länder Daten für das aktuellste Berichtsjahr (2023) vorliegen und daher für eine Gesamtschätzung auf EU-Ebene geschätzte Werte berechnet werden müssen. Angesichts der Geschwindigkeit, mit der neue Drogenbedrohungen auftreten können, besteht eine wichtige Priorität für die Zukunft darin, die Aktualität und Vollständigkeit der Daten in diesem Bereich zu verbessern.

Es sei auch darauf hingewiesen, dass die Zahlen der ermittelten drogenbedingten Todesfälle aus methodischen Gründen wahrscheinlich Mindestschätzungen darstellen und die Meldekapazitäten von Land zu Land unterschiedlich sind, was bedeutet, dass nationale Vergleiche mit Vorsicht angestellt werden müssen. Ein Mangel an detaillierten toxikologischen Informationen in einigen Ländern bedeutet auch, dass unser allgemeines Verständnis für die Rolle, die verschiedene Drogen bei den Trends drogenbedingter Todesfälle spielen, derzeit begrenzt ist. Der Mangel detaillierter toxikologischer Informationen kann auch das Verständnis darüber beeinträchtigen, welche Rolle die verschiedene Drogen bei kombiniertem Konsum spielen. Da bei den meisten tödlichen Überdosierungen mehr als eine Substanz beteiligt ist und die Drogenkonsummuster immer komplexer werden, müssen wir zudem unser Verständnis dafür verbessern, wie sich Veränderungen bei polyvalentem Drogenkonsum auf die Mortalität auswirken. Durch die Einrichtung der EUDA wurden die Kapazitäten für eine rasche Bedrohungsanalyse, für Frühwarnungen und für die Abgabe von Warnmeldungen sowie für unterstützende Maßnahmen zur Verbesserung der routinemäßigen Meldekapazitäten in diesem Bereich gestärkt. Insbesondere wird die EUDA ein Netzwerk forensischer und toxikologischer Labore koordinieren, wodurch die verfügbaren Analysekapazitäten zur Überwachung, wie sich verschiedene Drogen und Drogenkombinationen auf Mortalitätstrends auswirken, erhöht werden.

Der Großteil der drogenbedingten Todesfälle steht in Zusammenhang mit polyvalenten Konsummustern

Im Jahr 2023 stieg die Zahl der gemeldeten drogenbedingten Todesfälle in einigen EU-Mitgliedstaaten leicht an, während sie in anderen zurückging. Die vorläufige Gesamtzahl von beinahe 7 500 drogenbedingten Todesfällen im Jahr 2023 stellt einen leichten Anstieg gegenüber den überarbeiteten Zahlen für 2022 dar. Diese Zahl ist jedoch mit Vorsicht zu interpretieren, da eine Reihe von Ländern mit großen Bevölkerungszahlen noch keine Daten vorgelegt hat und für die Berechnung dieser vorläufigen Gesamtzahl Schätzwerte verwendet wurden. Der größte Anstieg der Zahl der drogenbedingten Todesfälle im Jahr 2023 wurde von Deutschland, Lettland, Finnland, Norwegen und der Türkei gemeldet.

Aus den verfügbaren Informationen geht hervor, dass Opioide – überlicherweise in Kombination mit anderen Substanzen – nach wie vor die Gruppe von Substanzen sind, mit denen die meisten drogenbedingten Todesfälle in Verbindung gebracht werden. Die allgemeinen Trends bei den Todesfällen, die auf Opioide zurückzuführen sind, scheinen stabil zu sein, jedoch nimmt der Anteil der Todesfälle in älteren Altersgruppen zu. Schätzungen zufolge kam es in der Europäischen Union im Jahr 2023 zu etwas weniger Todesfällen im Zusammenhang mit Heroin – etwa 1 200 (gegenüber 1 300 im Jahr 2022). Diese Mindestschätzung basiert auf Daten aus 18 EU-Mitgliedstaaten, für die Daten für beide Jahre vorliegen. Heroin ist nach wie vor die Droge, die in einigen westeuropäischen Ländern am häufigsten mit opioidbedingten Todesfällen in Verbindung gebracht wird. Die verfügbaren Daten deuten jedoch darauf hin, dass Heroin nur noch in wenigen Ländern bei der Mehrheit der Todesfälle durch Überdosierung nachgewiesen wird und dass andere Opioide und andere Drogen mittlerweile eine wichtige Rolle spielen. In einigen Ländern werden andere Opioide als Heroin, darunter Methadon und – in geringerem Maße – Buprenorphin sowie opioidhaltige Schmerzmittel und andere synthetische Opioide, mit einem erheblichen Anteil der Todesfälle durch Überdosierung in Verbindung gebracht.

Auch wenn nicht zu allen Todesfällen detaillierte toxikologische Informationen vorliegen, deuten die vorhandenen Informationen darauf hin, dass polyvalente Toxizität die Regel ist. In Fällen, in denen detaillierte toxikologische Informationen verfügbar sind, weisen diese in der Regel das Vorhandensein mehrerer Substanzen aus. Während viele Länder einzelne Drogen melden, die in der Post-mortem-Toxikologie identifiziert wurden, geben nur wenige Länder an, wie diese Drogen kombiniert werden und wie viele Todesfälle auf Drogenmischungen zurückzuführen sind. Eine Analyse der Mortalitätsdaten aus Österreich, Slowenien und Norwegen für das Jahr 2023 liefert ein detaillierteres Bild und zeigt beispielsweise, dass die meisten drogenbedingten Todesfälle mit dem Konsum mehrerer Substanzen in Zusammenhang standen. Opioide blieben insgesamt die am häufigsten nachgewiesene Gruppe von Drogen, und bei einigen Todesfällen im Zusammenhang mit Opioiden war auch Heroin beteiligt. Heroin wurde selten allein oder nur in Verbindung mit Alkohol nachgewiesen, und bei den meisten Fällen im Zusammenhang mit Heroin waren verschiedene Kombinationen von Substanzen beteiligt (Abbildung 11.1). Alkohol – entweder allein mit Heroin oder in Kombination mit anderen Substanzen – wurde ebenfalls häufig festgestellt, ebenso wie Benzodiazepine. In Dänemark, Österreich, Slowenien und Finnland wurden Benzodiazepine im Jahr 2023 mit mehr als der Hälfte der drogenbedingten Todesfälle in Verbindung gebracht.

Abbildung 11.1. Verteilung der Fälle mit Heroin in Österreich, Slowenien und Norwegen im Jahr 2023

Austria: 132 cases out of 199.
Slovenia: 34 cases out of 67
Norway: 77 cases out of 363.

Die Daten zur drogenbedingten Mortalität deuten zudem darauf hin, dass die Kohorte von Opioidkonsumierenden in Europa immer älter wird, wobei die meisten Todesfälle im Zusammenhang mit dem Drogenkonsum typischerweise bei Männern im Alter von 40 Jahren oder älter zu verzeichnen sind. Dies zeigt sich auch daran, dass die Zahl der drogenbedingten Todesfälle bei den 50- bis 64-Jährigen zwischen 2013 und 2023 um mehr als das Doppelte gestiegen ist.

Die verfügbaren Daten deuten auch darauf hin, dass die Zahl der Todesfälle, bei denen Stimulanzien eine Rolle spielen, in einigen Ländern zunimmt, allerdings mit dem wichtigen Vorbehalt, dass durch Stumulanzien bedingte Todesfälle wahrscheinlich besonders häufig nicht gemeldet werden und Stimulanzien häufig bei Todesfällen nachgewiesen werden, bei denen auch andere Drogen, einschließlich Opioide, eine Rolle spielen. Außerdem deuten einige Daten darauf hin, dass auch bei jüngeren Alterskohorten drogenbedingte Todesfälle offenbar häufiger mit Stimulanzien zusammenhängen.

Überdosierungen und Todesfälle im Zusammenhang mit synthetischen Opioiden geben nach wie vor Anlass zur Sorge

Hochwirksame synthetische Opioide wie das Fentanylderivat Carfentanil und Nitazen-Opioide wurden mit einigen Fällen von tödlichen und nicht tödlichen Vergiftungen in Verbindung gebracht. Außer in einigen baltischen Ländern kommen diese Drogen jedoch nicht sehr häufig in den auf EU-Ebene verfügbaren Routinedaten vor. Dennoch sind die Entwicklungen in diesem Bereich besorgniserregend, da sich diese Substanzen in Zukunft negativ auf die öffentliche Gesundheit in Europa auswirken können.

Nitazen-Opioide spielten 2023 und 2024 in Irland und 2023 in Frankreich bei lokalisierten Fällen von Vergiftungen eine Rolle. In Irland wurden Nitazene im Jahr 2023 fälschlicherweise als Heroin und im Jahr 2024 fälschlicherweise als Benzodiazepine verkauft, was zu unbeabsichtigtem Konsum und mehreren Überdosierungen führte (siehe Neue psychoaktive Substanzen – die aktuelle Situation in Europa). Cluster von Todesfällen und akuten Vergiftungen im Zusammenhang mit Nitazen wurden 2023 in Frankreich und 2024 in Deutschland gemeldet. Von Januar 2023 bis September 2024 meldete Schweden mehr als 30 Todesfälle im Zusammenhang mit Metonitazen – das ist im Durchschnitt mehr als einer pro Monat –, bevor die Zahl im Herbst 2024 dann zurückging. Von Juni 2023 und August 2024 meldete Norwegen 34 Todesfälle im Zusammenhang mit Nitazen (hauptsächlich Metonitazen) – das sind im Durchschnitt mehr als zwei pro Monat –, bevor die Inzidenz ab September 2024 dann drastisch zurückging. Metonitazen wurde in gefälschten verschreibungspflichtigen Tabletten gefunden. Zu den Maßnahmen, die im Jahr 2024 ergriffen wurden, gehörten Warnungen in den Medien, nationale Warnungen, ein verbesserter Zugang zu Naloxon, die Einstufung von Nitazenen als Betäubungsmittel mit höherer Priorität und verstärkte polizeiliche Maßnahmen gegenüber Online-Verkäufern. Aufgrund ihrer hohen Wirkstärke und Neuartigkeit gibt es Bedenken, dass Nitazen-Opioide möglicherweise in Verfahren, die in der Regel für die Post-mortem-Toxikologie verwendet werden, nicht routinemäßig nachweisbar sind. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Zahl der gemeldeten Todesfälle unterschätzt werden könnte. Einige Belege hierfür stammen aus baltischen Ländern, in denen durch Verbesserungen bei den Testmethoden mehr Substanzen nachgewiesen werden konnten. In Estland stieg die Zahl der drogenbedingten Todesfälle von 82 im Jahr 2022 auf 119 im Jahr 2023, was einer drogenbedingten Mortalitätsrate von 135 pro Million Einwohner (in der Altersgruppe der 15- bis 64-Jährigen) entspricht – das ist das Sechsfache des EU-Durchschnitts. Mehr als der Hälfte dieser Todesfälle (52 %) wurden mit Nitazenen, hauptsächlich Metonitazen und Protonitazen, in Verbindung gebracht. In Lettland wurde sowohl in den nationalen Statistiken als auch in den forensischen Registern vorläufig ein Anstieg der Gesamtzahl der drogenbedingten Todesfälle von 63 im Jahr 2022 auf 154 im Jahr 2023 gemeldet, was einer drogenbedingten Mortalitätsrate von 130 pro Million Einwohner (in der Altersgruppe der 15- bis 64-Jährigen) entspricht – das ist mehr als das Fünffache (5,3) des EU-Durchschnitts. Nitazene wurden in 101 dieser Fälle (66 %) nachgewiesen und waren damit für den Anstieg verantwortlich. Obwohl systematische Tests auf Nitazene im Jahr 2022 nicht möglich waren, stieg die Zahl der Notfälle mit akuter Drogentoxizität im Zusammenhang mit Opioiden drastisch an (von etwa 2 400 im Jahr 2022 auf über 4 000 im Jahr 2023). Anekdotische Berichte von Klinikmitarbeitenden, die darauf hindeuten, dass größere Dosen von Naloxon erforderlich waren, geben Anlass zu der Annahme, dass bei den Notfällen vermutlich synthetische Opioide eine Rolle spielten. Seit 2019 haben mindestens 21 Länder Nitazene an das Frühwarnsystem für neue psychoaktive Substanzen gemeldet. Somit werden nun 22 verschiedene Nitazene über das Frühwarnsystem überwacht.

Es bedarf Maßnahmen zur Bekämpfung vorsätzlicher Selbstverletzung durch Vergiftungen

Es kann schwierig sein, die Absicht einer an einer Drogenüberdosierung gestorbenen Person festzustellen. Viele Todesfälle durch Überdosierung werden als zufällig gemeldet, bei anderen ist die Absicht ungewiss. In einigen Ländern liegen jedoch mehr Informationen über die Absicht vor, und ein relativ hoher Anteil der gemeldeten Todesfälle durch Überdosierung (insgesamt jeder achte) wurde 2022 und 2023 als absichtlich eingestuft (d. h. es bestand Suizidabsicht). In allen EU-Mitgliedstaaten (ausgenommen Malta) und in Norwegen zeigen die jüngsten verfügbaren Daten, dass der Anteil der Todesfälle durch Überdosierung mit Suizidabsicht bei Frauen höher war. In den Niederlanden und Schweden wurde 2022/2023 bei mehr als einem Drittel der gemeldeten Todesfälle durch Überdosierung bei Frauen Suizidabsicht festgestellt. Im gleichen Zeitraum wurde in Dänemark, Ungarn, Polen, Slowenien und Finnland bei einem Fünftel oder mehr der Todesfälle durch Überdosierung bei Frauen eine Suizidabsicht festgestellt. Diese Daten zeigen, dass Maßnahmen erforderlich sind, die auf die absichtliche Selbstschädigung und Suizidabsicht bei Drogenkonsumierenden abzielen, und dass anerkannt werden muss, dass Frauen in diesem Zusammenhang stärker gefährdet sind.

Es bedarf einer Ausweitung der Dienste, um Überdosierungen und Todesfälle im Zusammenhang mit Opioiden zu verhindern

Um die Zahl opioidbedingter Todesfälle zu verringern, sind sowohl Maßnahmen zur Vorbeugung von Überdosierungen als auch Maßnahmen zur Verhinderung von Todesfällen bei Überdosierung erforderlich (Abbildung 11.2). Durch Veränderungen bei den injizierenden Opioidkonsumierenden und bei den konsumierten Arten von Substanzen ergeben sich neue und größere Herausforderungen im Hinblick auf die Maßnahmen zur Verringerung der Todesfälle durch Überdosierung. Eine dieser Herausforderungen besteht darin, differenzierte Programme zu entwickeln, die auf die Bedürfnisse der verschiedenen Gruppen zugeschnitten sind, und die Dienste an die Bedürfnisse der verschiedenen Altersgruppen anzupassen. Die Inanspruchnahme einer Opioid-Agonisten-Therapie als Schutzfaktor gegen eine Opioidüberdosierung und einige andere Todesursachen ist eindeutig belegt, jedoch gibt es in vielen EU-Mitgliedstaaten nach wie vor Probleme hinsichtlich der Reichweite und des Zugangs, d. h., das Angebot liegt im Vergleich zum geschätzten Bedarf unterhalb der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Werte.

Abbildung 11.2. Maßnahmen zur Verhinderung opioidbedingter Todesfälle, nach Zielsetzung und nachgewiesenem Nutzen

  • Verringerung von Todesfällen bei Überdosierung
    • Naloxon-Einsatz*
    • Ausgabe von und Aufklärung über Naloxon* (Fach- und Rettungskräfte, Gemeinschaft)
    • Drogenkonsumeinrichtungen*
    • Apps zur Prävention tödlicher Überdosierungen
  • Reduzierung des Überdosierungsrisikos
    • Opioid-Agonisten-Therapie, Verbleib in der Behandlung und Betreuungskontinuität*
    • Gezielte Maßnahmen in Zeiten geringerer Toleranz (z. B. bei Entlassung aus der Haftanstalt oder Behandlungsunterbrechung)
    • Bewertung des Risikos einer Überdosierung, Sensibilisierung für das Thema und Schadensminimierung
    • Präventionsstrategien gegen Überdosierung
    • Verhinderung der Abzweigung von Arzneimitteln
    • Substanzanalysen und öffentliche Gesundheitswarnungen
    • Unterstützung der Abkehr von der Injektion zugunsten des Rauchens von Opioiden
    • Gezielte Behandlungen (Naltrexonbehandlung, heroingestützte Behandlung)
  • Verringerung der Anfälligkeit
    • Ganzheitliche Betreuung durch Akteure der psychischen und der allgemeinen Gesundheit
    • Maßnahmen zur Verbesserung des Zugangs zu gesundheitlicher und sozialer Betreuung
    • Programme zur Bereitstellung von Unterkünften
    • Unterstützung von Beschäftigungsprogrammen
    • Maßnahmen gegen Stigmatisierung

Hinweis: Maßnahmen, bei denen es Hinweise auf einen Nutzen gibt und bei denen wir hohes oder hinreichendes Vertrauen in die verfügbaren Daten haben können, werden durch Fettdruck und ein Sternchen (*) hervorgehoben.

Hinweise: Maßnahmen, bei denen es Hinweise auf einen Nutzen gibt und bei denen wir hohes oder hinreichendes Vertrauen in die verfügbaren Daten haben können, werden durch einen kräftigeren Rahmen hervorgehoben. Ein Großteil der aktuell verfügbaren Erkenntnisse über die in dieser Abbildung dargestellten Maßnahmen ist entweder neu oder wird als unzureichend angesehen, was zum Teil auf die praktischen und methodischen Schwierigkeiten bei der Forschungsarbeit zurückzuführen ist, vor allem bei der Entwicklung randomisierter Kontrollstudien (siehe Spotlight on... Understanding and using evidence) (Fokus auf... Verständnis und Nutzung von Forschungsergebnissen)). Hinzu kommt die Tatsache, dass die Dienstleistungsmodelle sich häufig erheblich unterscheiden.

Ebenso mehren sich die Hinweise darauf, dass die zunehmende Verfügbarkeit von Opioid-Agonisten eine wichtige Rolle bei der Vermeidung tödlicher Opioid-Überdosierungen spielen kann. Aber auch hier unterscheidet sich das Ausmaß, in dem dieser Ansatz zur Verfügung steht, von Land zu Land und innerhalb der einzelnen Länder. Die Einführung von Naloxon-Programmen (einschließlich Pilotprojekten) zur Verhinderung von Todesfällen durch Überdosierung wurde bis zum Jahr 2023 von 15 europäischen Ländern gemeldet. Die sich ändernden Konsummuster und die Verfügbarkeit verschiedener Naloxon-Formulierungen zum Injizieren und als Nasenspray erfordern womöglich, dass die Unterstützungsdienste die Maßnahmenprotokolle überprüfen, um einen angemessenen Zugang zu den verfügbaren Produkten und deren ordnungsgemäße Anwendung sicherzustellen. Die Behandlung einer Überdosierung mit starken synthetischen Opioiden wie Nitazenen oder Fentanylderivaten kann schwierig sein. Für klinische Settings wird in den Leitlinien von 2024 bestätigt, dass die Erstversorgung bei akuter Opioidvergiftung unverändert bleibt und die titrierte Verabreichung von Naloxon weiterhin die empfohlene Vorgehensweise ist. In öffentlichen Settings, einschließlich Programmen zum Mitnehmen von Naloxon, kann mehr als eine Dosis erforderlich sein. In solchen Fällen wird den Umstehenden empfohlen, die Dosen schrittweise zu verabreichen, die Reaktion der betroffenen Person zwischen den Verabreichungen zu beobachten und gegebenenfalls eine Mund-zu-Mund-Beatmung oder Herz-Lungen-Wiederbelebung durchzuführen. Dies macht deutlich, wie wichtig es ist, Personen, die möglicherweise Zeugen einer Überdosierung werden oder auf eine solche reagieren müssen, in Erster Hilfe, einschließlich der richtigen Gabe von Naloxon, zu schulen. Die für 2023 verfügbaren Daten aus sechs EU-Mitgliedstaaten und Norwegen zeigen, dass mehrere Tausend Personen in der korrekten Verabreichung des Arzneimittels geschult wurden. In einigen Ländern, in denen solche Schulungen durchgeführt werden, bestehen jedoch nach wie vor Probleme hinsichtlich der Reichweite und des Zugangs, und auf nationaler und lokaler Ebene sind weitere Informationen zur Schulung im Umgang mit sowie zur Bereitstellung und Verabreichung von Naloxon erforderlich, um den Einsatz dieses lebensrettenden Arzneimittels zu unterstützen. In weiteren europäischen Ländern schritt die Umsetzung 2024 weiter voran: Kroatien, Luxemburg und Finnland haben mit der Erprobung von Programmen zum Mitnehmen von Naloxon begonnen.

In einigen Ländern werden als Maßnahme zur Verringerung von Todesfällen durch Überdosierung Drogenkonsumräume bereitgestellt. Inzwischen verfügen 13 EU-Mitgliedstaaten sowie Norwegen über solche Einrichtungen (siehe Schadensminimierung – die aktuelle Situation in Europa). In Gebieten mit einem hohen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund und neuen Einwanderern sollten Aufklärungsmaßnahmen zur Schadensminimierung für Drogenkonsumierende mit hohem Risiko verstärkt in der jeweiligen Sprache erfolgen. Weitere Informationen über die gesundheitlichen und sozialen Maßnahmen zur Verhinderung opioidbedingter Todesfälle finden Sie im Miniguide der EUDA.

Wichtige Daten und Trends

Mortalitätsraten im Zusammenhang mit Überdosierungen

  • Die Mortalitätsrate im Zusammenhang mit Überdosierungen in der Europäischen Union im Jahr 2023 wird auf 24,7 Todesfälle pro Million Einwohner im Alter von 15 bis 64 Jahren geschätzt.
  • Die Mortalitätsraten aufgrund von Überdosierung sind bei Männern in der Regel drei- bis viermal höher als bei Frauen (Abbildung 11.3), wobei Männer im Alter zwischen 25 bis 39 Jahren am stärksten betroffen sind. Die Mortalitätsraten im Zusammenhang mit Überdosierungen in dieser Altersgruppe können erheblich höher sein als bei der männlichen Bevölkerung im Alter zwischen 15 und 64 Jahren (Erwachsene). In Schweden beispielsweise lag die Mortalitätsrate im Zusammenhang mit Überdosierung bei Männern im Alter zwischen 25 bis 39 Jahren im Jahr 2023 bei 117 Todesfällen je Million, verglichen mit 89 Todesfällen je Million erwachsener Männer im Land. In Estland lagen die vergleichbaren Zahlen bei 264 Todesfällen pro Million Männer im Alter von 25 bis 39 Jahren und 209 Todesfällen pro Million erwachsene Männer.
Abbildung 11.3. Anteil der Männer an den drogenbedingten Todesfällen in der Europäischen Union, Norwegen und der Türkei im Jahr 2023 oder im aktuellsten Jahr (in Prozent)
 

Todesfälle durch Überdosierung

Im Jahr 2023 kam es in der Europäischen Union schätzungsweise zu mindestens 7 459 Todesfällen durch Überdosierung von Drogen (7 145 im Jahr 2022). Dies ist eine Mindestschätzung, da einige Länder berichtet haben, dass ihr Überwachungssystem einige Fälle nicht erfasst hat. So deutete beispielsweise eine Kreuzvalidierung der Daten aus den verschiedenen Registern (allgemeine und spezielle Register) in Spanien für 2022 darauf hin, dass bei ausschließlichen Heranziehung des allgemeinen Registers womöglich nur vier von fünf Fällen gemeldet wurden. In Deutschland und Italien enthält das Sterberegister nur Fälle, die der Polizei bekannt geworden sind. Daher kann es sein, dass Fälle, die nicht bei der Polizei gemeldet werden, auch im Überwachungssystem nicht erfasst werden. Das Ausmaß der Untererfassung ist jedoch nicht bekannt.

In Europa sind verschiedene Bevölkerungsgruppen betroffen

  • In Finnland sind drogenbedingte Todesfälle bei Menschen unter 25 Jahren weiterhin hoch. Im Jahr 2023 machten sie 29 % aller Todesfälle durch Drogenvergiftung aus (91 von 310). Auf diese Altersgruppe entfielen 25 % der im Jahr 2023 gemeldeten drogenbedingten Todesfälle in Österreich (63 von 256 Todesfällen), 22 % in Luxemburg (2 von 9 Todesfällen) und 20 % in Ungarn (6 von 30 Todesfällen).
  • Schätzungen zufolge hat sich die Zahl der in der Europäischen Union gemeldeten Todesfälle durch Überdosierung bei den 50- bis 64-Jährigen zwischen 2013 und 2023 insgesamt mehr als verdoppelt, mit einem Anstieg bei Frauen um 76 % (von 184 auf 323 Todesfälle) und bei Männern um 159 % (von 422 auf 1 094 Todesfälle) (Abbildung 11.4).
Abbildung 11.4. Anzahl der in der Europäischen Union gemeldeten drogenbedingten Todesfälle in den Jahren 2013 und 2023 oder im aktuellsten Jahr, nach Altersspannen
 
 

Bekannte und neue Substanzen, die mit drogenbedingten Todesfällen in Verbindung gebracht werden

  • Im Jahr 2023 wurden Opioide, einschließlich Heroin und seine Metaboliten, schätzungsweise in sieben von zehn Fällen tödlicher Überdosierungen in der Europäischen Union nachgewiesen, häufig in Kombination mit anderen Substanzen (siehe Abbildung 11.5 und Abbildung 11.6). In toxikologischen Berichten zu drogenbedingten Todesfällen werden häufig mehrere Drogen genannt.
Abbildung 11.5a. Drogenbedingte Todesfälle
 

EU+2 refers to EU Member States, Norway and Türkiye.

Abbildung 11.5b. Drogenbedingte Todesfälle in der Europäischen Union: Alter zum Zeitpunkt des Todes, 2023 oder neueste verfügbare Daten (in Prozent)
 
Abbildung 11.5c. Trends bei drogenbedingten Todesfällen in der Europäischen Union, Norwegen und der Türkei
 

Note. For Germany, from the year 2021 the data fully comply with the European protocol defining cases to be extracted from special mortality registers such as those of police and forensic services. Comparable data for the previous years are not available. For this series and graph, the previous years were filled in with the first available data point (2021) in order to avoid mixing of different data series with different methods. However, it should be noted that Germany saw an increase in drug-induced deaths during this period, according to the national definition. No data are available for Spain and France for 2023, and the 2022 data were used as estimates for the missing 2023 data.

Abbildung 11.5d. Altersverteilung (in Prozent) der gemeldeten drogenbedingte Todesfälle in der Europäischen Union, Norwegen und der Türkei im Jahr 2023 bzw. im aktuellsten Jahr
 
Abbildung 11.6. Anteil der drogenbedingten Todesfälle, bei denen Opioide nachgewiesen wurden, 2023 oder neueste verfügbare Daten
 

Information on toxicology is not available for Poland.

  • In einigen westeuropäischen Ländern spielt Heroin nach wie vor bei einer großen Zahl von Todesfällen eine Rolle: mehr als 678 in Deutschland, 132 in Österreich (Heroin oder Morphin), 83 in Schweden, 77 in Norwegen und 74 in Italien. Vorläufigen Schätzungen zufolge beläuft sich die Gesamtzahl der Todesfälle in der Europäischen Union, die mit Heroin in Verbindung gebracht wurden, auf 1 600. Die verfügbaren Daten weisen hinsichtlich der Qualität und des Erfassungsgrads jedoch Einschränkungen auf.
Abbildung 11.7. Anteil der drogenbedingten Todesfälle, bei denen Alkohol und Benzodiazepine nachgewiesen wurden
 

Note: Only countries with at least 30 deaths with reported toxicology in 2023 are included. Data for alcohol are not available for Sweden. The data may represent minimum estimates for some countries, due to limitations in the analytical procedures in place and in the reporting of data.

  • Heroin wurde in verhältnismäßig wenigen EU-Mitgliedstaaten in der Mehrzahl der Todesfälle durch Überdosierung nachgewiesen: Österreich (Heroin oder Morphin) (66 %), Luxemburg (Heroin oder Morphin) (56 %), Slowenien (51 %) und Bulgarien (50 %). In folgenden Ländern wurde Heroin in etwa zwei Fünfteln bis einem Fünftel der Todesfälle durch Überdosierung nachgewiesen: Italien (45 %), Deutschland (37 %), Frankreich (34 % im Jahr 2022), Portugal (34 %), Kroatien (29 %), Rumänien (28 %), Türkei (20 %), Spanien (20 % im Jahr 2022) und Norwegen (21 %). In Tschechien, Estland, Zypern, Lettland, Litauen, Ungarn, Malta, der Slowakei, Finnland und Schweden wurde Heroin 2023 mit weniger als einem von fünf Todesfällen durch Überdosierung in Verbindung gebracht.
  • Von den 20 EU-Mitgliedstaaten, die für 2022 und 2023 Daten zur Verfügung gestellt haben, wurde Kokain – meist in Verbindung mit Opioiden – im Jahr 2023 bei 1 051 (26 %) der Todesfälle durch Überdosierung nachgewiesen (956 bzw. 27 % im Jahr 2022).
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Kokain werden nun auch von Ländern gemeldet, in denen solche Todesfälle bislang weniger häufig waren, darunter Dänemark, Zypern, den Niederlanden, Slowenien und Finnland.
  • Im Jahr 2023 wurden in Deutschland 30 % der Todesfälle durch Überdosierung mit Kokain in Verbindung gebracht. In Portugal waren es 65 %.
  • Viele Todesfälle sind auf andere Stimulanzien als Kokain, etwa Amphetamin und Methamphetamin, zurückzuführen, häufig in Kombination mit Opioiden. Von den 19 Ländern, für die für das Jahr 2023 Post-mortem-Daten vorliegen, meldeten 17 Todesfälle, die auf andere Stimulanzien als Kokain zurückzuführen waren. Die meisten Todesfälle im Zusammenhang mit anderen Stimulanzien als Kokain wurden von Deutschland (490), der Türkei (228), Schweden (75), Norwegen (64), Dänemark (61), Finnland (49), Lettland (41), Estland (32) und Österreich (30) gemeldet. Neben diesen drogenbedingten Todesfällen können auch andere durch Stimulanzien bedingte Todesfälle, z. B. im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Problemen, unerkannt bleiben.
  • Im Jahr 2023 wurden Cathinone von sieben Ländern im Zusammenhang mit drogenbedingten Todesfällen gemeldet. In Ungarn wurden 12 der 30 Todesfälle, die im Jahr 2023 gemeldet wurden, mit Cathinonen in Verbindung gebracht. In Finnland waren es zwölf von 253 Todesfällen, während in Litauen, Österreich, Rumänien, Slowenien und der Slowakei eine geringere Zahl von Todesfällen im Zusammenhang mit Cathinonen gemeldet wurde.
  • Von den 18 Ländern, für die toxikologische Post-mortem-Daten für das Jahr 2023 vorliegen, stand in sieben etwa jeder vierte drogenbedingte Todesfall mit Methadon in Verbindung. In folgenden Ländern wurden Arzneimittel für die Opioid-Agonisten-Therapie in mindestens 30 % der Fälle mit bekannter Toxikologie erwähnt: Luxemburg (56 %), Rumänien (40 %), Kroatien (38 %), Estland (37 %), Portugal (36 %), Bulgarien (35 %) und Deutschland (31 %). Es liegen nur wenige Informationen darüber vor, ob die Arzneimittel verschrieben, missbräuchlich verwendet oder auf dem Schwarzmarkt erworben wurden. Dass die Droge nachgewiesen wurde, bedeutet jedoch nicht, dass sie auch die Ursache für die Vergiftung war, da Überdosierungen häufig im Zusammenhang mit polyvalentem Drogenkonsum, d. h. dem Konsum zusammen mit anderen Opioiden, Alkohol und anderen Arzneimitteln wie Benzodiazepinen, auftreten.
  • Im Jahr 2023 wurde Buprenorphin bei 58 % (147) der in Finnland gemeldeten drogenbedingten Todesfälle und bei 16 % (73) der Fälle in Schweden nachgewiesen. In allen anderen Ländern mit verfügbaren Daten wurde Buprenorphin in weniger als 5 % der tödlichen Fälle von Überdosierung oder gar nicht gemeldet.
  • Tramadol, ein Opioid zur Behandlung mittelschwerer bis starker Schmerzen, wurde im Jahr 2023 in 13 europäischen Ländern bei weniger als 5 % (173) der gemeldeten Todesfälle durch Überdosierung nachgewiesen. Allerdings standen 35 % der 136 Todesfälle, die 2022 vom französischen Register für arzneimittelmissbrauchsbedingte Todesfälle gemeldet wurden, im Zusammenhang mit Tramadol, was darauf hindeutet, dass eine bessere Überwachung und toxikologische Untersuchung die Aufdeckung von Todesfällen im Zusammenhang mit opioidhaltigen Arzneimitteln erhöhen könnte. Morphin, Oxycodon und Fentanyl spielten im Jahr 2022 bei 25 %, 20 % bzw. 4 % der im Register der durch Arzneimittelmissbrauch bedingten Todesfälle erfassten Fälle eine Rolle.
  • Die verfügbaren Daten aus 16 EU-Mitgliedstaaten deuten darauf hin, dass die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Fentanyl und seinen Derivaten relativ unverändert geblieben ist. Im Jahr 2023 wurden 153 Todesfälle durch Überdosierung mit diesen Drogen in Verbindung gebracht (159 im Jahr 2022). Deutschland meldete die meisten Todesfälle im Zusammenhang mit Fentanyl (70). Einige dieser Todesfälle könnten eher mit abgezweigten Fentanyl-Arzneimitteln als mit illegalem Fentanyl in Verbindung stehen. Die übrigen im Jahr 2023 gemeldeten Fälle stammten aus Schweden (15), Dänemark (10), Österreich (7), Estland (7) und Finnland (6).
  • Daten aus Estland und Lettland für das Jahr 2023 deuten darauf hin, dass die Zahl der drogenbedingten Todesfälle im Zusammenhang mit neuen synthetischen Opioiden weiter gestiegen ist. Die in Estland im Jahr 2023 am häufigsten nachgewiesenen Nitazene waren Protonitazen (40 von 119 Fällen) und Metonitazen (32 von 119 Fällen – 27 %).
  • Von den Ländern, für die Daten für 2023 vorliegen, spielte Oxycodon in acht Ländern bei 151 drogenbedingten Todesfällen eine Rolle: Schweden (88), Finnland (26), Dänemark (24), Estland (7), Österreich (3), Litauen (1), Luxemburg (1), Portugal (1).
  • Der Konsum von Opioiden in Kombination mit Benzodiazepinen erhöht das Risiko einer Überdosierung. Im Jahr 2023 wurden in Dänemark, Österreich, Slowenien und Finnland bei den meisten Todesfällen durch Überdosierung Benzodiazepine zusammen mit anderen Substanzen, in erster Linie Opioide, nachgewiesen.
  • Nur wenige Länder melden drogenbedingte Todesfälle in Verbindung mit Pregabalin oder Gabapentin. Von diesen Ländern meldete Finnland 87 Todesfälle für das Jahr 2023 (87 im Jahr 2022). Zwei Länder meldeten einen Anstieg der Zahl der Todesfälle, bei denen Pregabalin oder Gabapentin nachgewiesen wurde: Dänemark (60 Todesfälle im Jahr 2023 gegenüber 58 im Jahr 2022) und Österreich (71 Todesfälle im Jahr 2023 gegenüber 54 im Jahr 2022).
  • Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit synthetischen Cannabinoiden stieg 2023 in der Türkei auf 61 (acht im Jahr 2022).
  • Im Jahr 2023 meldeten sieben Länder, für die Daten verfügbar sind, 39 Todesfälle im Zusammenhang mit synthetischen Cathinonen: Finnland (12), Ungarn (12), Litauen (6), Slowenien (4), Österreich (2), Rumänien (2) und Slowakei (1).

Drogenbedingte Gesamtmortalität

  • In einer norwegischen Kohortenstudie aus dem Jahr 2024 wurde unter 92 000 Menschen, die zwischen 2010 und 2022 aus dem Strafvollzug entlassen wurden, die Mortalität nach der Entlassung analysiert. Psychische Störungen und Opioidabhängigkeit standen in engem Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Mortalität nach der Entlassung. Bei Personen, die eine Opioid-Agonisten-Therapie erhielten, ergab die Studie einen Rückgang sowohl der Gesamtmortalität als auch der Mortalität durch Überdosierung in den ersten sechs Monaten nach der Entlassung.
  • Im Jahr 2023 konnte die Opioid-Agonisten-Therapie in 28 der 29 Länder, die der EUDA Bericht erstatten, im Strafvollzug fortgesetzt, in 24 Ländern eingeleitet und in 23 Ländern nach der Haft fortgesetzt werden (siehe Schadensminimierung – die aktuelle Situation in Europa).

Weitere detaillierte Informationen finden Sie im Miniguide der EUDA „Opioidbedingte Todesfälle: Gesundheitliche und soziale Maßnahmen“ sowie auf der Website der EUDA „EUDA answers key questions on overdose deaths“ (Antworten der EUDA auf Schlüsselfragen zu Todesfällen durch Überdosierung).

Quelldaten

Der vollständige Datensatz der Quelldaten für den Europäischen Drogenbericht 2025, einschließlich Metadaten und methodischer Hinweise, ist in unserem Datenkatalog verfügbar.

Nachstehend finden Sie einen Teilsatz dieser Daten, der zur Generierung von Infografiken, Diagrammen und ähnlichen Elementen auf dieser Seite verwendet wird.

Berichtigung: Am 2.7.2025 wurde eine Berichtigung vorgenommen. In einer früheren Fassung wurde die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Nitazen in Norwegen fälschlicherweise mit 35 angegeben.

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